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Finanzinstrumente sind Schwerpunktthema 2019 (ESMA; DPR)

Finanzinstrumente sind Schwerpunktthema 2019

Die Umsetzung der Vorgaben des IFRS 9 führten und führen bei Handelsunternehmen zu intensiven Anpassungsmaßnahmen.

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Das Verständnis und die Umsetzung der Vorgaben des IFRS 9 führten und führen bei Industrie- und Handelsunternehmen zu intensiven Anpassungsmaßnahmen. Die Herausforderungen umfassen die Entwicklung von Fachkonzepten, die Berechnung der konkreten Werte für die Bilanzierung und die Notes Disclosures nach IFRS (im Folgenden: Anhangangaben).

In den Fachkonzepten ging es vor allem um die Entwicklung von Vorgehensweisen für die relevanten Regelungsbereiche. Die größten Schwierigkeiten lagen dabei in der Regel in der Klassifizierung finanzieller Vermögenswerte und im neuen Kreditrisikomodell. Darüber hinaus mussten bei einzelnen Unternehmen (beispielsweise bei Vorliegen von nicht-wesentlichen Vertragsänderungen eigener Schulden, die zur Transition im Bestand waren) durchaus komplexe weitere Themen mit hoher Auswirkung auf die Bilanz und Gesamtergebnisrechnung, gelöst werden. Für die konkrete Bilanzierung nach dem neuen Standard müssen die Berechnungen zweimal, einmal für die Transition auf den neuen Standard und einmal für den Abschluss des Geschäftsjahres selbst, durchgeführt werden, um Bilanz und Gesamtergebnisrechnung erstellen zu können. Jeder, der sich intensiv mit IFRS Bilanzierung beschäftigt, weiß allerdings, dass die eigentliche Herausforderung in der Erstellung der Notes Disclosures steckt. Diese Herausforderung hat sich auch durch die Vereinfachungs-Initiative zum Anhang durch das IASB nicht deutlich reduziert. Viele Unternehmen hatten dabei die Hoffnung auf eine Schonzeit bei der exakten Umsetzung im Anhang. 

Man kann für Unternehmen im öffentlichen Fokus (public interest entities) seit dem 26.10.2018 getrost davon ausgehen, dass es keine Schonzeit geben wird! An diesem Tag wurden durch die ESMA (European Securites and Markets Authority) die Schwerpunkte für 2019 bekannt gegeben.

Diese Schwerpunkte wurden am 15.11.2018 deckungsgleich in die Schwerpunkte der DPR (Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung) übernommen und bilden damit die Grundlage für die Fragen in den Untersuchungen der DPR für 2019.

In den Erläuterungen zum Schwerpunkt hat die ESMA dann auch genau die oben genannten Herausforderungen angeführt. Man kann also davon ausgehen, dass neben der Vollständigkeit der Angaben auch inhaltliche Fragen in die Prüfung einbezogen werden. Zwar erkennt die ESMA an, dass Banken und Versicherer von den Änderungen des IFRS 9 intensiver betroffen sein werden, hält den Kreis der Betroffenen allerdings explizit breit („this standard is applicable to all issuers“). Wie immer, wenn etwas Selbstverständliches explizit wiederholt wird, empfiehlt sich eine besondere Aufmerksamkeit. 

Wenn man die Punkte einzeln durchgeht, stellt man fest, dass in den Erläuterungen zu dem Schwerpunkt auch eine Änderung des IAS 1.82 aufgenommen wurde, die derzeit (oft unter Wesentlichkeitsgesichtspunkten) Gegenstand einer gewissen Umsetzungsmüdigkeit ist. Zumindest die explizite Angabe der Wertberichtigungen in der Gewinn und Verlustrechnung ist für die meisten Unternehmen einschlägig. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die DPR die Wesentlichkeitsbeurteilung einer Prüfungsgesellschaft nicht kennt und grundsätzlich nicht an Wesentlichkeitskonzepte gebunden ist. Wer die Position der Gewinn- und Verlustrechnung also als Unwesentlich betrachtet, sollte die Höhe des Betrags zweifelsfrei nachweisen können und sich im Hinblick auf die Marginalität des Betrags absolut sicher sein. Unter den genannten Umständen kann man derzeit eigentlich nur raten, den Betrag auf jeden Fall in der Gewinn- und Verlustrechnung anzugeben. 

Die weiteren Erläuterungen zum Prüfungsschwerpunkt beinhalten natürlich die Angaben zum Übergang vom IAS 39 auf den IFRS 9 (die Transition) mit einem Fokus auf den Änderungen durch die Prinzipien der Klassifizierung und Bewertung sowie dem Wertberichtigungsmodell. Die Änderungen müssen dabei mindestens für jede Klasse von Finanzinstrumenten beziehungsweise Bewertungskategorie einzeln erfolgen und die Werttreiber sollen erläutert werden. 

Darüber hinaus werden in den Notes sowohl Änderungen im Grundlagenteil (Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte) als auch in den Angaben zu den Einzelposten der Bilanz und Gesamtergebnisrechnung geändert. Bei den Änderungen im Grundlagenteil möchte die ESMA explizit die Wahlrechte dargestellt sehen, die unter IFRS 9 in Anspruch genommen wurden. Dieser Punkt verdeutlicht nochmals die bekannte Erwartung der DPR, dass die Notes Disclosures, auch des Grundlagenteils, immer unternehmensspezifisch sein sollen. Dementgegen ist zu vermuten, dass eine Beschränkung auf reinen Standardtext im Grundlagenteil entspreche Rückfragen seitens der DPR mit sich bringen wird. Auch der Teil, in dem sich durch den Wechsel von IAS 39 auf IFRS 9 keine Änderungen bei der Berechnung ergeben haben, sollte nochmal im Kontext des IFRS 9 gelesen werden. Einen konkreten Punkt, der häufig identifiziert wurde, ist die Erstbewertung aller Finanzinstrumente zum Fair Value. Im Gegensatz zu IAS 39, werden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen nach IFRS 9 zum Transaktionspreis im Sinne des IFRS 15 erstbewertet. Dessen Operationalisierung findet sich in gewohnt britischer Schreibweise des IASB unter IFRS 15.46f. als „consideration promised“ (IFRS 15.47), bzw. als den Betrag für den das Unternehmen glaubt, vertraglich berechtigt zu sein („expects to be entitled“). Für den Grundlagenteil reicht es sicherlich, bei der Erstbewertung von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen auf den Transaktionspreis und für übrige Finanzinstrumente auf den Fair Value abzustellen.

In den Notes zu Einzelpositionen werden voraussichtlich die neuen Angaben zur Wertberichtigung einen Schwerpunkt bilden. Immerhin wurde der IFRS 7.35 auf Unterpunkte von A bis N ausgedehnt (die selbst wiederum eine Reihe von Unterpunkten mit sich führen). 

In den Notes zu Einzelposten findet sich allerdings auch ein weiterer Punkt, der vor allem viele Corporates betrifft. Viele Unternehmen haben, um Zeit zu gewinnen, das Wahlrecht ausgeübt, ihr Hedge Accounting weiter unter IAS 39 darzustellen. An dieser Stelle sei zunächst darauf hingewiesen, dass das IASB sich in großen Schritten auf den Macro-Hedge Accounting Standard zubewegt, und das Wahlrecht hier schon bald zu einem Ende kommen könnte. Die ESMA weist im Zuge der Schwerpunktbildung allerdings insbesondere darauf hin, dass sich das Wahlrecht nicht auf die neuen Anhangangaben zum Hedge Accounting nach IFRS 7 bezieht. Die an dieser Stelle beschriebenen neuen Abgabepflichten sind auch bei Fortführung eines Hedge Accountings unter IAS 39 vollumfänglich umzusetzen.

Aus all diesen Gründen sollte es dieses Jahr schon im Vorfeld zur Abschlusserstellung zu einem Endspurt bei der Umsetzung des Standards kommen, bei dem insbesondere die Vollständigkeit und Richtigkeit der geänderten Anhangangaben im Vordergrund stehen sollte.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 86, November 2018

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