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„Grünstrom-Accounting“:

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Bilanzielle Herausforderungen bei Power-Purchase-Agreements aus Windenergie

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Der Energiemarkt steht vor einer weiteren Veränderung: Erzeuger und Großverbraucher bereiten sich bereits heute darauf vor, dass Ende 2020 für die ersten Windenergieanlagen die EEG-Förderung und damit die Preisbindung auslaufen wird. Da Erzeuger aber auch ohne die staatliche Förderung eine Sicherheit über die Höhe ihrer Erlöse brauchen, um die nötigen Investitionen in Windfarmen zu tätigen, werden andere Mechanismen benötigt den Energieträger Wind in Zukunft zu vermarkten. Power Purchase Agreements (PPA) – langfristige Direktabnahmeverträge mit Großkunden – sind hier eine mögliche Lösung. Solche Vereinbarungen sind momentan stark im Kommen, allerdings gibt es bei ihrer Ausgestaltung rechtliche und bilanzielle Herausforderungen auch für die Abnehmer des Grünstroms.

In einer von KPMG im September veröffentlichten Studie, werden neben den allgemeinen Grundlagen sowie Möglichkeiten von PPA auch die bilanziellen Konsequenzen bereits kurz dargestellt. Diese reichen in der internationalen Rechnungslegung von einer möglichen Konsolidierung einer Projektgesellschaft bis hin zur Behandlung als schwebendes Beschaffungsgeschäft. Denkbare Zwischenschritte wären ein Leasing nach IFRS 16 oder die Bilanzierung als Finanzinstrument nach IFRS 9. 

Je nach Definition des Aufgabenbereichs können PPA beispielsweise über die Funktion der zentralen Terminbeschaffung von Rohstoffen oder eine integrierte Berichterstattung von Marktrisiken für das Corporate Treasury relevant sein. Hierbei dürften insbesondere die Fälle von Interesse sind, in denen ein PPA als Derivat zu klassifizieren ist und mithin über eine fortlaufende Bewertung zum Fair Value eine Ergebnisschwankung bewirkt.

Eingangs ist dabei zu bestimmen, ob das PPA alle Eigenschaften eines (eingebetteten) Derivates erfüllt. Als strittig mag in diesem Zusammenhang das Kriterium der Wertentwicklung des Vertrages von einer Basis (engl. „underlying“) betrachtet werden, da sich die endgültige Abnahmemenge häufig komplett nach der tatsächlichen Erzeugung bemisst. Diese ist bei einer Windkraftanlage natürlich nicht exakt planbar, sodass in der Vergangenheit eine hinreichend Bestimmung der vertraglichen Menge regelmäßig als nicht gegeben anzusehen war. Durch den IFRS 9 wurde in den Einführungshinweisen (IFRS 9.IG.B.8) nun aber ein Beispiel aufgenommen, in welchem der Betrag eines Derivates ebenfalls nicht von Beginn an bestimmt ist. Insofern mag im Fall eines PPA auf die typischerweise vorhandenen Erwartungswerte für die „Windernte“ zurückgegriffen werden. Insofern auch keine signifikanten Anschaffungszahlungen vorliegen, dürfte ein PPA alle Kriterien für ein Derivat im Anwendungsbereich des IFRS 9 erfüllen.

An dieser Stelle wäre dann die Rückausnahme, die sogenannte „own use exemption“ des IFRS 9 zu prüfen. Wird der Strom aus dem PPA effektiv geliefert und für den gewöhnlichen Geschäftsbetrieb des Abnehmers genutzt, liegt ein schwebender Beschaffungsvertrag vor. Dieser wäre dann grundsätzlich nicht anzusetzen und nur auf mögliche drohende Verluste nach IAS 37 zu untersuchen.

Liegt jedoch ein Derivat vor, vermag sich der Abnehmer des Grünstroms unter Umständen der ergebniswirksamen Bilanzierung von Marktwertveränderungen noch durch die Anwendung von Hedge Accounting entziehen. Denn auch bei einer nicht-physischen Erfüllung der Stromlieferung besteht gegebenenfalls die Möglichkeit einer Verknüpfung von PPA als Preissicherungsgeschäft und dem Risiko volatiler Strombeschaffung in der Zukunft. 

Daneben ist zu prüfen, ob ein PPA als Lease zu klassifizieren und entsprechend zu bilanzieren ist oder aber sogar eine Einbeziehung der Windfarm in die Konsolidierung erfolgen muss. 

Dabei beinhaltet die Bilanzierung von PPA grundsätzlich kein Wahlrecht, sondern ist die Konsequenz aus den konkreten vertraglichen Regelungen. Insofern bieten PPA für Industrieunternehmen zwar eine gute Möglichkeit sich langfristig und sicher mit dem begehrten Gut „Grünstrom“ einzudecken. Die Konsequenzen für die Bilanzierung und somit mittelbar Risikoberichterstattung sollten aber rechtzeitig sowie umfassend beleuchtet werden.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 85, Oktober 2018

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