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Lenken. Nicht bremsen.

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Wie die Europäische Bankenaufsicht (EBA) das Auslagerungsmanagement verändern will

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Seit dem 22. Juni liegt der „Draft Guidelines on Outsourcing Arrangements“ als öffentliche Konsultation vor. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in London spricht dabei von einem „Richtlinienentwurf für die Gestaltung von Auslagerungen“. Das mag sich nach einem „bürokratischen Monster“ anhören, ist aber für das Bankenwesen von enormer Wichtigkeit.

Der Richtlinienentwurf geht nämlich weit über die nationalen Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) hinaus. Diese hatte die BaFin vor nicht einmal einem Jahr an europäische und internationale Vorgaben angepasst, um mögliche Risiken zu minimieren, welche die Wirtschaft gefährden könnten. Die finale Fassung des Richtlinienentwurfs soll am 30. Juni 2019 in Kraft treten. Die Digitalisierung mit disruptiven Geschäftsmodellen, die steigende Anzahl an Auslagerungen sowie die Verbreitung von Cloud Services erfordert allerdings erneut eine Anpassung der Regeln. 

Neue Anforderungen an den Umgang mit Auslagerungen

Um einheitliche Rahmenbedingungen für alle Banken zu schaffen, wird der Anwenderkreis erweitert. Auch E-Geldinstitute sind so von den neuen Anforderungen betroffen. 

Eine wesentliche Neuerung ist die Einführung einer Informationspflicht über Auslagerungen. Bei geplanten kritischen oder wichtigen Auslagerungen etwa muss die Aufsicht nun rechtzeitig, angemessen und regelmäßig informiert werden. Der Umfang der Meldung ist in der EBA Guideline genau definiert. Damit zusammenhängend werden die Dokumentationsanforderungen an Auslagerungen ansteigen – beispielsweise in Form eines zentralen Auslagerungsregisters, welches umfangreiche Datenfelder enthalten muss. Der damit verbundene Aufwand liegt auf der Hand – meist in Verantwortung des zentralen Auslagerungsmanagements.

Hinzu kommen neue Anforderungen, die vor einer Auslagerung durchzuführen sind. So ist in der Voranalyse notwendig, mögliche neue Dienstleister nach einem bestimmten Verfahren zu bewerten. Dadurch gewinnt der Einkaufsprozess einer Bank an Bedeutung, außerdem nimmt die Verzahnung zwischen Auslagerungsmanagement und der Einkaufsorganisation zu.

Neben weiteren Konkretisierungen und Verschärfungen der Anforderungen, ist auch das Thema „Gruppenvorgaben“ hervorheben. Die übergeordneten Institute haben nun eine weitaus größere Verantwortung zur Sicherstellung der Umsetzung und Einhaltung der Auslagerungsanforderungen. Dies erfordert u.a. eine starke Einheitlichkeit der Anforderungen an zentrale Überwachungsprozesse innerhalb der Gruppe. Auch hier bleibt es spannend, welchen Aufwand die Umsetzung bedeutet und wie diese Anforderungen tatsächlich in der Praxis umsetzbar sind.

Transparenz und Stabilität

Auch wenn die EBA mit der neuen Guideline die Messlatte für Auslagerungen noch ein Stück höher hängt, gibt es noch eine zweite Seite der Medaille. Die erforderliche Dokumentation schafft nicht nur für die Aufsichtsbehörden eine Transparenz. Auch die Institute erkennen, welche Leistungsbeziehungen sie mit welchem Dienstleister zu welchen Konditionen eingegangen sind – bestenfalls um Optimierungspotential zu erkennen. 

Voraussetzung dafür ist ein etabliertes und funktionstüchtiges Auslagerungsmanagement in der eigenen Organisation. Die Aktivitäten und Aufgaben sollten standardisiert und effizient in der Praxis umgesetzt sein. Nur so ist es möglich, den Vorgaben nachzukommen und den potentiellen Mehrwert zu heben.

Der Richtlinienentwurf soll also die Outsourcing-Praxis überschaubar strukturieren, nicht verhindern. Lenken und nicht bremsen. So können Synergien entstehen, die Effizienz steigen sowie Kosten und Risiken sinken. 

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