Die Treasury-Plattform der Zukunft | KPMG | DE
close
Share with your friends

Die Treasury-Plattform der Zukunft

Die Treasury-Plattform der Zukunft

Alles API oder was?

Verwandte Inhalte

FTM Bildwelt: Haus im Schnee

Bereits vor einigen Jahren haben wir im Rahmen unseres monatlichen Treasury-Newsletters einen Beitrag zum Thema Plattform-Design im Treasury veröffentlicht. In diesem haben wir die Vorteile hybrider und heterogener „best-of-breed“-Systemarchitekturen im Vergleich zu klassischen Ein-System-Landschaften dargelegt und Implikationen auf die System- und Anbieterauswahl sowie die einzelnen Realisierungsschritte aufgezeigt. Das seinerzeitige Fazit war, dass auf der Basis einer klaren Vision der Treasury-Plattform auch heterogene Systemlandschaften mit Schnittstellen nach innen und außen stabil und effizient umgesetzt werden können.

Tatsache ist jedoch, dass für die überwiegende Anzahl der Treasurer heute noch immer das digitale Ökosystem im Kern aus einem monolithischen Treasury-Management-System besteht, welches mit dem ein oder anderen Satellitenwerkzeug wie etwa einer Handelsplattform oder einem Electronic-Banking-System in oder außerhalb der Cloud verbunden ist. Verbindung und Integration bedeutet dann mehr oder weniger automatische Schnittstellen mit zum Teil haarsträubenden Sicherheitslücken und Ineffizienzen. Vermutlich denken Sie nun, dass jetzt ein „Mea Culpa“ angebracht wäre im Hinblick auf die damalige und bis dato nur mäßig realisierte Vision des Baukastensystems im Treasury. Mitnichten. Denn erst jetzt geht es richtig los. 

Schnittstellen sind „old school“ – jetzt kommen die APIs

Es verwundert nicht, wenn CIOs und IT-Architekten in den Unternehmen sich bisher dafür stark gemacht haben, die Anzahl der verwendeten Systeme und Tools möglichst gering zu halten und die Vielfalt einzugrenzen. Maximale Integration durch wenige Schnittstellen lautet die Devise, das Koppeln zweier IT-Systeme und die Gewährleistung, dass dies im Betrieb reibungslos und fehlerlos funktioniert, ist stets eine Gratwanderung. Zumindest dann, wenn man veraltete Verfahren verwendet. Oder verwenden muss, weil die Systeme es nicht anders können. Überlegen Sie insbesondere für Ihre Tools im Treasury einmal, wo alles Informationen exportiert, in Dateien gespeichert, umgeschlüsselt und an anderer Stelle wieder importiert werden. Selbst wenn dies einigermaßen automatisch und sicher von statten geht, handelt es sich um Schnittstellentechnologie aus dem letzten Jahrtausend. 

Doch warum soll ausgerechnet mit der Verwendung sogenannter APIs nun alles besser werden? Warum bezeichnen nicht wenige Experten deren zunehmenden Einsatz als „Game Changer“ im Treasury, als „Enabler“ für Transformation? Mit einem Konzept, dass es im Grunde genommen auch schon seit einigen Jahrzehnten gibt? 

APIs (neudeutsch: „Application Programming Interface“, also Programmierschnittstellen) sind rein technisch nichts anderes als eine Anzahl von Routinen und Standards, mit denen Anwendungen oder einzelne Module miteinander kommunizieren und Informationen austauschen. Wie so oft liegt auch hier der Schlüssel zum Erfolg in der Standardisierung, denn die Art und Weise wie Systeme bzw. Module interagieren, wie sie gegenseitig auf Funktionen, Daten, Oberflächen oder weitere Elemente zugreifen, ist für den gemeinen Anwender nicht von Bedeutung. Muss es auch nicht, denn es läuft ja alles automatisch im Hintergrund, die aufwändige Schnittstellenimplementierung entfällt. Die Vorteile liegen auf der Hand, können doch mit Hilfe von APIs einzelne Systeme, Systemlandschaften und am Ende ganze Plattformen in einzelne Bestandteile modularisiert werden. Sie erinnern sich an die Vision des Baukastensystems, in dem sich der Anwender die Rosinen aus den besten Werkzeugen und Services herauspicken kann?

Warum gerade jetzt das Momentum entsteht

Eine der Anwendungsmöglichkeiten von APIs mit dem größten Nutzenpotential für Treasurer hat der Regulator mit der PSD2 (Payment Service Directive) selbst ins Leben gerufen. Mit der Verpflichtung der Banken zur Bereitstellung von APIs für Kontoinformationen und Zahlungsverkehr entstehen nicht nur völlig neue Möglichkeiten real-time Informationen in die Treasury-Prozesse zu integrieren, sondern auch ein neuer Markt an Anbietern, die auf dieser Basis Mehrwertservices erbringen – ganz egal, ob es sich dabei nun um die klassischen Hausbanken, TMS-Anbieter oder FinTechs handelt. Wichtig ist nur die Tatsache, dass Sie alle diese angebotenen Services in Ihre Prozesse und Systeme integrieren können. APIs sei Dank.

Die PSD2 ist am Ende nur ein Beispiel für den Einsatz von APIs im Treasury. Erst mit dem Entstehen marktreifer Lösungen auf der Grundlage von Cloud-Technologien als Software-as-a-Service ergibt deren Anwendung einen nachhaltigen Sinn und Nutzen für das Treasury, um eine Reihe von grundlegenden Schwierigkeiten, wie etwa die Vielzahl manueller Schritte bei der Zusammenführung von Daten und unterschiedlicher Systeme oder die langen Implementierungszyklen bei der Einführung von IT-Tools zu adressieren. Schnell, einfach und kosteneffizient sind die Schlagworte, wenn es darum geht, das Potential von APIs zu erschließen. Sinnvolle Anwendungsbereiche gibt es genügend, beginnend mit einfachen Automatisierungsschritten im Treasury bis hin zu komplexeren Themenstellungen im Risiko Management, Finanzierungsfragen oder entlang der Prozesskette im Zahlungsverkehr, um nur einige Beispiele zu nennen.

Werden Sie zum Baumeister Ihres Treasury-Universums

Es ist naheliegend, bei den Themenfeldern API und Cloud unmittelbar an die zunehmende Anzahl von FinTechs und deren Angebote hinsichtlich innovativer Werkzeuge und Services zu denken. Doch die API-Welle wird aus Treasurer-Perspektive auch den Anbietermarkt grundlegend revolutionieren. Dies betrifft Banken, (Markt-)Datenanbieter und TMS-Hersteller gleichermaßen. Erstaunlicherweise ist es die Bankenwelt, die unter dem Stichwort „Open Banking“ eine Vorreiterrolle beim Einsatz von APIs einnimmt. So beruht etwa das von SWIFT initiierte Programm Global Payments Innovation (GPI) und der damit verbundene Tracking-Service für Zahlungen technologisch auf den von Banken bereitgestellten APIs. Doch auch die Anbieter von Treasury-Management-Systemen werden sich der Entwicklung nicht verschließen können. Keine Angst, auch die Treasury-Plattform der Zukunft wird kein unüberschaubares Puzzle aus einzelnen Cloud-Lösungen sein, die über geheimnisvolle Kommunikationskanäle selbständig Ihre Prozesse steuern. Im Kern benötigt jeder Treasurer auch weiterhin ein TMS als zentrales Element zur Bündelung der zu steuernden Risiken. Der Trend zur Modularisierung und Öffnung der Systeme ist jedoch nicht mehr aufzuhalten, die Bereitstellung offener APIs wird zum Standard. Mit Herstellern, die Ihnen heute noch veraltete Schnittstellentechnologien wie Dateitransfer oder ähnliches anbieten und keine substantielle API-Strategie darlegen können, sollten Sie sich gar nicht erst beschäftigen.

Die Treasury-Plattform von morgen – das sollte deutlich geworden sein – wird also API-basiert sein und auf der Grundlage eines offenen Kerns (TMS) die jeweils benötigten Zusatzdienste as-a-Service nahtlos integrieren. Dies betrifft im Übrigen auch das Preismodell, denn warum sollten Sie für etwas zahlen, was Sie am Ende nur teilweise nutzen. Der abschließende Ratschlag an den Treasurer kann daher nur lauten, sich dieses Universum an Systemen und Services selbst zu gestalten und aktiv eine eigene API-Strategie zu verfolgen. Erster Schritt ist die inhaltliche Bewertung an welcher Stelle welcher Service und welche Technologie einen wirklichen Mehrwert erbringt. Die Möglichkeiten werden paradiesisch sein. Versprochen.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 83, August 2018
Autor: Michael Baum, Senior Manager, Finance Advisory, michaelbaum@kpmg.com

KPMG Corporate Treasury News

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden