Dauerbrenner Zinsänderungsrisiko – Neue EBA-Guideline | KPMG | DE
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Zinsänderungsrisiko weiterhin im Fokus – EBA finalisiert IRRBB-Guideline

Dauerbrenner Zinsänderungsrisiko – Neue EBA-Guideline

Der Artikel beleuchtet Kernelemente der neuen EBA-Guideline zum Zinsänderungsrisiko (IRRBB) und beschreibt Handlungsalternativen

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Zusammenfassung

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat am 19. Juli 2018 die neuen Leitlinien zum Management des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch (IRRBB)  veröffentlicht. Diese lösen ab Mitte 2019 die EBA-Guideline zu IRRBB von 2015 ab. Die neuen Leitlinien gelten ab dem 30. Juni 2019 für alle Finanzinstitute und Aufsichtsbehörden in der Europäischen Union. Die EBA setzt so die Anforderungen des Baseler Papiers BCBS 368 an das bankinterne IRRBB-Management sowie an den aufsichtlichen Outlier-Test in Europa um. Im Rahmen der aufsichtlichen Roadmap stärkt das Papier zusammen mit EBA-Leitlinien zum SREP  und Stresstesting  den Säule-2-Ansatz. Zwischen diesen Leitlinien ist eine zunehmende Harmonisierung zu beobachten. Diese lässt sich beispielsweise an der Berücksichtigung der normativen Perspektive des ICAAP und eines integrierten strategischen Planungsprozesses erkennen. In Summe ergibt sich ein konsistentes Bild der Anforderungen an die Überwachung und Steuerung des IRRBB, welches sich im Prüfungskatalog der zuständigen Aufsichtsbehörden wiederfindet.

Neuerungen der Leitlinie

Die hier diskutierten Leitlinien enthalten nur geringe Änderungen im Vergleich zum Konsultationsentwurf. Durch die Finalisierung sowie durch einige Konkretisierungen der EBA herrscht nun Klarheit über die Anforderungen.

Im Vergleich zu den aktuell noch gültigen IRRBB-Leitlinien aus 2015  sind die wesentlichen Eckpfeiler weiterhin enthalten. Es ergeben sich jedoch zusätzliche Anforderungen, insbesondere an die Konsistenz zwischen Rechnungslegung, Planung und Risiko sowie an die Validierung von IRRBB-Modellen.

Im Folgenden stellen wir einige bedeutende Erweiterungen in Bezug auf die noch gültige EBA-IRRBB-Leitlinie vor. 

Rechnungslegung, Planung und interne Risikoperspektive

Oft wurden die Anfoderungen der bisherigen Leitlinie an die Behandlung des IRRBB vor allem ökonomisch ausgelegt – sowohl in der barwertigen als auch in der periodischen Sichtweise. Die neue Regularie hebt hervor, dass Bilanzierungsaspekte in der vollen Bandbreite zu berücksichtigen sind. Um dies umzusetzen, müssen Banken die Auswirkungen von Zinsschwankungen in all ihren Bilanz- bzw. GuV-Positionen ermitteln. 

Somit müssen zukünftig bei IFRS-Instituten Auswirkungen von Zinsänderungen auf das Other Comprehensive Income (OCI) und Wirkungen des Hedge Accountings Eingang ins Risikomanagement finden. Insbesondere sind in der Festlegung des Risikoappetits die akzeptablen handelsrechtlichen Ergebnis- bzw. Eigenkapitalschwankungen zu berücksichtigen. Eine derart weitreichende Definition des IRRBB und des Risikoappetits ist bei Banken in Deutschland noch nicht weit verbreitet. 

Die Erweiterung um Rechnungslegungsaspekte ist im Einklang mit dem normativen ICAAP. Eine mit der Planung konsistente Simulation der Wirkung des Neugeschäfts ist hierbei eine wichtige und zugleich komplexe Notwendigkeit.

Modellvalidierung

In der neuen Leitlinie trägt die EBA der Bedeutung von Modellen im IRRBB-Kontext Rechnung. Vor allem wurde der notwendige Umfang der unabhängigen Modelvalidierung erweitert und präzisiert. Hierzu zählen die initiale Validierung vor Einführung neuer Modelle, sowie eine laufende Validierung des Modelbetriebs und entsprechende Vergleichsanalysen. Der letzte Punkt erfordert die Einführung alternativer Modelle, sogenannter „Benchmark“-Modelle. Diese erlauben Banken, die Angemessenheit ihrer Modelle zu überprüfen und inhärente Modellrisiken zu identifizieren. 

Im Zusammenhang mit Benchmark-Modellen kann das vom BCBS für IRRBB vorgeschlagene Standardmodell Relevanz erlangen. Dessen Implementierung erlaubt es Banken, eine regulatorische Sicht auf das eigene Risiko einzunehmen. 

Viele europäische Banken setzen derzeit unabhängige Modelvalidierungen auf. Diese fokussieren sich für IRRBB meist darauf, die Parametrisierung der Modelle zu hinterfragen. Initiale Validierungen, Angemessenheitsprüfungen und „Benchmark“-Analysen sind jedoch noch kein Standard.

Die gestiegenen Anforderungen bedeuten für die Validierungseinheiten einen deutlichen Mehraufwand und eine höhere Spezialisierung. 

Credit Spread Risk in the Banking Book 

Zu dem mit IRRBB verwandten Credit Spread Risk in the Banking Book (CSRBB) formuliert die EBA allgemeine Anforderungen bezüglich der Überwachung und Steuerung – sofern es sich um ein wesentliches Risiko auf der Aktivseite für die Bank handelt. Die EBA stellt nun klar, dass sie sich auf Spreadrisiken der Aktivseite bezieht, welche aufgrund von Änderungen der allgemeinen Marktbewertung zustande kommen.

Hierbei schränkt die EBA den Anwendungsbereich nicht auf Basis von Bilanzierungskategorien ein. Es bleibt somit zu überprüfen, ob eine Nichtberücksichtigung von CSRBB bei Instrumenten gerechtfertigt ist, bei denen eine Halteabsicht bis zur Endfälligkeit besteht. Insbesondere in barwertigen Betrachtungsweisen sehen wir die heute in manchen Häusern gelebte Praxis kritisch.

Bezüglich der Anforderungen für CSRBB gilt eine zusätzliche sechsmonatige Übergangsfrist für  kleine und wenig komplexe Institute (SREP Kategorie 3 und 4). Im Gegensatz zum Rest der Leitlinie, sind die Anforderungen an CSRBB wie auch im Konsultationspapierwenig konkret. Dies wird sich mit der erwarteten separaten CSRBB-Leitlinie ändern, zu deren Ausarbeitung die EBA erwartungsgemäß per CRD V aufgefordert wird.

Regulatorischer Zinsschock und Outlier-Kriterien

Bezüglich des aufsichtlichen Outlier-Kriteriums hat die EBA die Vorgaben deutlich konkretisiert. Dies ist insbesondere für deutsche Banken vor dem Hintergrund des kürzlich veröffentlichen BaFin Rundschreibens 9/2018 zum nationalen Outlier-Kriterium interessant. 

Wie zuvor müssen Banken den barwertigen Effekt eines 200 bp Zinsschocks auf das Bankbuch auf Basis risikoloser Diskontkurven berechnen. Neu ist die verpflichtende Anwendung der sechs BCBS-Szenarien. Die entscheidende Kennzahl in diesem Zusammenhang ist der maximale Verlust unter allen Szenarien in Relation zum harten Kernkapital (CET1). Für diese Kennzahl ist nun neben dem bisherigen Outlier-Kriterium von 20 % auch eine Warnschwelle von 15 % zu berücksichtigen. 

Die Guideline übernimmt aus dem BCBS-Papier die Wahlfreiheit, Margen aus der Betrachtung auszuschließen, wie es bereits im BaFin-Rundschreiben 9/2018 beschrieben wurde. 

Für das Negativszenario ist ein linearer Zinsfloor festgelegt, der bei -100 bp für kurze Laufzeiten liegt und auf 0 bp für Laufzeiten über 20 Jahren ansteigt. Im Konsultationspapier lag der Zinsfloor für kurze Laufzeiten noch bei -150 bp. Zukünftige Änderungen dieses Marktzinsfloors schließt die EBA explizit nicht aus.

Abweichend von den aktuellen Vorgaben der deutschen Aufsicht und abweichend vom Konsultationspapier sind für die Ermittlung des aggregierten EVE-Effekts nicht nur negative Veränderungen separat in allen wesentlichen Währungen einzubeziehen, sondern auch positive Effekte. Positive Veränderungen pro Währung sollen dabei mit einem Faktor von 50% gewichtet werden.

Die BaFin wird nun die neue EBA-Anforderung zum Outlier-Kriterium in ein erneuertes Rundschreiben einarbeiten müssen. Die EZB wiederum ist aufgefordert, ihre Meldeanforderungen im Rahmen der Short-Term-Exercise bis spätestens zum Stichtag 30. Juni 2019 auf die oben dargestellten Regeln umzustellen. 

Handlungsempfehlungen

Die Aufsichtsbehörden haben das Thema IRRBB auch im Jahr 2018 hoch priorisiert. So verschärft die EBA durch die neuen Leitlinien die schriftlich fixierten regulatorischen Anforderungen. Zudem überprüfen EZB und deutsche Aufsicht aktuell mit Nachdruck, ob diese Anforderungen auch eingehalten werden.

Entsprechend sollten Banken die angemessene Überwachung und Steuerung des IRRBB selbst hoch priorisieren und mitunter ganzheitlich auf den Prüfstand stellen. Wir empfehlen Banken, jetzt zu hinterfragen, wie sie mit den neuen Anforderungen und Klarstellungen der EBA umgehen. Die Umsetzungsfrist bis Mitte 2019 ist kurz.

So haben deutsche Banken derzeit ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf den Aufbau einer Messung des IRRBB in periodischer, ertragsorientierter Perspektive gerichtet. Während viele Banken hierbei noch nicht am Ziel sind, enthält die neue Leitlinie mit der Integration von Aspekten der Rechnungslegung bereits weitere Anforderungen. Banken sollten prüfen, ob die neuen Anforderungen unmittelbar in laufende Projekte integriert werden können. Falls noch nicht geschehen, empfehlen wir in einem ersten Schritt, für relevante Zinsszenarien sowohl den erwarteten periodischen Zinsüberschuss als auch die Wertänderungen von zum fairen Wert bilanzierten Positionen zu analysieren.

Auch in Anbetracht der erhöhten Anforderungen an eine zur Planung konsistente Risikomessung sollten Banken eine stärkere Verzahnung der Funktionen anstreben. Der momentan laufende EBA-Stresstest zeigt bereits, dass Risiko- und Finanzfunktionen eng zusammen arbeiten müssen, um diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen. 

Deutlich negative Marktzinsen sind nun auch in aufsichtlichen Szenarien angekommen. Wenn Banken heute noch Nullfloors auf Marktzinsen anwenden, sollten sie dringend prüfen, welche Auswirkungen negativere Zinsniveaus haben.

Beim CSRBB hat die EBA ihre grundlegenden, wenn auch wenig detaillierten Erwartungen formuliert und fordert eine Umsetzung in 2019. Die aktuelle Marktpraxis zeigt einen heterogenen Umgang mit CSRBB. Gerade im Hinblick auf die erwarteten selbständigen CSRBB-Leitlinien, empfehlen wir daher allen Banken, ihren aktuellen Ansatz zu überprüfen und identifizierte wesentliche Gaps zügig zu beheben. 

Schließlich erfüllt heute aus unserer Sicht kaum ein deutsches Institut die von der EBA dargelegten Anforderungen an Model-Governance und Validierung im Bereich IRRBB. Wir empfehlen Banken, einen risikoartenübergreifenden Modellvalidierungsansatz zu erarbeiten, welcher insbesondere die Anforderungen bezüglich IRRBB-Modellen berücksichtigt.  

Nächste Schritte und Ausblick

Bereits zum 30. Juni 2019 wird die EBA-GL in Kraft treten. Die Aufsichtsbehörden werden wie bei der bisherigen EBA-GL auf die Einhaltung der entsprechenden Anforderungen bestehen. Wir empfehlen Banken daher, zeitnah die oben beschriebenen Themen aufzugreifen und sich auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten.

Aufsichtsbehörden haben offiziell klargestellt, dass das Zinsänderungsrisiko eine hohe Priorität ihrer Überwachungstätigkeiten in 2018 darstellt. Entsprechend beobachten wir aktuell eine hohe Zahl an On-Site-Inspektionen und viele Anforderungen der Joint-Supervisory-Teams zu IRRBB bei großen Banken sowie eine erhöhte Zahl von 44er-Prüfungen mit Schwerpunkt IRRBB bei weniger großen Banken. Durch die weitere Umsetzung der CRR2/CRD5 werden noch weitere erwartete Veröffentlichungen bzgl. Offenlegungsanforderungen und des IRRBB-Standardansatzes den Druck auf die Institute erhöhen.  

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