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Embedded Derivatives und Hedge Accounting

Embedded Derivatives und Hedge Accounting

Eine Lösung bei der Bilanzierung von gelieferten und noch nicht preisfixierten Beschaffungsgeschäften nach IFRS?

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In einer Vielzahl von Branchen und für unterschiedlichste Rohstoffe sind Verträge üblich, die bereits zu einer Lieferung von Gütern führen, bevor eine abschließende Preisfixierung erfolgt. Der Zugang der Waren in den Verfügungsbereich des Unternehmens ist als Zugang im Vorratsvermögen zu erfassen. Dazu korrespondierend ist eine Verbindlichkeit zu bilanzieren. Beide Bilanzposten unterliegen in der Folgebewertung dann allerdings einem grundsätzlich unterschiedlichen Wertansatz.1

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1 Die spiegelbildliche Bilanzierung von „delivered not fixed“ Absatzgeschäften unterliegt durch die Vorgaben zur Umsatzrealisation des IFRS 15 einer weiteren Komplexität. Auf die Absatzseite wird an dieser Stelle daher nicht weiter eingegangen.

 

Widerstreit zwischen Anschaffungskosten und neubewerteter finanzieller Verbindlichkeit

Der noch nicht abschließend preisfixierte Vorrat geht mit dem aktuellen Marktwert zum Zeitpunkt des Übergangs der Verfügungsmacht („Control“) zu und unterliegt der Folgebewertung des IAS 2. Mithin erfolgt ein Ansatz mit dem niedrigeren Wert aus Anschaffungskosten oder Nettoveräußerungswert. Eine unmittelbare Berücksichtigung von Änderungen im Marktpreis der Rohstoffe zum Bewertungs- und Bilanzstichtag ist dabei grundsätzlich vom Standardsetter nicht vorgesehen.

Im Gegensatz dazu unterliegt die ebenfalls in Höhe des Erstansatzes der Vorräte zugehende Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen den Folgebewertungsvorschriften des IFRS 9. Spätestens seit der Klarstellung des IASB, dass die Regelungen zur Anpassung des Buchwertes an Schätzungsänderungen nach IFRS 9.B5.4.6 nicht nur auf finanzielle Vermögenswerte sondern auch auf Verbindlichkeiten anzuwenden ist, bedeutet diese eine fortlaufende Anpassung der Verbindlichkeit an das aktuelle Marktpreisniveau. Dabei muss die Anpassung ergebniswirksam vorgenommen werden, wodurch es zu einem – zumindest temporären – Ungleichgewicht in der Folgebewertung der beiden aus einem Vertrag resultierenden Bilanzposten kommt.

Inwiefern der Wert des Vorratsvermögens bei einer abschließenden Preisfixierung nochmals anzupassen ist, ist gegenwärtig nicht abschließend beantwortet. In jedem Fall würde spätestens bei einem Materialeinsatz durch die Erfassung eines von der Preisfixierung abweichenden Materialaufwandes ein korrektes Ergebnis in der Totalperiode gezeigt.

Preisanpassungsklausel als Embedded Derivative und Fair Value Hedge Accounting: Lösungsmöglichkeit für einen Accounting Mismatch?

Um jedoch nicht nur in der Totalperiode ein getreues Bild der Rohstoffbeschaffung zeigen zu können, bietet sich aus einer zunächst unerwarteten Richtung eine Lösung an. Das üblicherweise in der Praxis wenig beliebte Thema „Embedded Derivatives“ eröffnet hier jedoch im Zusammenspiel mit Hedge Accounting nach IFRS 9 eine Bilanzierungsalternative ohne entsprechende Verwerfungen zwischen den einzelnen Berichtszeiträumen.

Denn bei genauerer Betrachtung stellt die Preisanpassungsklausel ein eingebettetes Derivat dar (Termingeschäft auf den jeweiligen Rohstoffpreis). In der weiteren Beurteilung kann man zu der Erkenntnis gelangen, dass der Basisvertrag (das heißt die Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen) und das darin eingebettete Derivat (die Klausel zur Anpassung an den Rohstoffpreis) nicht eng miteinander verbunden sind. Die Begründung ist in dem Fall, dass unterschiedliche Risikoprofile vorliegen: eine Verbindlichkeit unterliegt als solche keinen Rohstoffpreisrisiken. Daraus folgt eine separate Bilanzierung der beiden Vertragsbestandteile. Mithin würde man beim Zugang zunächst eine feste finanzielle Verbindlichkeit in Höhe des dann gültigen Marktwertes und somit der Vorräte erfassen. Das trennungspflichtige eingebettete Derivat würde bei einem unterstellt marktkonformen Abschluss des Vertrages zunächst einen Wert von Null aufweisen. Bei nachfolgenden Änderungen des Rohstoffpreises erfolgt dann eine Bewertung des eingebetteten Derivats zum Marktwert (in der Regel der Barwert der Differenz zwischen dem bei Einbuchung fixierten Wert und dem Terminpreis des zugrundeliegenden Rohstoffs bzw. des sich aus der Preisformel ergebenden Wertes). Damit kann es insbesondere bei Preissteigerungen zu einem sogenannten „Accounting Mismatch“ kommen. Während in diesem Fall eine Höherbewertung der Vorräte ausgeschlossen ist, nimmt das eingebettete Derivat einen negativen Marktwert an, der als Aufwand zu erfassen wäre.

Die Lösung bietet nun aber eine Designation in einem Fair Value Hedge nach IFRS 9. Denn während die zu Anschaffungskosten bilanzierten Vorräte einem Preisänderungsrisiko unterliegen, stellt die Preisanpassungklausel in Form eines eingebetteten und abgetrennten Short-Futures auf den Rohstoff das passende Sicherungsgeschäft dar. Entsprechend würde nun auch ein Fair Value Hedge Adjustment für die Vorräte ergebniswirksam erfasst, welches die Ergebniswirkung aus dem Derivat kompensiert. Im Fall einer 100%igen Effektivität würde sich somit ein Periodenergebnis von Null ergeben. Die de facto zum Festpreis angesetzte Verbindlichkeit als Basisvertrag unterliegt anders als im Ausgangsfall nun keiner Neubewertung nach IFRS 9.B5.4.6 mehr, da die Volatilität bereits mit dem Embedded Derivative abgetrennt wurde.

Die Kehrseite dieser Lösung mag darin gesehen werden, dass eine fortlaufende Designation und Dokumentation eines Fair Value Hedges für die „delivered not fixed“ Vorräte sowie mit dem Embedded Derivative und dem Hedge Accounting einhergehende Anhangangaben erforderlich sind.

Fazit

Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass die aufgezeigte Lösung zu einem insgesamt passenden Bilanzansatz für Verträge mit gelieferten und noch nicht preisfixierten Rohstoffen führen kann. Im Vergleich zu einem anderenfalls volatilen und periodenverzerrten Ergebnis dürfte der höhere administrative Aufwand ein akzeptabler Preis für eine sachgerechte externe Darstellung der operativen Geschäftstätigkeit sein.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 82, Juli 2018
Autor: Robert Abendroth, Senior Manager, Wirtschaftsprüfer, Finance Advisory, rabendroth@kpmg.com

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