Steuerfalle bei konzerninternen Fremdwährungsdarlehen? | KPMG | DE

Steuerfalle bei konzerninternen Fremdwährungsdarlehen?

Steuerfalle bei konzerninternen Fremdwährungsdarlehen?

Steuerliche Risiken bei Fremdwährungsdarlehen an in- und ausländische Gruppengesellschaften

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Verlustabzugsverbot?

Für im Inland steuerpflichtige Unternehmen, die an in- oder insbesondere ausländische Gruppengesellschaften Fremdwährungsdarlehen vergeben, können sich steuerliche Risiken ergeben, wenn Wechselkursänderungen zu einer Wertminderung der Darlehen führen. Für Verluste aus solchen Darlehen besteht nämlich ein steuerliches Abzugsverbot, wenn die Darlehen an Kapitalgesellschaften gewährt wurden, an denen der Darlehensgeber zu mehr als 25% unmittelbar oder mittelbar beteiligt ist. Der Wortlaut, der eigentlich für bonitätsbedingte Wertminderungen gedachten gesetzlichen Regelung, umfasst auch alle anderen zur Wertminderung führenden Ereignisse, so eben auch wechselkursbedingte Wertverluste der Darlehen.

Zwar lässt das Gesetz einen Gegenbeweis für drittüblich ausgestaltete Darlehensbeziehungen zu, wie dieser im Einzelnen zu erbringen ist und ob unbesicherte Darlehen überhaupt unter die Ausnahme fallen können, ist jedoch offen und wird unterschiedlich beantwortet. Offen ist auch, ob das Gesetz an dieser Stelle nicht seinem Zweck entsprechend restriktiv ausgelegt werden muss und Wechselkursverluste aus dem Abzugsverbot auszunehmen sind.

In Betriebsprüfungen wurde die Abzugsfähigkeit solcher wechselkursbedingten Darlehensverluste von den Finanzbehören jedenfalls bereits vereinzelt verneint.

Sonderproblematik bei Absicherungsgeschäften

Die Problematik verschärft sich für den inländischen Darlehensgeber, wenn er, wie üblicherweise anzutreffen, die Fremdwährungsrisiken aus den Darlehenspositionen mittels gegenläufig ausgestalteter derivater Finanzinstrumente absichert. Bei solchen Absicherungsgeschäften im Zusammenhang mit Darlehensgeschäften werden sowohl handels- als auch steuerbilanziell Bewertungseinheiten gebildet. In der Folge wird das Grundgeschäft (Darlehen) mit dem Sicherungsinstrument als Einheit betrachtet. Sinn und Zweck einer Bewertungseinheit ist es, die gegenläufigen Wertveränderungen aus dem Grundgeschäft und dem Sicherungsgeschäft nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in der bilanziellen Abbildung auszugleichen. Handelbilanziell wird dies entweder so gehandhabt, dass die Gewinne oder Verluste des Grund- und Sicherungsgeschäfts über die gesamte Darlehensdauer in der GuV gar nicht berücksichtigt werden (Einfrierungsmethode) oder Gewinne und Verluste von Grund- und Sicherungsgeschäft jeweils unter Durchbrechung des Realisationsprinzps in der GuV erfasst werden (Durchbuchungsmethode). Letztlich führen beide Methoden, soweit die Absicherung reicht, zu einer Gewinnauswirkung von 0.

Hiervon ist nach Ansicht der Finanzverwaltung bei der steuerlichen Ergebnisermittlung abzuweichen. Entscheidend ist hierbei, dass die Finanzverwaltung stets bei Auflösung der Bewertungseinheit eine isolierte Betrachtung der realisierten Gewinne oder Verluste vornehmen möchte.

Hier kommt dann das vorgenannte Abzugsverbot für Darlehensverluste ins Spiel. Tritt bei isolierter Betrachtung eine wechselkursbedingte Wertminderung des Darlehens ein, sind diese Verluste unter Umständen steuerlich nicht abziehbar. Eine korrespondierende Regelung für den isoliert betrachtet entstehenden Gewinn aus dem Absicherungsinstrument existiert indes nicht. Der Gewinn wäre bei dieser Betrachtungsweise steuerpflichtig. In der Gesamtschau würden nicht erwirtschaftete Gewinne der Ertragsbesteuerung unterworfen (sog. „dry income taxation“).

Obwohl dieser verwunderlichen Besteuerungskonsequenz eine Reihe von Argumenten entgegengehalten werden kann (so zum Beispiel die Drittüblichkeit der Darlehensbeziehung), sind Finanzbehörden hier zum Teil hartleibig und verfolgen diese Fälle im Rahmen von Betriebsprüfungen.

Bis zur höchstrichterlichen Klärung der Behandlung von Fremdwährungsverlusten aus Gruppendarlehen sollte über mögliche Sicherungsvorkehrungen nachgedacht werden. Soweit möglich, könnten Darlehen in EUR vergeben und die Absicherung im Land des Darlehensnehmers gegen Wertveränderungen gegenüber der Landeswährung abgesichert werden. Ausländische Rechtskreise kennen die in Deutschland bestehenden Probleme bei Absicherungsgeschäften zumeist nicht. Zudem könnten die Darlehen über ausländische Finanzierungsgesellschaften vergeben werden, was zugleich die im Inland bestehenden gewerbesteuerlichen Abzugsbeschränkungen für Refinanzierungsaufwendungen vermeidet. Schließlich ist als Mindeststandard sicherzustellen, dass im Zweifelsfall eine hinreichende Dokumentation der Drittüblichkeit der Darlehensbedingungen vorliegt.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 80, Mai 2018
Autor: Dr. Dirk Niedling, Partner, International Tax, dniedling@kpmg.com

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