Hedge Accounting im Währungsmanagement nach IFRS 9 | KPMG | DE
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Hedge Accounting im Währungsmanagement nach IFRS9

Hedge Accounting im Währungsmanagement nach IFRS 9

Neue Chancen oder alles beim „Alten“?!

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Der seit Anfang 2018 allgemein gültige Bilanzierungsstandard IFRS 9 für Finanzinstrumente ist aktuell eines der großen Themen im Treasury und Accounting. Der primäre Fokus der Industrieunternehmen im Rahmen von IFRS 9 liegt auf der Phase 1 „Klassifizierung & Bewertung“ und Phase 2 „Impairment“.

Aufgrund der Tatsache, dass der Standard derzeit noch keine Vorschriften zur Bilanzierung von Makro Hedges enthält, ist die Anwendung der Phase 3 „Hedge Accounting“ gemäß IFRS 9.7.2.21 noch keine Pflicht. Der Standard sieht vielmehr eine Übergangsregel vor. Diese besagt, dass ein Unternehmen bei der erstmaligen Anwendung von IFRS 9 für den Themenbereich Hedge Accounting weiterhin die Vorschriften des IAS 39 zur Bilanzierung von Sicherungsgeschäften anwenden kann. Nichtsdestotrotz haben sich viele Unternehmen im Rahmen der IFRS 9 Projekte entschieden, den Standard vollumfänglich, das heißt inklusive Hedge Accounting, einzuführen. In der Praxis stellt sich insofern für das FX-Hedge Accounting vermehrt die Frage, inwieweit sich aus den Regelungen des IFRS neue Chancen ergeben oder ob alles, mit wenigen Änderungen, beim „Alten“ bleibt?!

Sollte sich ein Unternehmen entscheiden, Hedge Accounting nach IAS 39 weiterzuführen, so bleibt vorerst alles beim „Alten“. Es ist hierbei jedoch aktuell nicht absehbar, wann die Übergangsregelung zum Hedge Accounting endet und dementsprechende Änderungen notwendig werden. Grundsätzlich gilt jedoch, dass bei einer Anwendung der neuen IFRS 9 Vorschriften diese vollumfänglich anzuwenden sind. Es gibt keine Möglichkeit lediglich einen Teil des Hedge Accounting nach IFRS 9 und einen weiteren nach IAS 39 durchzuführen. Als Unternehmen muss man sich für den neuen Standard oder die Übergangsregelung nach IAS 39 entscheiden.

Wenn Hedge Accounting nach dem neuen Standard zur Anwendung kommt, ergeben sich hieraus einige Änderungen. Diese umfassen unter anderem:

  • ­eine stärkere Verzahnung des Hedge Accountings mit der Risikomanagementstrategie des Unternehmens,­ 
  • Entfall der fixen Effektivitätsgrenzen, ­ 
  • Entfall der freiwilligen De-Designation, ­ 
  • neue Anforderungen an die prospektiveEffektivitätsmessung, ­ 
  • neue Anforderungen für die Kalkulation des ineffektiven Betrags.

Besondere Beachtung kommt auch der neuen bilanziellen Behandlung von Forward-Punkten und Currency Basis Spreads sowie der Designation von aggregierten Nettopositionen als Grundgeschäft zu.

Durch die verpflichtende Berücksichtigung von Currency Basis Spreads und der spezifischen Regelungen für die Forward Komponente wird die Effektivität deutlich verursachungsgerechter gemessen und differenzierter dargestellt. Nach IFRS 9 hat ein Unternehmen die Möglichkeit Forward und Spot-Komponente eines Termingeschäfts zu separieren und als Sicherungsinstrument nur die Veränderungen im Wert der Spot-Komponente zu designieren. Alternativ ist es möglich, die Currency Basis Spreads eines Finanzinstruments zu separieren und es von der Designation dieses Finanzinstruments als Sicherungsinstrument auszuschließen. Durch die Trennung ist von einer erhöhten Effektivität der Sicherungsbeziehung auszugehen. Im Falle einer Separierung würde es für Cash-Flow-Hedges zur Buchung von zwei OCIs kommen. OCI 1 „Hedge Reserve“ stellt hierbei auf den designierten Teil des Sicherungsgeschäfts ab, während OCI 2 „Cost of Hedging“ die Veränderung des nicht designierten Teils abbildet. Bei Eintritt des Grundgeschäfts werden beide OCIs reklassifiziert. Hierbei ist der Zeitpunkt abhängig davon, ob das Grundgeschäft zeitraumbezogen oder zeitpunktbezogen ist. Herausfordernd für diese neue Möglichkeit der Abbildung der verschiedenen Komponenten ist auf der einen Seite die korrekte Trennung und Buchung der Komponenten sowie die korrekte Zuteilung von Credit Risk Adjustments auf diese Komponenten.

Die Designation von aggregierten Nettopositionen für Fremdwährungsrisiken, wie beispielsweise eine Aufrechnung von Fremdwährungscashflows aus geplanten Forderungen und Verbindlichkeiten, war bisher im IAS 39 nicht möglich. Unter IFRS 9 gibt es nun die Möglichkeit dieses Risiko direkt zu designieren. Vorteil der Designation einer Nettoposition ist, dass die bilanzielle Abbildung von Sicherungsgeschäften näher am tatsächlichen Risikomanagement eines Unternehmens ist, das oft auf Nettobasis gesteuert wird. Es zeigt sich allerdings in der Praxis, dass dieses Vorgehen sehr aufwändig ist und daher wenig genutzt wird. Die Designation einer Nettoposition unter IFRS 9 führt neben einem erhöhten Dokumentationsaufwand zu komplexeren Buchungslogiken, weshalb sich Unternehmen häufig gegen diese Bilanzierung entscheiden. Diese Unternehmen bleiben daher bei der reinen Designation von Bruttopositionen analog der bisherigen Vorgehensweise.

Insgesamt wird durch die Änderungen im IFRS 9 deutlich, dass sich die Chancen bzw. Möglichkeiten zur bilanziellen Abbildung von FX-Hedge Accounting erweitert haben und eben nicht alles beim „Alten“ bleibt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass für die Unternehmen bis auf die verpflichtenden Änderungen, wie beispielsweise die Trennung nach „Hedging Reserve“ und „Cost of Hedging“, alles beim „Alten“ bleibt und die Chancen, die sich durch den IFRS 9 bieten, noch wenig genutzt werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, wie schon unter IAS 39, eine Kosten-Nutzen-Analyse in Bezug auf die Umsetzung der neuen Möglichkeiten der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen nach IFRS 9 durchzuführen, da diverse Regelungen zwar mit entsprechenden Herausforderungen verbunden sind, diese jedoch auch einen positiven Effekt haben können. Weiterhin ist es wichtig, die nötigen technischen Voraussetzungen zu schaffen, um den Aufwand für die Anwendung möglichst gering und den Nutzen möglichst hoch zu halten. Hierfür ist neben einem Treasury-Management-System, mit einem geeigneten Zugang zu Marktdaten, eine noch engere (automatisierte) Verzahnung zwischen Treasury, Buchhaltung und der übergeordneten Risikomanagementstrategie unabdingbar.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 80, Mai 2018
Autor: Stephan Plein, Senior Manager, Finance Advisory, splein@kpmg.com

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