IFRS 2: Neuerungen bei der Bewertung ... | KPMG | DE

IFRS 2: Neuerungen bei der Bewertung ...

IFRS 2: Neuerungen bei der Bewertung ...

... und Bilanzierung von anteilsbasierten Vergütungen

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Das IASB hat mit Beschluss vom 20. Juni 2016 endgültig seine Anpassungen am IFRS 2 vorgestellt. Übernommen wurden diese Änderungen am 27. Februar 2018 in europäisches Recht. Alle Änderungen sind verpflichtend prospektiv für die ab dem 1. Januar 2018 beginnenden Berichtsperioden anzuwenden.

Die Änderungen des IFRS 2 haben für Unternehmen einen relevanten Einfluss auf die Bewertung und Bilanzierung von anteilsbasierten Vergütungen. Die Anpassungen sollen Klarheit für bisher im Standard nicht eindeutig definierte Sachverhalte schaffen und somit die daraus resultierende Komplexität in Bezug auf die Bewertung und Bilanzierung verringern.

Die Anpassungen lassen sich in drei klar abgrenzbare Bereiche unterteilen:

  1. Klassifizierung von anteilsbasierten Vergütungen, die innerhalb eines Equity settled-Plans einen Nettoausgleich vorsehen

    Für Vereinbarungen, die einen Nettoausgleich und somit einen Einbehalt der Steuerlast des jeweiligen Mitarbeiters vorsehen, war bisher nicht klar definiert, wie sich die Aufspaltung zwischen Bargeldabfluss (direkte Zahlung der Steuer an das Finanzamt) und Ausgabe von Eigenkapitalinstrumenten (Vergütung des Mitarbeiters) auf die Klassifizierung der Vergütung auswirkt. Diese Pläne werden unabhängig des Steuereinbehalts betrachtet und auch dementsprechend weiter als equity settled klassifiziert.

  2. Bilanzierung einer Modifikation mit Wechsel der Vergütung von Barausgleich zu einer Ausgabe von Eigenkapitalinstrumenten

    Die Erweiterungen ergänzen den IFRS 2 um die Bilanzierungsregelungen einer Modifikation, durch die ein Wechsel der Klassifizierung von Barausgleich in eine Vergütung durch Eigenkapitalinstrumente erfolgt. Grundsätzlich ist am Tag der Änderung eine Eigenkapitalzuführung bei gleichzeitiger Ausbuchung der Rückstellung für die bis dahin geplante Vergütung mit Barausgleich vorzunehmen. Eine etwaige Differenz wird als Aufwand bzw. Ertrag erfasst. Abweichungen können entweder durch die unterschiedlichen Bewertungszeitpunkte zwischen der bestehenden Vergütung mit Barausgleich und der Neubewertung der Vergütung mit Eigenkapitalinstrumenten (Buchwert versus Wert zum Modifikationszeitpunkt) oder durch die Anpassung weiterer, sich veränderter Ausübungsbedingungen entstehen.

  3. Berücksichtigung von Ausübungsbedingungen bei anteilsbasierten Vergütungen mit Barausgleich

    Es wurde definiert, wie die verschiedenen Ausübungsbedingungen in der Bewertung der Vergütung mit Barausgleich berücksichtigt werden. Die Bewertung erfolgt nunmehr analog des Ausgleichs mit Eigenkapitalinstrumenten und wird im weiteren Verlauf detaillierter betrachtet.

Vereinheitlichter Bewertungsansatz

Durch diese Anpassung des IFRS 2 entfällt für Unternehmen das Wahlrecht, alle Ausübungsbedingungen in die Bewertung des beizuliegenden Zeitwerts mit einfließen zu lassen (sogenannter full fair value approach). Als nunmehr verpflichtend anzusehen ist der mixed approach (auch „modified grant date method“ genannt), bei dem Dienstbedingungen und marktunabhängige Leistungsbedingungen im Mengengerüst abgebildet werden und Marktbedingungen und Nicht-Ausübungsbedingungen hingegen in die Bewertung des beizulegenden Zeitwerts einfließen (siehe nachfolgende Grafik). Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Bewertungsmethoden liegt darin, dass beim mixed approach die Vergütung erst dann erfasst wird, sobald es wahrscheinlich ist, dass die Dienstbedingungen und marktunabhängigen Leistungsbedingungen am Ende der Sperrfrist (vesting period) erfüllt sind. Die Einstufung als „wahrscheinlich“ folgt dabei der More-likely-than-not-Bedingung. Vor diesem Hintergrund kann eine Trennung in Wert- und Mengengerüst zu abweichenden Buchwerten der Vergütung führen.

Zuordnung der Ausübungsbedingungen innerhalb der beiden Methoden

Quelle: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Der Grund für eine solche Abweichung ist die unterschiedliche Behandlung der Komponenten im Mengengerüst des mixed approach, wonach hier die Ausübungsbedingungen voll erfasst werden, sobald diese aus Sicht des Unternehmens zum Ende der Sperrfrist als wahrscheinlich erfüllt gelten (über 50%). Im Gegensatz hierzu würden im full fair value approach auch die Werte bzw. Komponenten mit berücksichtigt, die im mixed approach nicht angesetzt werden (unter 50%) und vice versa.

Fazit

Die Änderungen des IFRS 2 sind prospektiv anzuwenden, wodurch es ab dem 1. Januar 2018 zu entsprechenden erforderlichen Anpassungen kommen kann. Handlungsbedarf besteht dabei bei Unternehmen, die ihren bisherigen Bewertungsansatz für die Vergütung mit Barausgleich weg vom full fair value approach und hin auf den verpflichtenden mixed approach umstellen und dementsprechend neuen Bilanzierungsregeln folgen müssen. Die Folgen aus der Umstellung des Bewertungsansatzes können abhängig von den beschriebenen Einflussparametern stark auf den bisherigen Buchwert der Vergütung einwirken und sollten entsprechend zeitnah antizipiert werden.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 79, April 2018
Autor: Dr. Christoph Lippert, Senior Manager, Finance Advisory, christophlippert@kpmg.com

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