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Startschuss zum Umbau des ICAAP

Startschuss zum Umbau des ICAAP

EZB konkretisiert Vorstellungen zum Kapital- und Risikomanagement und ruft zum Start von Umsetzungsaktivitäten auf

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EZB

Am 2. März 2018 hat die EZB die Leitfäden zum ICAAP und ILAAP aus 2017 in aktualisierter Fassung zur offiziellen Konsultation vorgelegt (vgl. SSM-Leitfäden zum ICAAP und ILAAP – Evolution oder Revolution? April 2017).

Die EZB konkretisiert und detailliert hiermit ihre Anforderungen an den ICAAP und ILAAP bedeutender Institute und fordert diese zur Einreichung weiterer Fragen und Kommentare auf (öffentliche Anhörung am 24. April 2018, Ende der Konsultationsfrist am 4. Mai 2018).

Nach Abschluss des Konsultationsverfahrens sollen die Leitfäden in der zweiten Jahreshälfte 2018 veröffentlicht werden und bereits 2019 im Rahmen des aufsichtlichen SREP Anwendung finden. Banken sind aufgrund der kurzen Umsetzungsfrist explizit dazu aufgefordert, schon vor Finalisierung der Leitfäden mit der Umsetzung zu beginnen und Schwachstellen rechtzeitig zu adressieren.

Wesentliche Neuerungen des aktuellen Leitfadens

In der nun vorliegenden Version des ICAAP-Leitfadens bestätigt die EZB die grundsätzliche Stoßrichtung aus dem Entwurf 2017, greift Hinweise aus der ersten Konsultationsphase auf und detailliert die Anforderungen an die Umsetzung des ICAAP in verschiedenen Punkten. Im Vergleich zur vorherigen Version sind insbesondere die folgenden Punkte hervorzuheben:

  • Normative Perspektive als Kernelement des ICAAP: Die normative Perspektive bleibt die führende Sicht im ICAAP. Reihenfolge und Umfang der Detaillierung lassen erkennen, dass die ökonomische lediglich als ergänzende Perspektive gesehen wird. Während für die normative Perspektive harte Vorgaben hinsichtlich der zu erfüllenden Mindestquoten gemacht werden, wird die Verletzung von Schwellenwerten in der ökonomischen Perspektive lediglich als Hinweis darauf gewertet, dass „die Kapitaladäquanz stark in Frage gestellt ist“. Im Vergleich hierzu scheint im ILAAP die ökonomische Perspektive deutlich an Gewicht gewonnen zu haben.
  • ICAAP als Instrument der krisenfesten Banksteuerung: Die besondere Bedeutung des ICAAP als Teil des Banksteuerungsframeworks zieht sich durch alle Grundsätze des Leitfadens. Der Rahmen für die Risikobereitschaft (RAF) formalisiert das Zusammenspiel von ICAAP, ILAAP, Sanierungsplan, Vergütungssytemen und weiteren strategischen Prozessen. Kapitalbezogene Frühwarnsignale, Indikatoren, Eskalationsverfahren und potenzielle Managementmaßnahmen des Sanierungsplans werden als Teil des ICAAP verstanden. Die im Grundsatz 3 konkretisierten Anforderungen an das Pufferkonzept und notwendige Managementmaßnahmen müssen daher mit den Schwellenwerten und Sanierungsoptionen der Sanierungsplanung konsistent, wenn nicht sogar identisch sein. Die Operationalisierung der hiermit verbundenen Ziele und Vorgaben, z.B. über Limitsysteme, muss tief in den Managementprozessen der Bank verankert sein.
  • 3-LoD für den ICAAP: Die Forderung nach klaren Governancestrukturen (auch für den ICAAP) ist aus der (Prüfungs-) Praxis des SREP der Vorjahre bekannt. Neu ist hingegen die konkrete Aufforderung zur Implementierung eines 3-Lines-of-Defense-Modells für den ICAAP. Ein Novum für viele Banken stellt hierbei die Verankerung von Rollen und Verantwortlichkeiten einer 1st Line in den Geschäftsbereichen hinsichtlich einer aktiven Steuerung der Angemessenheit der Kapitalausstattung vergleichbar zur Risikosteuerung dar. Hierunter fällt insbesondere auch die Festlegung von Management-Puffern.
  • Verhältnismäßigkeitsprinzip in Bezug auf Validierungsanforderungen: Die Anforderung zur Implementierung einer unabhängigen Validierungsfunktion für ICAAP-Modelle unter Berücksichtigung der Anforderungen an Säule-1-Modellvalidierung bleibt grundsätzlich bestehen. Es wird jedoch eingeräumt, dass dies nach dem Verhältnismäßigkeitsprinzip erfolgt und die Wesentlichkeit der quantifizierten Risiken sowie die Komplexität der Risikoquantifizierungsmethoden berücksichtigt werden.

Darüber hinaus tragen die neu eingeführten Beispiele im aktuellen Entwurf zum besseren Verständnis der allgemeinen Sachverhalte und Erwartungen bei, gehen jedoch nicht ausreichend auf zentrale Fragen, insbesondere in Bezug auf die ökonomische Perspektive ein. Daher verbleiben für die Institute weiterhin große Interpretationsspielräume und Unsicherheiten, z.B. hinsichtlich des Umgangs mit Einlagen und anderen Positionen mit modellierter Zinsbindung bei der Ermittlung der stillen Lasten des Bankbuchs.

 

7-Punkte-Plan für die Vorbereitung auf den SREP 2019

Um für den SREP 2019 gerüstet zu sein, sollten Umsetzungsaktivtäten sehr zeitnah starten. Unser 7-Punkte-Plan ermöglicht eine effiziente und effektive Vorbereitung auf den SREP 2019:

  1. Quick Win: Integration der normativen Perspektive in aktuelle Dokumentationen und Rahmendokumente
    Kerndokumente (RAS, RAF und CAS) sollten zeitnah um die normative Perspektive ergänzt und an die Begrifflichkeiten des Leitfadens angepasst werden. Als Voraussetzung hierfür müssen Managementpuffer konsistent zur (Kapital-) Planung definiert werden. Hier lohnt der Blick in die Sanierungsplanung in der in der Regel bereits (Kapital-)Puffer und potentielle Maßnahmen festgelegt sind. Darüber hinaus ist auf die konsistente und kohärente Einbindung aller rechtlichen Konzerneinheiten zu achten.
  2. Review der Governance: Anpassung der Rollenkonzepte an die Anforderungen der normativen Perspektive
    Die normative Perspektive erfordert bei vielen Instituten ein Überdenken der typischen Rollen und Verantwortlichkeiten der Finanz- und Risikofunktion. Im ersten Schritt sind Kompetenzen in Bezug auf die normative Perspektive klar zu regeln. In einem zweiten Schritt sollten die Rollen im Hinblick auf das geforderte 3-Lines-of-Defence-Modell ergänzt und insbesondere die Rolle der Geschäftseinheiten als 1st Line im Rahmen des ICAAP verankert werden.
  3. Ökonomische Perspektive: Prüfung und Anpassung der Risikodeckungsmasse 
    Unter dem Gesichtspunkt der Fortführung der Geschäftstätigkeit sind insbesondere die über das CET1 hinausgehenden Kapitalbestandteile der ökonomischen Perspektive auf den Prüfstand zu stellen. In diesem Zusammenhang kann auch der Startpunkt (CET1 vs. Nettobarwert) überdacht werden. Quantitative Auswirkungen auf die ökonomische Perspektive und Implikationen für die Risikomessung unter Konsistenzgesichtspunkten sind zu evaluieren.
  4. Prüfung des übergreifenden Managementrahmenwerks: Integration des ICAAP in (operative) Steuerungskonzepte
    Das Prinzip 2 fordert die Integration des ICAAP in das übergreifende Steuerungskonzept. Mögliche Schwachstellen sollten über einen umfassenden Review der Rolle des ICAAP für die verschiedenen Steuerungselemente identifiziert werden. Das Spektrum reicht von der strategischen Planung, der Einbindung von Vorstand und Senior Management in die Festlegung der Kernelemente des ICAAP über die operative Geschäfts- und Risikosteuerung, z.B. über Limitsysteme und risikoadjustierte Performance, bis hin zu Themen wie der variablen Vergütung.
  5. Anpassung Szenarioframework: Einheitliches Szenarioset für (Kapital-)Planung, ICAAP und Sanierungsplanung
    Mit der normativen Perspektive wird eine mindestens vierteljährliche Überprüfung der (Kapital-) Planung im Basis- und adversen Szenario, ein notwendiger Bestandteil zur Feststellung der Kapitaladäquanz. Eine aktive Steuerung der normativen Perspektive, zumindest perspektivisch eine entsprechende Verbesserung der Szenariofähigkeit (inkl. Methoden, Prozesse und Verantwortlichkeiten, Infrastruktur und Daten). Etablierte Controlling- und Reportingkonzepte sind entsprechend zu erweitern, z.B. durch eine engere Überwachung wesentlicher Risiko- und Szenariotreiber. Ein übergreifendes Szenario-Framework für (Kapital-) Planung, ICAAP und ILAAP sowie die Sanierungsplanung reduziert hierbei Komplexität und Aufwand.
  6. Risikoidentifikation und Risikomessung: Prüfung und Anpassung von Methoden und Prozessen
    Zentraler Punkt ist die Umsetzung der geforderten Brutto-Sicht in der Risikoinventur, d.h. eine differenzierte Beurteilung der wesentlichen Risiken vor mitigierenden Maßnahmen („Bruttoansatz“), der Wirksamkeit dieser Maßnahmen, möglicher residualer Risiken und der Notwendigkeit einer Kapitalunterlegung. Darüber hinaus ist der Detaillierungsgrad, insbesondere hinsichtlich der Risiken aus Beteiligungen (u.a. Durchschau, Abdeckung von Reputations- und Unterstützungsrisiko) zu prüfen.
  7. Unabhängige Validierungsfunktion: Erweiterung um Methoden und Modelle aus dem ICAAP
    Auch wenn mit der neuen Konsultationsfassung das Verhältnismäßigkeitsprinzip in Bezug auf die Validierung von Methoden und Modelle unter der Säule 2 hervorgehoben wird, ist eine Überprüfung und potentielle Stärkung der unabhängigen Validierung für ICAAP-relevante Methoden zur Risikoquantifizierung (inklusive Satellitenmodelle für Stresstests, Planungsmodelle, etc.) weiterhin notwendig.

Gerne stehen wir zur Diskussion und Umsetzung des 7-Punkte-Plans für Sie bereit. Wir freuen uns über Ihre Nachricht.

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