Drei Pfeiler für ein gutes Währungsmanagement | KPMG | DE

Drei Pfeiler für ein gutes Währungsmanagement

Drei Pfeiler für ein gutes Währungsmanagement

Die Risikoposition, die Risikostrategie sowie das Risikocontrolling

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Aktuelle Entwicklungen am Devisenmarkt, speziell die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, zeigen einmal mehr eindrucksvoll, dass sich volkswirtschaftliche Theorien ­ wie beispielsweise die Zinsparitätentheorie ­ nur bedingt eignen, um Wechselkursverläufe vorherzusagen.

Insbesondere in einem Umfeld politischer Unsicherheit oder drohender Handelskriege sind Wechselkursentwicklungen kaum mehr zu prognostizieren und stellen dabei viele Entscheidungsträger im Unternehmen vor schwierige Situationen. Das Treasury steht hierbei vor der Herausforderung, auf Basis geeigneter Instrumente passende und effektive Strategien umzusetzen und gegenüber der Geschäftsleitung, aber auch gegenüber Funktionen wie dem Einkauf, dem Vertrieb und dem Controlling den Mehrwert dieser Strategien aufzuzeigen – und damit konkret deren Entscheidungssituation zu unterstützen.

Um das Ziel eines effektiven Währungsmanagements zu erreichen ist es notwendig, Transparenz über Risikoposition und Währungseffekte zu schaffen und flexibel hinsichtlich der umzusetzenden Handlungsstrategien zu sein. Doch was sind die relevanten Komponenten hierzu und wie sollten sie ausgestaltet sein? Diese Fragen beantworten wir im Folgenden und werden dazu drei Pfeiler des Währungsmanagements beleuchten: die Risikoposition, die Risikostrategie sowie das Risikocontrolling.

 

Transparenz über Risikoposition

Basis für jegliche Entscheidung und Handlung im Bereich des Währungsmanagements ist Transparenz über das Risiko sowie das Wissen über die Treiber, welche die Risikoposition aber auch das Währungsergebnis beeinflussen. Die detaillierte Kenntnis über den Risikohorizont des Exposures in verschiedenen Geschäftsbereichen und Regionen bietet hierbei eine wesentliche Grundlage, um mögliche Effekte effektiv mittels verschiedener Instrumentarien zu steuern. Wir sehen in unserer Beratungspraxis leider noch häufig, dass der Risikohorizont für das vollständige Exposure pauschal auf 12 Monate festgelegt wird und keine spezifische Analyse von Marktgegebenheiten und Preiselastizitäten in einzelnen Märkten erfolgt. Und dabei ist klar: wie in so vielen Unternehmensbereichen wird auch das Risikoprofil im Währungsmanagement zunehmend von der Differenzierung geprägt und nur die spezifische Berücksichtigung dieser Faktoren kann zu einem effektiven Währungsmanagement führen.

Daneben stellt sich als gewichtiger Aspekt die Generierung der Exposure-Daten dar. Einerseits kommt im Bereich der zukünftigen, geplanten Transaktionen der Qualität und Verlässlichkeit von Planungsannahmen und der herangezogenen Daten eine entscheidende Bedeutung zu (wie zum Beispiel Umsatz- und Vertriebsplanung, Kenntnis über das Zahlungsverhalten der Kunden). Dagegen liegt im Bereich der bereits bilanzierten und kontrahierten Risikopositionen der Fokus auf anderen Aspekten: hier gilt es, möglichst umfassend Daten aus verschiedenen Systemen zu extrahieren, gegeneinander zu validieren und zu aggregieren (wie zum Beispiel kreditorisch-/debitorische Nebenbücher, Hauptbuch, Business Warehouse). Da der Treasurer allerdings seine Zeit nicht mit dem Download und der manuellen inhaltlichen Abstimmung sowie der Zusammenführung von Daten verbringen sollte, spielen hierbei Instrumente zur Automatisierung des Datenextraktions- und –validierungsprozesses eine wesentliche Rolle. Am Markt sind mittlerweile etablierte und standardisierte Tools für diese Aufgabenstellung verfügbar. Die Automatisierung dieses Prozesses führt unserer Erfahrung nach unmittelbar zu einer verbesserten Genauigkeit in der Darstellung des Exposure, sodass sich ein entsprechendes Investment schnell rechnet.

Dynamische Risikostrategie

In von Unsicherheit geprägten Zeiten steht das Thema Flexibilität hinsichtlich von Analysen und Handlungsmaßnahmen ganz oben auf der Wunschliste der Treasurer. Ein wichtiges Instrumentarium stellt dabei die Betrachtung von Szenarien dar: sowohl für die Entwicklung des Exposures als auch für die Abschätzung der Effektivität von alternativen Sicherungsstrategien. Die Sicherungsstrategie selbst ist dabei das Herzstück. Klar ist: statische Strategien, nach denen pauschal ein gewisser Prozentsatz des Exposures, gegebenenfalls gestaffelt über den Zeitverlauf, abgesichert wird, gehören der Vergangenheit an. In Zeiten, in denen sich Wechselkursentwicklungen kaum mehr anhand gängiger Modelle erklären lassen, besteht das große Risiko darin, Wechselkursbewegungen nicht oder zu spät zu erkennen. Ein bewährtes Mittel dagegen besteht in der Nutzung von Frühwarnindikatoren, zum Beispiel in Form von Schwellenwerten (zum Beispiel relative Kursentwicklungen im Vergleich zu definierten Zielkursen), die zugleich als Trigger-Event die Änderung bzw. zumindest die Validierung der umgesetzten Sicherungsstrategie auslösen.

Ein weiteres wesentliches Element zur Risikosteue-rung stellt die Einbindung von Risikokennziffern in die Strategie dar. So werden mit dynamischen Steuerungsansätzen, zum Beispiel bei Nutzung des Cash-flow-at-Risk, je nach zu Grunde liegenden finanzmathematischen Modellen, anhand von beobachteten Risikoparametern wie der Wechselkursvolatilität und -korrelation die Sicherungsmaßnahmen am jeweiligen aktuellen Risikoprofil von einzelnen oder auch mehreren Währungen abgeleitet. Mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel für Währungen mit hohem Risikopotenzial zielgerichtet höhere Sicherungsquoten umgesetzt werden können. Ein Mechanismus, der dem einen oder anderen Treasury, welches auf diese Weise seine Währungsrisikoposition steuert, in der aktuellen Marktsituation im Euro/US-Dollar ruhige Nächte beschert hat.

Controlling der umgesetzten Strategien anhand von KPIs

Abschließend ist ein stetiges Monitoring und Back-Testing aller Prozesse und der Strategien des Währungsmanagements wichtig um sicherzustellen, dass ein möglicher Anpassungsbedarf rechtzeitig identifiziert wird. Eine bedeutende Rolle entfällt dabei auf Key Performance Indicators („KPIs“), die für die verschiedenen Anwendungsfälle spezifisch definiert werden. So lassen sich KPIs für die Qualität der Exposureermittlung definieren, und insbesondere auch für die Effektivität der Sicherungsstrategien. Gegenstand sind dabei regelmäßig Ist-Daten, gegen die das geplante Exposure gemessen wird. Alternativ lassen sich auch Benchmark-Daten nutzen, die als Zielgrößen zur Bestimmung der Vorteilhaftigkeit der umgesetzten Strategie (zum Beispiel Steuerung über einen Cash-flow-at-Risk-Ansatz) gegenüber einer Benchmarkstrategie (zum Beispiel stetige Sicherung eines gewissen Prozentsatzes des Exposures) herangezogen werden.

Fazit

Gerade im aktuellen Marktumfeld zeigt sich, dass eine vollständige Transparenz der Risikoposition über den gesamten Risikohorizont, eine effektive dynamische Sicherungsstrategie und das Monitoring der Umsetzung drei Pfeiler für das Währungsmanagement darstellen, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig bestärken. Der Forderung nach Flexibilität in der Steuerung von Währungsrisiken kann nur durch ein robustes Risikomanagement-Instrumentarium Rechnung getragen werden, welches die Treasury-Abteilung in die Lage versetzt, auf Basis bestmöglicher Information bestmögliche Entscheidungen zu treffen. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 78, März 2018
Autor: Stephan Plein, Senior Manager, Finance Advisory, splein@kpmg.com 

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