Unternehmen müssen Energie managen | KPMG | DE
Energie

Unternehmen müssen Energie managen

Unternehmen müssen Energie managen

Wenn Unternehmen die Kenntnisse über ihren Energieverbrauch nutzen, um ihre Prozesse energetisch zu verbessern, können sie am Ende nicht nur Kosten sparen, sondern werden auch unabhängiger im Energieeinkauf.

Viel Zeit bleibt nicht mehr. Bis zum 5. Dezember 2015 müssen alle größeren Unternehmen eine Bestandsaufnahme ihres relevanten Energieverbrauchs (Strom, Wärme Logistik) durchführen. Dies schreibt das novellierte Energieleistungsgesetz (EDL-G) vor.

Der hohe Aufwand wird sich am Ende lohnen

Der Einführungsaufwand ist erheblich. Industriebetriebe müssen zum Teil über Wochen und Monate überprüfen, welche Energie wie eingesetzt und verwendet wird. Was auf den ersten Blick wie eine weitere Schikane im täglichen Geschäft wirkt, kann langfristig zu mehr Effizienz führen – und hohe Kosten sparen. Unternehmen sollten die Pflicht deshalb als Chance betrachten und in eine Kür verwandeln. Das heißt: Ein Audit legt nicht nur die Kostenstruktur offen, sondern deckt auch auf, wo Energie gespart und die Effizienz gesteigert werden kann. Wichtig ist erstens, die gewonnenen Erkenntnisse auch zu nutzen und wenn nötig zu investieren, um Unternehmensprozesse energetisch zu optimieren. Zweitens sollten mehr Unternehmen die Beschaffung von Strom oder Gas in die eigenen Hände nehmen und an der Strombörse aktiv werden.

In einer wachsenden Wirtschaft wächst auch die in der Produktion benötigte Strommenge. Nicht weil Unternehmen plötzlich Unmengen an Strom für dieselben Prozesse verbrauchen, sondern weil es mehr Betätigungsfelder gibt, um das Wachstum sicherzustellen. Kontinuierlich steigt auch der Automatisierungsgrad in der deutschen Industrie: Immer mehr Arbeit wird vom Menschen auf Maschinen übertragen. Da die Strompreise in den vergangenen Jahren explodiert sind, spielt die Energieeffizienz eine entscheidende Rolle, um im Wettbewerb zu bestehen.

Es geht um den Strom- und Wärmeverbrauch in den Produktions- und Lagerstätten der energieintensiven Unternehmen. Transparenz um ihrer selbst willen kann nicht das Ziel sein. Ein Audit sollte dazu führen, die Rohmarge in der Produktion deutlich zu steigern.

Vielen Unternehmen sind Einsparpotenziale noch unbekannt

Natürlich sind mit dem Gesetz auch industriepolitische Ziele verbunden. Ausgenommen von der Verpflichtung sind nämlich Firmen, die bereits ein Energiemanagementsystem nach der DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS eingerichtet haben. Sonderregelungen gelten auch für Unternehmen, die eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage installiert haben oder die Vergütungen aus dem Erneuerbare-Energie-Gesetz in Anspruch nehmen.

Alle anderen Großfirmen müssen in den nächsten Monaten entweder einen externen Berater ins Haus holen oder einen entsprechend ausgebildeten Mitarbeiter mit der Prüfung beauftragen. Bei produzierenden Unternehmen empfiehlt es sich, auf den eigenen Energieexperten zu setzen: Er versteht nicht nur etwas von Heizen, Dämmen und Beleuchten, er ist überdies mit den Produktionsprozessen vertraut. Zunächst erfasst und misst der Energieprofi alle aktuellen Energieverbrauchsdaten und erstellt Lastprofile aller Gebäude, Anlagen und Betriebsabläufe. Auf Basis dieser Daten analysiert der Prüfer die energetische Situation des Unternehmens und schlägt Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz vor. Der gesamte Auditprozess wird am Ende in einem Bericht dokumentiert.

Mit den Beratern aus dem Governance und Assurance Bereich hat KPMG Unternehmen bei der Einführung von Energie- Managementsystemen bzw. bei der Integration in vorhandene Systeme begleitet, um die systematische Steigerung der Energieeffizienz zu monitoren und mit den Finanz-KPI`s zu verknüpfen. Dadurch erhält das Management zeitnah verlässliche Daten zur Entwicklung der Energieverbräuche und der Kosten und kann ggf. auf dem Energiemarkt agieren oder z.B. den Grad der Selbstversorgung erhöhen.

Überraschenderweise sind nur wenige klassische Großproduzenten an der Strombörse unterwegs, um ihre Einkäufe über Hedgegeschäfte abzusichern. Gegen Risiken wie Wechselkursschwankungen oder Rohstoffpreise. Die Unternehmen beschäftigen sich mehrheitlich nicht mit Energiepreisen und mit dem Börsenhandel und überlassen das Geschäft in Deutschland einigen großen Anbietern.

Und so wäre dies ein weiterer positiver Effekt der Audits: Die Unternehmen lernen mehr und mehr, dass man nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch die Beschaffung optimal managen kann.

Verwandte Inhalte