Energiewende in Deutschland als Vorbild für die Welt? | KPMG | DE
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Energiewende

Energiewende in Deutschland als Vorbild für die Welt?

Energiewende in Deutschland als Vorbild

Energiewende in Deutschland als Vorbild für die Welt?

Auf der Weltklimakonferenz in Paris soll nicht weniger gelingen, als der Ausstieg aus der durch fossile Brennstoffe getriebenen Wirtschaft. Ziel ist ein verbindlicher Klimavertrag. Weltweit müssen dann weniger Kohle, Öl und Gas verbraucht werden. Doch darauf fußten bislang Wachstum und Wohlstand. In Deutschland begann dieser Wandel durch die Energiewende schon vor 15 Jahren. Können die Stromversorger europäischer Nachbarstaaten schon heute etwas von Deutschland lernen?

Im Jahr 2000 trat das erste Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft – Zeit für eine Bilanz. Fest steht: Die einstige Marktstabilität in Deutschland ist Vergangenheit. In der Zukunft wird die Transformation im Energiesektor noch weiter voranschreiten. „Viele große Stromkonzerne splitten sich auf und gründen Tochterfirmen, die entweder das Geschäft mit Atomstrom abwickeln oder als grüner Zweig des Unternehmens nur auf erneuerbare Energien setzen. Ihre Geschäftsmodelle sind unter enormem Druck“, fasst Michael Salcher, Head of Energy & Natural Resources bei KPMG Deutschland, die Situation zusammen. Nicht nur die Unternehmen und die Industrie, auch die Politik und die gesetzgebenden Institutionen müssen Marktkonzepte finden, die zwischen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz vermitteln – trotz diverser Herausforderungen: Einerseits entwickelt sich die Technologie schneller, als die Politik die regulatorischen Rahmenbedingungen anpassen kann. Andererseits fehlen an einigen Stellen schlüssige und finanzierbare technische Lösungen.

Der Kunde verändert sich

Auch die Kundenbedürfnisse wandeln sich: Vom unmündigen Stromempfänger hin zum aktiven Marktteilnehmer, der die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern und Technologien haben will. Die Entwicklung von intelligenten Stromnetzen, die Dezentralisierung von Stromerzeugung und die Weiterentwicklung von Speichertechnologien fördern den Trend. Was bedeutet das für die zentralen Stromversorger? „Den Energieunternehmen in dieser Umbruchphase rate ich, sich möglichst breit von den Technologien her aufzustellen. Denn was sich in der Masse bei End- und Gewerbekunden durchsetzen wird, wird sich erst noch zeigen“, rät Energie-Experte Salcher.

Lektion gelernt

Können die europäischen Nachbarn noch etwas von der deutschen Energiewende lernen? Ja, sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne, erläutert Michael Salcher: „Im Moment ist Deutschland in puncto Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz – dem energiepolitischen Dreieck – schlechter geworden, vor allem durch die Förderung des Braunkohleabbaus. Doch ist langfristig zu erwarten, dass sich hier eine deutliche Verbesserung einstellt.“

„Die Energiewende ist ein gesamtvolkswirtschaftlicher Umschwung, mit einer Radikalität, die sensationell ist. Wir sind die Vorreiter und da zahlt man eben auch mal Lehrgeld“, sagt der Energie-Experte. „Es werden weitere disruptive Technologien auf den Markt kommen und wir können nicht sagen, was bei der Energiewende noch passieren wird.“

Ziel der Bundesregierung ist eine Reduktion der Emissionen von mindestens 40 Prozent bis 2020 und 80 bis 95 Prozent bis 2050 gegenüber 1990.

Technologisch und im Markt hat der deutsche Weg also für viel Bewegung gesorgt. Bisher ist aber noch nicht entschieden, ob sich die Vorreiterrolle als die beste Option und Vorbild für die europäischen Nachbarn erweist. Die Deutschen tun sich schwer, die eigenen Reduktionsziele zu erreichen, trotz des Umbruchs. Auch das fällt ins Gewicht, wenn in Paris nach Lösungen gesucht wird.

Salcher rät zu vorsichtigem Optimismus: „Wir befinden uns noch mittendrin im Experiment. Selbst als First Mover hat Deutschland seine Klimaziele noch nicht erreicht. Auch bleibt abzuwarten, ob sich die Weltklimakonferenz in Paris auf einen Vertrag verständigen kann.“

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