Endspurt für die Energieaudit-Pflicht | KPMG | DE
Energieaudit

Endspurt für die Energieaudit-Pflicht

Endspurt für die Energieaudit-Pflicht

Viel Zeit bleibt nicht mehr: Bis zum 5. Dezember 2015 müssen alle Unternehmen ein Energieaudit, eine Bestandsaufnahme ihres Verbrauchs an Strom, Wärme und Logistik, machen. So schreibt es das novellierte Energieleistungsgesetz (EDL-G) vor. Ansonsten drohen saftige Strafen von bis zu 50.000 Euro. Was auf den ersten Blick als bürokratische Schikane erscheinen mag, bietet auf den zweiten Blick eine große Chance. Marco Wisniewski, KPMG-Partner, beantwortet die wichtigsten Fragen im Vorfeld.

Herr Wisniewski, das Energieaudit ist Pflicht. Was bedeutet das?

Wisniewski: Es geht darum, systematisch zu erfassen, welche Energieströme zur Herstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung in Unternehmen benötigt werden. Mit dem Energieleistungsgesetz wird eine Prüfung für alle größeren Unternehmen („Nicht-KMU“) Pflicht. Stichtag ist der 5. Dezember. Ausgenommen sind nur Betriebe, die schon ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS haben. Wer sich bis zum Stichtag verpflichtet hat, ein zertifiziertes Managementsystem einzuführen, fällt ebenfalls nicht in die gesetzliche Regelung.

Das Gesetz gilt seit April. Hatten die Unternehmen Ihrer Meinung nach genügend Zeit sich vorzubereiten?

Wisniewski: Für viele Betriebe mit überschaubaren Strukturen war das zeitlich machbar. Bei Unternehmen mit komplexen Beteiligungen und vielen Standorten nahm alleine die Klärung der tatsächlichen Verpflichtung bereits einige Zeit in Anspruch. Für sie schien der Zeitrahmen offenbar ambitionierter. Hinzu kommt, dass es gemessen an rund 55.000 Nicht-KMU in Deutschland zu wenige Energieauditoren gibt.

Mit was für Kosten müssen die Unternehmen rechnen?

Wisniewski: Es kommt darauf an, wie groß und komplex das Unternehmen ist. Der Gesetzgeber ging von einem durchschnittlichen Kostenaufwand für ein Energieaudit von ca. 4.000 Euro aus. In der Praxis zeigt sich, dass der Aufwand je nach Unternehmen von mindestens zwei bis drei Personentagen (sehr kleine Unternehmen) bis zu 50 Personentagen und mehr (bei komplexen und Großunternehmen) reicht.

Lohnt sich der höhere Aufwand eines Energiemanagementsystems?

Wisniewski: Für Unternehmen, die das Thema Energieeffizienz strategisch und kontinuierlich angehen möchten, definitiv! Das Managementsystem basiert auf dem als PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) bekannten kontinuierlichen Verbesserungsprozess: Es geht also um eine systematische Senkung der Energiekosten im Unternehmen. Daneben gewinnt ein zertifiziertes Energiemanagementsystem immer mehr an Bedeutung. Insbesondere in Zusammenhang mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie dem Strom- und des Energiesteuergesetz (StromStG bzw. EnergieStG) können Betriebe von kostensenkenden gesetzlichen Ausgleichsregelungen profitieren.

Was passiert, wenn Firmen die Energieauditpflicht missachten?

Wisniewski: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat als zuständige Monitoringstelle Bußgelder von bis zu 50.000 Euro angekündigt.

Welche Chancen bietet ein Energieaudit?

Wisniewski: Es geht darum, versteckte Energie-Effizienten zu heben und Kosten zu senken. Je nachdem sind Energieeinsparungen von knapp 20 Prozent über drei bis fünf Jahre durchaus realistisch.

Wie unterstützt KPMG die Unternehmen dabei, das EDL-G umzusetzen?

Wisniewski: KPMG stellt sämtliche Bescheinigungsleistungen rund um die Energiewende aus. Für die Energieaudits ist unsere akkreditierte Prüfstelle KPMG Cert GmbH zuständig. Das ist ein qualifiziertes Team mit technischer Expertise, aber auch mit betriebswirtschaftlichem Augenmaß für diese Art der Prüfung. Darüber hinaus unterstützen wir unsere Kunden dabei, ein normorientiertes Energiemanagementsystem einzuführen oder zu zertifizieren.

Haben Sie einen Last-Minute-Tipp für betroffene Unternehmen?

Wisniewski: Unternehmen sollten die Pflicht als Chance betrachten: Ein Audit legt nicht nur die energierelevante Kostenstruktur offen, sondern deckt auch auf, wo Energie gespart und die Effizienz gesteigert werden kann. Um mögliche Bußgelder zu vermeiden, sollten Unternehmen auf jeden Fall noch vor dem 5. Dezember Kontakt mit einem Anbieter für Energieaudits aufnehmen und die nächsten Schritte einleiten.

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