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European Family Business Barometer 2017 zeigt zuversichtliche deutsche Firmenlenker

European Family Business Barometer 2017

Trotz wachsender politischer Instabilität innerhalb der EU blicken zwei von drei europäischen Familienunternehmern dem kommenden Jahr positiv entgegen

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Europäische Familienunternehmen blicken optimistisch auf das kommende Geschäftsjahr. Das ist das Ergebnis des sechsten “Family Business Barometer” von KPMG. Die Umfrage ist in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Verband der Familienunternehmen (EFB) und dem Verband DIE FAMILIENUNTERNEHMER entstanden. Befragt wurden im Sommer 2017 europaweit mehr als 1.000 Familienunternehmen – 187 davon aus Deutschland, welches die höchste Teilnehmerquote verzeichnet und mit einer deutschen Sonderauswertung zu den Schwerpunktthemen Wachstum, Digitalisierung und Start-ups besonders prominent vertreten ist.

Optimismus trotz politischer Unsicherheiten 

Trotz anhaltender politischer Instabilität innerhalb der EU blicken zwei von drei deutschen Familienunternehmern den kommenden zwölf Monaten positiv oder sogar sehr positiv entgegen. Auf europäischer Ebene ist diese Zuversicht sogar noch etwas ausgeprägter als auf deutscher. Entscheidende Ursache hierfür dürfte auch die vergleichsweise gute konjunkturelle Entwicklung in der gesamten Eurozone sein. 

Über die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen konnte im Geschäftsjahr 2016 den Umsatz erhöhen und weitere 31 Prozent konnten den Vorjahreswert wieder erreichen. Knapp 36 Prozent der deutschen Unternehmen planen zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

Fachkräftemangel gibt Anlass zur Sorge

Die Herausforderung Fachkräftemangel wird in Europa unterschiedlich eingeschätzt. Während europäische Familienunternehmen diesen Faktor mit 43% als wichtig oder sehr wichtig bewerten, schätzen deutsche Familienunternehmen die Herausforderung mit 55% höher ein. Ein Grund für diese abweichenden Einschätzungen kann in den aktuell unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegen. Vergleicht man Bruttoinlandsprodukte, Geburtenraten und die (Jugend-)Arbeitslosigkeitsquoten, zeichnet sich ab, dass diese Aspekte in Deutschland zu einer tendenziell höheren Zuspitzung des Fachkräftebedarfs führen. Dies hängt nicht zuletzt mit dem Produktionsschwerpunkt deutscher Unternehmen zusammen, welcher stark auf Ausbildungsberufe ausgerichtet ist. Durch den zunehmenden Trend zu akademischen Abschlüssen entsteht bei den klassischen Ausbildungsberufen ein Defizit, das sich wiederum direkt auf die Kernbereiche der klassischen Industrie auswirkt. 

Daher ist die Suche nach qualifiziertem Personal nach wie vor die Top-Herausforderung für deutsche Familienunternehmer. Zudem konkurrieren sie mit großen Konzernen um Mitarbeiter. Gutes Personal bleibt eine knappe Ressource. Ungenutztes Potenzial für Familienunternehmen, die tendenziell in der Außenkommunikation verschlossener sind, liegt darin, ihre Stärken als Arbeitgeber deutlicher und mutiger in der Öffentlichkeit zu zeigen, um in diesem Nachwuchswettbewerb bestehen zu können.

Dr. Vera-Carina Elter, Bereichsvorstand Familienunternehmen bei KPMG, meint hierzu: „Fachkräfte sind und bleiben ein echter Engpass. Gerade im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung wird dies für Unternehmen eine enorme Herausforderung darstellen.“ 

An zweiter Stelle der Top-Herausforderungen (49 Prozent) rangieren die hohen Lohn- und Gehaltskosten in Deutschland. Mittlerweile sieht fast jeder zweite familiengeführte Betrieb hierin die größte Herausforderung für die Zukunft, gefolgt von Anpassungserfordernissen als Folge geänderter regulatorischer Vorgaben (37 Prozent). 

Zudem erhoffen sich 49 Prozent der Befragten in Deutschland einen Bürokratieabbau, worin sie gleichzeitig Möglichkeiten für weiteres Wachstum sehen. Es besteht Bedarf an Entlastung, die zum Beispiel durch einen beschleunigten Aufbau von E-Gouvernement und einer Verringerung von Berichtspflichten erreicht werden kann.

Typisch deutsch: Unabhängigkeit weiterhin starkes Bestreben

Deutsche Familienunternehmen wollen unabhängig sein und den Fortbestand über Generationen sichern. 84 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland (86% in Europa) finden es wichtig bis sehr wichtig, die Familienkontrolle beizubehalten.

Um die Kontrolle zu erhalten, müssen sich die Gesellschafter auf eine gemeinsame Strategie verständigen, wie sie mit ihrer Inhaberschaft umgehen wollen. Das bedeutet auch, strategische Richtungsentscheidungen zu treffen in Bezug auf Vision, Werte, Nachfolge sowie Führungs- und Kontrollstrukturen (Governance). Dies kann in einem Familienstrategieprozess passieren, an dessen Ende eine Familienverfassung / Familiencharta steht, die in der Anwendung immer beliebter wird. 

Geht es um den Einsatz familienfremder Manager, so unterscheiden sich die deutschen Familienunternehmen stark von ihren europäischen Nachbarn. 77% der europäischen Befragten schätzen den Einsatz externe Manager als vorteilhaft ein, während dies nur 44% der deutschen Befragten tun. Auch der Anteil an Familienunternehmen mit externen Managern unterscheidet sich bereits in seiner aktuellen „IST-Größe“. Während 78% der europäischen Betriebe bereits externe Manager beschäftigen, sind dies in Deutschland nur 63%. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Offenheit für familienexternes Management tendenziell zunehmen wird, da die nachfolgenden Generationen selbstbestimmter und teilweise unabhängiger vom Familienunternehmen agieren möchten.

Wachsen in geopolitisch brisanten Zeiten? Ja – aber in sicherem Rahmen

Deutsche Familienunternehmen investieren tendenziell risikoscheuer, was sich auch in ihren Wachstumsstrategien mit Fokus auf organischem Wachstum zeigt. 70 Prozent der befragten Unternehmen möchten wachsen, knapp die Hälfte strebt internationales Wachstum an. Größter Zielmarkt: Europa. Im Zuge des Brexit ist unter anderem Deutschland als Alternativstandort für viele Unternehmen noch attraktiver geworden. Auch Asien liegt hoch im Kurs: 16 Prozent der Unternehmen sehen ihr Wachstum dort. Damit liegt Asien als Wachstumsmarkt in der Umfrage vor Nordamerika – ein überraschender Trend. Lediglich 15 Prozent der befragten Unternehmen planen derzeit Wachstum in den USA.

Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbandes DIE FAMILIENUNTERNEHMER, wundert dies jedoch nicht: „Familienunternehmer expandieren und investieren weltweit. Deshalb brauchen wir Freihandel zu fairen Konditionen. Restriktive Investitionsbedingungen und protektionistische Wirtschaftssysteme sind Gift für unsere auf Langfristigkeit ausgerichteten Unternehmensstrategien.“

Robotics, KI und VR sind noch nicht verbreitet

Das Family Business Barometer untersucht auch in diesem Jahr erneut die Erwartungen und Herausforderungen, die deutsche Familienunternehmen mit der Digitalisierung verbinden. Das Ergebnis: 33 Prozent der Unternehmer sehen mangelndes Know-how als größte Bremse, wenn es um die Gestaltung von Digitalisierungsprozessen geht – dicht gefolgt von fehlender Veränderungsbereitschaft (30 Prozent). Zwölf Prozent der Befragten sehen keinen konkreten Bedarf für digitale Transformation (12 Prozent). 

Diejenigen deutschen Familienunternehmer, die sich mit dem Thema befassen, legen ihr größtes Augenmerk auf Data & Analytics (63 Prozent) sowie vernetzte Lieferketten (41 Prozent). Dies legt die Vermutung nahe, dass die anderen Themen wie Robotics, Künstliche Intelligenz oder Virtual Reality noch nicht in ihrer Relevanz bei den Unternehmen angekommen sind oder die Unternehmen gar nicht wissen, was diese für ihr Geschäft bedeuten könnten. Dabei birgt gerade das Thema Robotics im Sinne von Prozessautomatisierung erhebliche Kosteneinsparpotenziale, da es ja im Wesentlichen um Automatisierung geht.

Hemmend kommt hinzu, dass durch hohe Kosten bei der Umsetzung sowie hohe Hürden bei der Einführung und Nutzung einer VR-Brille die Erkenntnis über Bedeutung und Notwendigkeit noch Zeit in Anspruch nehmen wird. Anders, aber auch nicht verwunderlich, ist es bei Künstlicher Intelligenz. Hier ist die Einstiegshürde nicht so groß aber es gibt noch zu wenig Anbieter, die schlüsselfertige Lösungen anbieten können.

Etwas höher fällt die Relevanz für Industrie 4.0 (43 Prozent) und Daten in der Cloud (43 Prozent) aus. Wobei insbesondere die Bedeutung bei Industrie 4.0 tendenziell höher ausfallen müsste, da Industrie 4.0 unmittelbar auch mit vernetzten Lieferketten zusammenhängt und diese gemäß vorliegender Studie mit 62 Prozent als durchaus wichtig eingeordnet wurden. Auch bei Daten in der Cloud wäre eine höhere Bedeutung zu vermuten gewesen, da bereits heute viele Unternehmen Anwendungen in der Cloud haben. Eine Erklärung hierfür kann aber in der teilweise noch vorhandenen Unschärfe des Begriffs liegen und dass Unternehmen ihre Anwendungen noch nicht als Cloud-Anwendungen verstehen.

Strategische Partnerschaften mit Start-ups bilden noch die Ausnahme

Um Innovationen voranzutreiben, setzen die wenigsten mittelständischen Unternehmen auf Kooperationen mit jungen Gründern (zwölf Prozent): Rund 56 Prozent der Befragten geben an, noch keinen Kontakt mit Start-ups gehabt zu haben. Die geringe Zahl an Unternehmen mit Kontakt in die Gründerszene überrascht. Hier könnte ein transparenter Austausch gerade im Hinblick auf die Erwartungshaltung helfen, um Berührungsängste und Hürden abzubauen.

Welche Ziele verfolgen die deutschen Familienunternehmen in den kommenden zwei Jahren? Welche Reformen fordern sie, um weiter nachhaltig wachsen zu können? Und wie schätzen sie im europäischen Vergleich den Einsatz familienfremder Geschäftsführer ein? Diese und viele weitere Ergebnisse lesen Sie in der Sonderausgabe des European Family Business Barometers.

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Das komplette European Family Business Barometer finden Sie hier.

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