Die nächsten Großprojekte warten | KPMG | DE
Großprojekte

Die nächsten Großprojekte warten

Die nächsten Großprojekte warten

Im November 2015 haben die Hamburger entschieden, dass sich ihre Stadt nicht um die Olympischen Spiele bewerben wird. Bei einer Wahlbeteiligung von gut 50 Prozent sprach sich eine knappe Mehrheit (51,6 Prozent) gegen die Pläne aus; 21.000 Stimmen machten den Unterschied. Damit hat die Bevölkerung zum zweiten Mal eine deutsche Bewerbung um Olympische Spiele abgelehnt. Erst 2013 lehnte eine Mehrheit mögliche Winterspiele in München und Umgebung ab.

In Hamburg war lange Zeit großer Zuspruch für Olympia zu messen. Dennoch ist das Ergebnis unumstößlich. Viele Nachrichten der letzten Tage können sich negativ auf den Wunsch nach Großereignissen ausgewirkt haben: die Terroranschläge von Paris, die Affäre um FIFA-Funktionäre und die zweifelhaften Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften.

Zweifel gab es zuletzt auch am Finanzierungskonzept. Insgesamt sollten die Spiele 11,2 Milliarden Euro kosten, wovon Hamburg 1,2 Milliarden getragen hätte. Der Bund war mit 6,2 Milliarden Euro eingeplant, obgleich dazu noch keine abschließende Zusage durch den Bund vorlag.

Schlechte Vorbilder

„Olympia wäre für Hamburg eine große Chance gewesen, keine Frage“, meint Mathias Oberndörfer, Partner und Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor. „Aber offenbar überwogen die Zweifel an den Vorteilen dieses Großprojekts.“ Andere Großprojekte wie Stuttgart 21, der Flughafen BER und die Elbphilharmonie hätten zuletzt nicht gerade dazu beigetragen, Vertrauen aufzubauen. „Das wird auch aktuell deutlich, wo viele Menschen das Gefühl haben, die Regierung und die Verwaltung seien mit den Flüchtlingen an der Grenze der Leistungsfähigkeit“, sagt Oberndörfer.

Nicht in allen Fällen kommt es zur Beteiligung der Bürger am politischen Entscheidungsprozess. Wenngleich dies ein begrüßenswerter Weg ist, stellt dies jedoch besondere Anforderungen. Es zeigt einmal mehr, wie wichtig eine frühzeitige Planung und konsequentes Projekt- und Akzeptanzmanagement sind. Den Bürgerinnen und Bürgern muss dargelegt werden, welchen Mehrwert ein Großprojekt wie die Olympischen Spiele bringen und wie ein solches Großprojekt umgesetzt werden kann. Lebenswerte Infrastruktur, neue Jobs, mehr Wohnungen und moderne Sportanlagen waren in Hamburg Argumente, die hohe Investitionen rechtfertigen.

Chance zur Bewährung

„Mit einem guten Projekt- und Akzeptanzmanagement müssen sich Großprojekte natürlich auch und gerade in Deutschland umsetzen lassen“, sagt Oberdörfer. Die Negativerlebnisse der Vergangenheit und Gegenwart sollten nicht abschrecken, sondern ermutigen, sich weiteren Großprojekten zu stellen. „Die WM 2006 gilt immerhin als Musterbeispiel weltweit. Und auch die Deutschen waren mit der Durchführung im Nachhinein sehr zufrieden.“

Die nächsten Bewährungsproben warten schon mit dem Neubau des Münchner Hauptbahnhofs und den geplanten Konzerthäusern in Bonn und München. „Wenn wir die Zukunftsprojekte und die derzeitigen Problemprojekte rasch und effektiv angehen, wird es ja vielleicht noch etwas mit Olympia 2036“, sagt Oberndörfer. Zudem stehen die Chancen auf die EM 2024 gut, die die Gelegenheit bietet, sich neu zu beweisen.

Verwandte Inhalte