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Das Compliance-Index-Modell

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Das Compliance-Index-Modell verschafft Ihnen schnell und kostengünstig ein tiefgreifendes Verständnis der Compliance-Kultur in Ihrem Unternehmen und hilft dabei, bestehende Ressourcen (z.B. Budget, Zeit, Personal) effektiv einzusetzen. Bei dem Compliance-Index-Modell handelt es sich um ein empirisch fundiertes, mitarbeiterbasiertes Compliance-Performance-Measurement-System zur Beurteilung – und Verbesserung – der Compliance-Kultur anhand kritischer verhaltensbasierter Leistungsgrößen (z.B. ethische Führung) und deren Einfluss auf das Mitarbeiterverhalten.

Dazu greift das Compliance-Index-Modell auf einen multiplen Indikatoransatz zurück. Indikatoren sind direkt gemessene Beobachtungen (Rohdaten), die entweder als Elemente – etwa in Form eines Fragebogens – oder als Messvariablen bezeichnet werden. Außerdem sind sie in Messmodellen verwendete verfügbare Daten. 

So werden etwa die Mitarbeiterwahrnehmungen ethischer Führung im Modell mit Hilfe einer Sieben-Elemente-Skala und der obersten Führungsebene als Referenzorgan operationalisiert. 

Die befragten Mitarbeiter sollen unter Verwendung einer Zehnpunkteskala  bewerten, in welchem Ausmaß sie bspw. davon überzeugt sind, dass die oberste Führungsebene Ziele setzt, die auch ohne Verstöße gegen den Verhaltenskodex des Unternehmens erreichbar sind.  Dabei gilt: 1 ist sehr gering, 10 im Gegensatz sehr stark.

Auf diese Weise lassen sich mit Hilfe der Indikatoren konkrete Messwerte ermitteln, auf deren Grundlage dann wiederum die Modellparameter berechnet werden. Im Prinzip ist der dabei zur Anwendung kommende partial least squares (PLS-) Algorithmus eine Sequenz von ordinary least squares (OLS)-Regressionen in Form von gewichteten Vektoren. Nach Konvergenz des PLS-Algorithmus erfüllen die gewichteten Vektoren Fixpunktgleichungen. 

Das Ergebnis ist ein Compliance-Index, anhand dessen der Fortschritt oder der Erfüllungsgrad der Leistungsgrößen innerhalb der Organisation gemessen und/oder ermittelt werden kann.

Mit Hilfe des Compliance-Index-Modells können Anwender die Compliance-Kultur entweder in ausgewählten Zielgruppen (z.B. Einkauf, Vertrieb, Produktion) oder für das gesamte Unternehmen beurteilen und herausarbeiten, wie die Compliance-Kultur verbessert werden kann.

Dazu können modellgestützt konkrete, datengetriebene Handlungsportfolios aufgebaut werden, auf die man sich konzentrieren sollte, um bestehende Ressourcen effektiv einzusetzen. Da sich Anwender dabei auf einen quantitativen Ansatz stützen, erhalten sie „harte“, belastbare Ergebnisse, die sich durch ein hohes Maß an Objektivität und Vergleichbarkeit auszeichnen. 

Ein großer Vorteil im Gegensatz zu anderen Ansätzen: Die Anwender können die Kosten und den Zeitaufwand für ihr Unternehmen geringhalten, ohne dabei ihre individuellen Bedürfnisse und Erfordernisse aus dem Blick zu verlieren. 

Empirisch fundierter, innovativer Ansatz 

Das Compliance-Index-Modell ist das Ergebnis zweier empirischer Studien, die an der Frankfurt University of Applied Sciences mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) durchgeführt wurden. Die erste Studie wurde im Jahr 2016 unter verschiedenen Unternehmen durchgeführt. Primäres Ziel dieser ersten Studie war die Entwicklung des Messinstruments und Modells. Primäres Ziel der zweiten Studie war es, diese beiden Ergebnistypen im Hinblick auf ihre Praxistauglichkeit zu untersuchen.

Dazu wurde das Compliance-Index-Modell im Jahr 2017 bei einem Unternehmen erfolgreich pilotiert, um auf diese Weise herauszufinden, ob damit auch unter praxisnahen Bedingungen reliable und valide Ergebnisse erzielt werden.

Die Forschungsergebnisse zeigen u.a., dass das Verhalten der obersten Führungsebene entscheidend für eine starke Compliance-Kultur ist; in ihrem Verhalten sollten sich die Erwartungen der Organisation in Bezug auf ethische Standards widerspiegeln. Die oberste Führungsebene sollte durch ihr Verhalten unmissverständlich klarstellen, dass sie von den Mitarbeitern ethisch einwandfreies und integres Verhalten erwartet. 

Dabei müssen alternative Standpunkte, konstruktive Anregungen und Kritik offen kommuniziert werden können. Dazu gehört auch, dass Mitarbeiter vertraulich und ohne Sorge vor Repressalien Bedenken über Praktiken äußern können, die sie für illegal, unethisch oder zumindest fragwürdig halten.

Auch wenn dies nicht explizit untersucht wurde, liegt dennoch die Vermutung nahe, dass auch das Verhalten der mitarbeiterführenden Management-Funktion von Bedeutung ist. Denn sie stellt das Bindeglied zwischen der obersten Führungsebene und den Mitarbeitern dar. Ihr kommt die Aufgabe zu, das Compliance-Programm zu den Mitarbeitern zu transportieren.

Um also sicherzustellen, dass ein formales Compliance-Programm auf Mitarbeiterebene ankommt, ist das Verhalten aller Führungsebenen von Bedeutung. Formale Compliance-Programme stellen also insbesondere eine große Herausforderung an die Führung der Mitarbeiter dar. Sie setzen ein ethisches Führungskonzept voraus.

Ursachen bekämpfen anstatt nur "Symptome zu behandeln" 

Naturgemäß ist das Compliance-Index-Modell allgemein auf Unternehmen aller Branchen anwendbar. Es stellt wesentliche Informationen bereit, um eine Lücke hinsichtlich des Wissens zu füllen, das benötigt wird, um sicherzustellen, dass Compliance-Programme die Ursachen von Fehlverhalten in Unternehmen bekämpfen, anstatt nur "Symptome zu behandeln“.

Es hat das Potenzial, die Effektivität formaler Compliance-Programme in Unternehmen, die in einem zunehmend von Herausforderungen geprägten globalisierten Markt um ihr Fortbestehen kämpfen, wesentlich zu steigern.

So ist ein guter Compliance-Indexwert ein Anzeichen dafür, dass das Compliance-Programm eines Unternehmens von dessen Führungskräften tatsächlich gelebt wird. Sie verkörpern das Idealbild des "ehrbaren Kaufmanns". 

Öffentliche Entscheidungsträger, Kunden und Investoren können mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass die Führungskräfte des Unternehmens ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für das eigene Unternehmen, für die Gesellschaft und für die Umwelt haben. Sie stützen ihr Verhalten auf ethische Tugenden, die den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg zum Ziel haben, ohne den Interessen der Gesellschaft entgegenzustehen. Das Unternehmen wirtschaftet nachhaltig.

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