Banken sollten ihre Datenarchitektur umbauen | KPMG | DE
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Banken sollten ihre Datenarchitektur umbauen

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Banken sollten ihr Datenarchitektur umbauen

Die Umsetzung der Grundsätze für eine effektive Risikodatenaggregation ist für die Banken eine Herausforderung. Gleichzeitig werden noch andere regulatorische Initiativen vorangetrieben. Wenn die Institute diese Projekte geschickt verbinden, lässt sich die Effizienz steigern.

Im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise haben internationale Aufseher festgestellt, dass viele Banken nur sehr schwer in der Lage waren, Anfragen nach aggregierten Daten zufriedenstellend zu erfüllen. Es dauerte oft sehr lange und die Qualität der Informationen ließ sehr zu wünschen übrig.

Die Institute waren auch nach der Krise nicht gewillt, das zu ändern. Der Markt war sehr in Bewegung, viele Banken zu sehr mit Altlasten beschäftigt. So entwickelte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht im Auftrag des Financial Stability Board Standards zur Datenaggregation und zum Risikoberichtswesen, den so genannten BCBS 239, den er im Januar 2013 veröffentlichte. Ziel der 14 Baseler Grundsätze ist es, die Finanzmärkte stabiler und das Risikomanagement professioneller zu machen. Für die Banken bedeutet das vor allem eines: Sie müssen die Daten schneller, in besserer Qualität und flexibler zur Verfügung stellen können. Das ist für die Banken eine immense Herausforderung.

Die Umsetzung dauert lange und kostet viel Geld

Wie weit sind die Institute mit der Umsetzung der Prinzipien schon gekommen, für die zumindest die größten Banken der Welt nur bis zum 1.1.2016 Zeit haben?

Betrachtet man die Selbsteinschätzungen, die von den Banken dazu abgegeben wurden, geht nahezu die Hälfte der Institute davon aus, die ambitionierten Ziele nicht zu erreichen. Die Aufsichtsbehörden sind auch nicht viel zuversichtlicher. Das hat verschiedene Gründe. Um die Kriterien erfüllen zu können, müssen die Banken nicht nur ihre Datenarchitektur völlig neu denken und aufbauen, sondern vor allem auch strukturelle Veränderungen anstoßen. Das dauert und kostet sehr viel Geld.

Es ist ein Kulturwandel nötig

In vielen Bereichen der Banken ist nicht geregelt, wer für welche Daten und deren Qualität verantwortlich ist. Diese fehlende Governance ist ein Grund für die Schwäche bei der Risikodatenaggregation. Wenn es Regelungen gibt, existieren diese nur für einzelne Fachbereiche, die sich zu diesem Thema auch nicht austauschen.

Künftig soll nicht mehr zwischen Genauigkeit, Aktualität, Vollständigkeit und Flexibilität abgewogen werden, sondern alles möglich sein. Dafür benötig man vor allem eine verlässliche Datenbasis. Und die nötigen Kapazitäten, sowohl personell als auch IT-technisch. Deutlich ansteigende Transaktionsvolumina und kürzere Berichtsintervalle sollen auch in Stresszeiten abgebildet werden können. Das alles funktioniert allerdings nur, wenn die Banken einen Kulturwandel durchlaufen.

Es ist sehr wichtig, dass die Institute künftig mehr im Querschnitt denken. Dafür sollten sie sich aber auch neue Mitarbeiter an Bord holen. Einerseits braucht man viele IT-Spezialisten, die in der Lage sind, die neue Architektur umzusetzen. Auf der anderen Seite benötigen die Banken immer mehr Experten, die extrem breit aufgestellt sind.

Es gibt auch ökonomische Effekte

Die Umsetzung der Standards wird die Banken viel Geld kosten – bis zu dreistellige Millionenbeträge. Wenn es die Banken schaffen, sich an die Baseler Grundsätze zu halten, wird das langfristig auch ökonomische Vorteile haben. Synergieeffekte werden dafür sorgen, dass die Institute Dinge, die sie vorher zwei- bis dreimal gemacht haben, nur noch einmal tun müssen.

Die Vielschichtigkeit der Umsetzung des BCBS 239 bringt viele Institute schon an den Rand dessen, was sie leisten können. Parallel dazu müssen aber noch weitere regulatorische Anforderungen erfüllt werden. Es ist wichtig, dass die Aufseher das im Hinterkopf haben und die Umsetzung zeitlich so aufeinander abstimmen, dass die Banken eine Chance haben. Sonst geben sie am Ende viel Geld aus, ohne den Nutzen der neuen Regelungen zu haben.

Wie man seine Risikodaten künftig aufbereiten kann, wird in den kommenden Jahren für die Banken ein absoluter Erfolgsfaktor sein. Viele Banken beschäftigen sich inzwischen mit dem Thema. Doch in dieser Härte ist das bei vielen Instituten noch nicht angekommen.

Banken sollen künftig in der Lage sein, auch komplizierte Anfragen nach Daten schnell und gut bearbeiten zu können. Dafür ist es nötig, dass sie ihre Datenarchitektur umbauen und strukturelle Veränderungen anstoßen. Das kostet viel Zeit und Geld. Doch am Ende sind die Banken nur dann zukunftsfähig.

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