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Währungsrisiken

Währungsrisiken beurteilen: Wir sind alle Bundestrainer

Währungsrisiken beurteilen

Währungsrisiken beurteilen: Wir sind alle Bundestrainer

Mindestens alle zwei Jahre lässt sich ein Phänomen beobachten, das sich quer durch die Bevölkerung zieht: Das Bundestrainer-Syndrom. Jeder von uns glaubt zu wissen, wie es richtig läuft. Ähnlich überheblich verhalten sich viele Aufsichtsräte und Vorstände, wenn es um ihre Währungsrisiken geht. Leider liegen sie oft falsch.

Kaum rollt der Ball bei Jogis Jungs, postulieren wir unsere Meinung zum Kader, zur Aufstellung, zur Taktik, zur Flugbahn des neuen Spielgeräts. Häufig auch zu den Spielerfrauen, auch wenn dies nicht unbedingt was mit dem Spiel auf dem grünen Rasen zu tun hat.

Dies ist gut so und Teil des Vergnügens, sich mit dem Fußball zu beschäftigen. Und doch wäre niemand so vermessen tatsächlich zu glauben, die Nationalmannschaft für das nächste Spiel auf- und einstellen zu können.

Beim Management von Währungsrisiken beobachte ich ein ähnliches Verhalten.

Viele Aufsichtsräte und Vorstände haben eine Meinung dazu, wie sich Wechselkurse entwickeln. Einige derjenigen, die mitreden, glauben tatsächlich, sie könnten die Rolle des Währungsmanagers einnehmen. Das macht es im Vergleich zum Bundestrainer-Syndrom noch schwieriger.

Ob dieses vermeintliche Wissen dem Selbstbewusstsein der eigenen Fähigkeiten entspringt – oder das Wissen des befreundeten Bankers zur eigenen Überzeugung gemacht wird: Die Meinung, sie steht. Zumindest so lange, bis die Realität das Gegenteil bewiesen hat.

Problematisch wird dies spätestens dann, wenn Währungseffekte in der Bilanz auftauchen.

Dies ist nämlich der Moment, an dem sich das Treasury bestenfalls unangenehme Fragen gefallen lassen muss. Im schlimmsten Fall Anschuldigungen wie: „Ich habe es ja gewusst“. Diese Situationen haben tief liegende Ursachen.

Wer sich den Währungsmanagement-Ansatz vieler Unternehmen ansieht, kann erkennen, dass genau zwei grundlegende Elemente nicht hinreichend berücksichtigt werden: Erstens: Die eindeutige Festlegung der Ziele des Währungsmanagements in Verbindung mit den Unternehmenszielen – „Was soll mit dem Währungsmanagement erreicht werden?“

Zweitens: Die vollständige Transparenz über das Währungsexposure – „Welche Risikopositionen liegen heute auf der Bilanz und wie entwickeln sich die Risikopositionen bzw. der Fremdwährungs-Cashflow gemäß der Unternehmensplanung?“

Tatsache ist, dass viele Unternehmen ihr Exposure nicht vollständig kennen.

Oft bleiben zehn und mehr Prozent des aktuellen und zukünftigen Exposures unerkannt. Bei Wechselkursschwankungen von beispielsweise zehn Prozent lässt sich der Effekt auf Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung leicht ermitteln.

Hier stellt sich die Frage, inwieweit bei diesen Unternehmen überhaupt Sicherungsgeschäfte abgeschlossen werden sollten. Im Extremfall bewirken sie genau das Gegenteil von dem, was ursprünglich das Ziel war.

Wer die Verbindung mit den Unternehmenszielen herstellen will, muss eine vergleichsweise einfache Frage beantworten: Welches Risiko ist die Unternehmensführung bereit zu tragen?

Diese Frage bezieht sich sowohl auf den Cashflow als auch auf bilanzielle Risiken. Im Idealfall berücksichtigt sie auch das ökonomische Risiko, das heißt, die Veränderung der Wettbewerbssituation aufgrund von Wechselkursänderungen. Aus der Antwort ergibt sich ein eindeutiger Handlungsrahmen.

Genau das Fehlen dieser Antwort führt zum Bundestrainer-Syndrom.

Das Treasury versucht aus diesem Grund häufig einen Handlungsrahmen zu definieren, welcher Sicherheit nur suggeriert. Gleichzeitig lässt er den Bundestrainern in den eigenen Reihen Raum. Beispiele hierfür sind statische Sicherungskonzepte mit einer Mindestsicherungsquote.

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