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Selbstbewusstsein

Deutschland fehlt es an digitalem Selbstbewusstsein

Digitales Selbstbewusstsein

Deutschland fehlt es an digitalem Selbstbewusstsein

Deutschland, Land der Nachdenker. Allerdings: Zögernd und zaudernd halten wir den Fortschritt nur auf. Wer gestalten will, muss vordenken. Maßnahmen für eine bessere Zukunft.

Die Aussichten scheinen trübe und besorgniserregend: Ein Großteil Europas ist in Sachen Digitalisierung weiter zurückgefallen. Deutschland liegt zurück hinter Ländern wie den USA, Südkorea und Japan, aber auch Estland.

Die Ausgangslage ist eindeutig: Digital liegt Deutschland zurück.

Das Parlament vom eigenen Computer aus wählen? Passable Netzabdeckung auf dem Land? Behördengänge online und ohne Papierkram erledigen? In Estland Alltag, in Deutschland Utopie.

Das muss sich ändern. Darin waren sich auf dem IT-Gipfel diese Woche in Berlin viele einig. Es steht allerdings zu befürchten, dass es vor allem bei Worten bleibt, war es doch schon der neunte IT-Gipfel und die Message eine ähnliche wie in den Vorjahren. Dabei gibt es klare Maßnahmen, die es umzusetzen gilt.

Die Datensparsamkeit muss enden.

Datenschutz ist wichtig, keine Frage. Und am sichersten sind die Daten, die nicht gesammelt werden. Allerdings entgeht uns damit ein noch viel größerer Nutzen. Schluss mit der Datensparsamkeit. Was wir brauchen, ist ein Datenreichtum.

Zugleich muss das Vertrauen in die Technik steigen. Exzellente Sicherheitssysteme sind keine Illusion, sondern auf dem Markt zu haben. Helfen könnte eine transparente Initiative, die den Bürgern sagt, wie Daten wirklich sicher geschützt und verschlüsselt werden. Für diese Initiative könnten sich die großen Internet- und Softwareunternehmen mit neutralen NGOs zusammenschließen.

Gemeinsam sind wir stark.

Die Zusammenarbeit muss auch zwischen den Staaten erfolgen. Eine mindestens europaweite Standardisierung der digitalen Regulierung ist Grundvoraussetzung für ein faires Wachstum. Es gilt, Netze zu vereinfachen und zu harmonisieren. Ansonsten kann der europäische Markt nicht bestehen gegen die großen, einheitlich regulierten Märkte USA und China.

Her mit den schnellen Leitungen.

Je schneller die Verbindungen, desto mehr ist online möglich. Bezeichnend, dass die Location für den Abendempfang des IT-Gipfel praktisch vom Mobilfunk-Netz abgeschnitten war. Dringend brauchen wir landesweit eine schnelle Breitband-Infrastruktur und 5G Mobilnetze. Das Versprechen von Telekom-CEO Tim Höttgens für 2020 den Standard 5G zu bieten, ist klasse, hinkt aber etwa den Plänen Südkoreas zwei Jahre hinterher. In der sich rasant entwickelten Welt ist das eine Ewigkeit und ein klarer Wettbewerbsnachteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die deutschen Großkonzerne müssen zu den treibenden Kräften werden.

Bemerkenswert ist die Zurückhaltung deutscher DAX-Konzerne, die sogar bei digitalen Initiativen in Deutschland ausländischen Unternehmen den Vortritt lassen. Start-ups werden häufig nicht als Partner, sondern nur als Kaufobjekte betrachtet. Start-ups bringen nicht nur neue digitale Dienste und Produkte an den Markt, sie nutzen sie vor allem in ihrer Verwaltung. Das macht sie so effizient und zu einem Vorbild für die Großunternehmen, die sich ihre eigenen von Papier und Prozessschleifen genährten Bürokratiemonster geschaffen haben.

Richtig eingesetzt, sind alte Stärken ein entscheidender Vorteil.

Das Silicon Valley mag in Consumer-Fragen meilenweit voraus sein, dafür können wir B2B besser. Industrie 4.0 und das Internet der Dinge sind unsere Chance, die wir konsequent angehen müssen. Mit der vergleichsweise stark ausgeprägten Industrie und Ingenieurskultur haben wir einen großen Vorteil, den es zu kapitalisieren gilt.

Mehr Bildung braucht das Land.

Die Welt hat sich gewandelt, die Lehrpläne nicht. Für Bürger, die auch digital souverän und mündig sind, braucht es die richtige Bildung. In Estland lernen die Schüler ab der ersten Klasse programmieren. Wer die Schule abschließt, sollte nicht nur eine Fremdsprache fließend können, sondern auch eine Programmiersprache.

Digitale Bildung hat eine kurze Halbwertszeit. Gerade die Führungskräfte in den Unternehmen müssen auf dem neuesten Stand der Technik bleiben. IT-Kurse sollten auch für sie fester Bestandteil in den Verträgen werden, damit das Unternehmen nicht den Anschluss an die Konkurrenz verliert.

Trauen wir uns.

Die Digitalisierung ist für uns alle eine Chance. Unglaubliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorteile können wir heute schon realisieren in Bereichen wie Gesundheit, Mobilität und Verwaltung. Packen wir es an.

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