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Flüchtlinge: Ein positiver Schock

Flüchtlinge: Ein positiver Schock

Der Zuzug Hunderttausender Schutzsuchender ist für die deutsche Volkswirtschaft ein sogenannter externer Schock. Was aber bedeutet es für die Wirtschaft insgesamt, wenn sie um viele Menschen in kurzer Zeit wächst? Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Kosten und Einnahmen.

Diese Kosten verursachen die Schutzsuchenden

Genaue Zahlen für die bisherigen Kosten liegen noch nicht vor. Ein guter Indikator ist allerdings die Pauschale, die der Bund den Ländern ab 2016 zahlen wird: 670 Euro monatlich für jeden Flüchtling. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) rechnet für das Jahr mit ein bis zwei Milliarden Euro für den Lebensunterhalt. Arbeitsministerin Andrea Nahles sagte jüngst der Süddeutschen Zeitung, sie rechne bis 2019 mit einer Million zusätzlichen Hartz IV-Empfängern. Aktuell erhalten laut Arbeitsagentur 4,3 Millionen Menschen eine Grundsicherung.

Hinzu kommen insgesamt 500 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau und 350 Millionen Euro zur Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die der Bund den Ländern zur Verfügung stellt.

Um die Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt zu machen, müssen viele zunächst einmal Deutsch lernen. Für die berufsbezogenen Sprachkurse rechnet das BMAS mit 180 Millionen Euro. Höher sind die Kosten, die bei den Jobcentern anfallen. Durch die Bezahlung von Dolmetschern und neuen Mitarbeitern, die etwa für die Prüfung von Berufsqualifikationen gebraucht werden, bedürfe es 600 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro zusätzlich.

Insgesamt plant der Bund 2016 sechs Milliarden Euro zusätzlich ein. Für 2015 werden sich die Kosten auf drei Milliarden Euro belaufen, schätzt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung.

So nutzen die Schutzsuchenden dem Staat

Die Ausgaben für die Flüchtlinge sind kurz- und mittelfristig positiv für die Wirtschaft als Ganzes. „Man kann von einem kleinen Konjunkturpaket sprechen“, sagt Hartfrid Wolff. „Ein zusätzliches Wachstum von etwa 0,2 bis 0,5 Prozent pro Jahr erscheint plausibel.“ Für die deutsche Wirtschaft mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum seit 2003 von knapp über einem Prozent, ist das eine spürbare Belebung.

Denn das Geld, das die Flüchtlinge erhalten, geben sie zum großen Teil in Deutschland aus, ob beim Bäcker, in der Drogerie oder im Supermarkt. Zudem wird durch den höheren Wohnungsbedarf mehr gebaut und saniert. Und auch die nun stärker nachgefragten Deutschlehrer und Sozialarbeiter lassen das Bruttoinlandsprodukt wachsen. „Die Torte wird also nicht nur auf mehr Menschen aufgeteilt, sondern sie wird auch größer“, macht der KPMG-Experte anschaulich. „Wo Menschen sind, schaffen sie Arbeit für andere. Gleichzeitig bringt jeder Mensch Talente und Ideen mit, die für die Wirtschaft wichtige Innovationen befördern.“

Zu einem gewissen Teil fließen die direkten Transferleistungen für die Flüchtlinge über die Mehrwertsteuer wieder in die Staatskasse zurück. Wenn Flüchtlinge Arbeit finden, kommen noch Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuern hinzu.

Dennoch werden sie langfristig mit der richtigen Ausbildung wertvoll für die Entwicklung des Landes sein. Ohne größere Zuwanderung würde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter von 53 Millionen im vergangenen Jahr um 6 Millionen bis 2030 fallen, wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie errechnet hat.

Wolff: „Letztlich steigern die Flüchtlinge die Wettbewerbsfähigkeit. Denn von der Theorie her drücken zusätzliche Arbeitskräfte das Lohnniveau. Ob die genannten Zuwanderungszahlen dazu ausreichen, lässt sich allerdings nur schwer berechnen. Denn zugleich steigt ja auch die Nachfrage nach Arbeit durch das Mini-Konjunkturpaket.“

Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands könnte steigen

„Die Gesamtrechnung hängt stark davon ab, wie schnell die Flüchtlinge in Arbeit kommen“, sagt Hartfrid Wolff. „Je eher sie arbeiten, desto schneller finanziert sich die Zuwanderung auch nicht arbeitender Flüchtlinge selbst. Denn schließlich sind Renten- und Sozialkassen umlagefinanziert: Was heute erwirtschaftet wird, fließt auch heute an die Sozialleistungsempfänger.“ Mit der richtigen Ausbildung würde durch die Flüchtlinge sogar die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands steigen. Mehr Investitionen und höhere Staatsausgaben kommen der Wirtschaft direkt zu Gute. „Aus volkswirtschaftlicher Perspektive also insgesamt ein positiver Schock“, schlussfolgert Wolff. Wie stark dieser ausfalle, hänge nun an der Politik und den Unternehmen.

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