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Integration

Integration der Flüchtlinge

Warum wir Flüchtlinge integrieren sollten

Fachkräftemangel: Warum wir Flüchtlinge schnell integrieren sollten

Führende Vertreter der deutschen Wirtschaft haben Bund und Länder aufgefordert, Flüchtlingen den Zugang zum Arbeitsmarkt deutlich zu erleichtern. Das ist gut so: Denn es liegt im Interesse von uns allen, dass wir diesen Menschen ermöglichen, sich zügig zu integrieren. Von der „Willkommenskultur“ war in den vergangenen Wochen oft die Rede: Ob es aber gelingt, die Flüchtlinge langfristig zu integrieren und ihnen eine Perspektive zu bieten, hängt auch von der Schaffung einer „Willkommensstruktur“ ab.

Zentrales Element wird die Einbindung der Flüchtlinge in unsere Ausbildungs- und Arbeitsmärkte sein.

Wenn Flüchtlinge rasch und unkompliziert Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen und Unternehmen schneller und einfacher Flüchtlinge beschäftigen können, bedeutet dies eine große Chance für Deutschland. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels – worüber vor allem Familienunternehmer als wichtige Ausbilder in Deutschland klagen. Gerade im Bereich des Handwerks besteht ein großer Nachwuchsbedarf.

Erste Unternehmen haben Pilotprojekte gestartet.

Viele mittelständische Unternehmen wollen einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan oder dem Sudan leisten. Einige haben bereits Auswanderer in ihren Unternehmen eingestellt oder bilden sie aus. Andere Familienunternehmen haben Praktikantenstellen für Flüchtlinge eingerichtet.

Allerdings bestehen bürokratische Herausforderungen.

Flüchtlinge und Hilfsorganisationen berichten von völlig überlasteten Behörden, insbesondere im Rahmen der Erstaufnahme. Drei Dinge sind deshalb besonders wichtig: Ausbau der personellen Ressourcen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Beschleunigung der Verfahren und insbesondere Verzahnung mit den Jobcentern und der Bundesagentur für Arbeit.

Die rechtlichen Fragen des Datenaustausches zwischen den Behörden sollten zeitnah geklärt werden.

Nur so kann eine zeitraubende Mehrfacherfassung der Stammdaten der Flüchtlinge verhindert werden. Das eröffnet gleichzeitig die Chance, die Flüchtlinge auf Basis ihrer Sprachkenntnisse, Schulabschlüsse und beruflichen Qualifikationen ohne Zeitverzug zu vermitteln.

Die Ausbildungsfähigkeit der Flüchtlinge sichert die Integration in den Arbeitsmarkt.

Die Flüchtlinge müssen für den deutschen Arbeitsmarkt oder eine duale Ausbildung unverzichtbar über deutsche Sprachkenntnisse verfügen. Ohne vorbereitende Kurse werden die meisten Flüchtlinge nicht ausbildungsfähig sein. Bund und Länder sind aufgerufen, solche Berufsvorbereitungskurse intensiv zu fördern. Auch Ausbildungs- und Studiengänge sowie die Anerkennung von ausländischen Schul- und Studienleistungen sollten den geänderten Anforderungen angepasst werden.

Flüchtlinge nehmen keine Arbeitsplätze weg.

Gerade viele Familienunternehmer suchen händeringend nach Fachkräften. Der Zentralverband des deutschen Handwerks meldete jüngst, dass derzeit 27.000 Lehrstellen unbesetzt seien. Im Bereich von Industrie und Handel ist die Lage nicht besser. Nach Prognosen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) werden in den nächsten 15 Jahren bis zu 390.000 Ingenieure gebraucht. Flüchtlinge, die Deutschland erreichen, sind überwiegend 34 Jahre alt und jünger. Sie werden den Fachkräftemangel nicht alleine lösen können – aber sie stellen ein großes Potenzial dar, das es zu nutzen gilt. Auswanderer bringen oft berufliche Bildungsabschlüsse, überdurchschnittliche Motivation sowie Mehrsprachigkeit und Flexibilität mit.

Aus Leistungsempfängern können Steuer- und Beitragszahler werden: Eine Win-win-Situation für Flüchtlinge und Gesellschaft.

Schon nach rund drei Monaten können die Teilnehmer von Ausbildungsförderprogrammen erste Leistungsnachweise in den Händen halten – und damit auch ihr eigenes, selbst verdientes Geld.

Wenn ich mir etwas wünschen könnte:

Dann, dass die Offenheit, mit der viele Bundesbürger den aus Not, Krieg und Vertreibung Geflohenen begegnen, erhalten bleibt. Eine Willkommenskultur ist besonders dann von Nöten, wenn die erste Euphorie verflogen ist und sich Ernüchterung breitmacht. Gerade dann werden Integrationserfolge wichtig werden. Bundespräsident Joachim Gauck sagte einmal in einer Rede: „Wir sind die Wirtschaft. Wir sind das Volk. Wir sind frei. Und wir sind zuständig.“ Dem kann ich nur zustimmen. Indem wir gemeinsam daran arbeiten, dass Integration gelingt, können wir diese Herkulesaufgabe stemmen und Deutschland, bunter und erfolgreicher machen.

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