Teil 2 Treasury 2025 – Was Sie heute dafür tun müssen | KPMG | DE

Teil 2 Treasury 2025 – Was Sie heute dafür tun müssen

Teil 2 Treasury 2025 – Was Sie heute dafür tun müssen

Nur wer heute Prozesse schlanker gestaltet, kann in Zukunft von der Standardisierung und den Möglichkeiten der digitalen Datenwelt profitieren.

Verwandte Inhalte

FTM Bildwelt: Skispringer

In unserem ersten Beitrag vom 20. Juli diesen Jahres haben wir bereits darüber berichtet, welche Chancen und Herausforderungen wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren für das Treasury erwarten.

Die Themen Automatisierung von Standardprozessen (beispielsweise FX-Exposure Management) und die digitale Entscheidungsfindung haben wir bereits in Teil 1 dieses Artikels ausgiebig diskutiert. Unser Fazit hat deutlich die Chancen gezeigt und die Bedeutung eines zeitnahen Handelns hervorgehoben. Nur wer heute Prozesse schlanker und homogener gestaltet, kann in Zukunft von der Standardisierung und den Möglichkeiten der digitalen Datenwelt profitieren. Aber natürlich ist damit nicht das ganze Potenzial ausgeschöpft. Anhand der folgenden zwei Themenfelder zeigen wir Ihnen, was sich wie verändern wird: 

“Embedded Compliance“ als Standard

Compliance nimmt einen immer größer werdenden Raum ein. Während sich die Anforderungen an interne Compliance im Treasury in den letzten Jahren nur geringfügig verändert haben, so sind bei der externen Compliance weitreichende Veränderungen und Anforderungen zu beobachten. Einen Geschäftsführer hat man im Rahmen einer Diskussion zu der Äußerung verleitet, dass er die gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen sämtlicher Länder und internationaler Organisationen unmöglich alle kennen und einhalten könne und deshalb ohnehin immer mit einem Bein im Gefängnis stehe, von Reputations- oder finanziellen Schäden für das Unternehmen ganz zu schweigen. Unbestritten größtes Problem im Compliance-Kontext ist der Mensch – sei es, weil er bewusst betrügt, Sachverhalte falsch einschätzt, unwissend ist oder schlicht, weil er Fehler macht.

Treasury 4.0 löst dieses Problem zwar nicht umfassend, jedoch bietet die Automatisierung von Prozessen und die Integration der Systeme entlang der gesamten Prozessketten die Voraussetzung zur Umsetzung einer „Embedded Compliance“.

„Embedded Compliance“ bedeutet, dass sowohl die internen als auch externen Complianceanforderungen mittels automatisierter Prüfroutinen und Kontrollen in den Systemen abgebildet werden und somit die Prüfungen in Echtzeit vornehmen bzw. dafür sorgen, dass zum Beispiel Meldungen an externe Dritte vollständig und richtig erfolgen. Ziel ist es, den Faktor Mensch im Regelprozessverlauf herauszunehmen. Schauen wir uns einmal drei Beispiele an:

  1. Überwachung des Exposure-Limits (interne Compliance): Wenn die strategische Vorgabe eine bestimmte Sicherungsquote vorgibt, so kann deren Einhaltung unmittelbar überprüft werden und ab einer definierten Abweichung erfolgt eine automatische Benachrichtigung an das Management. Ein monatliches Reporting, wie heute vielfach üblich und häufig manuell erstellt, entfällt.
  2. Zahlungsverkehr (interne / externe Compliance): War es in der Vergangenheit im Rahmen des dezentralen Zahlungsverkehrs kaum möglich bei ausgehenden Zahlungen internen wie externen Fraud zu erkennen und damit zu verhindern, so ist dies bei hochautomatisierten zentralisierten Prozessen erst Recht nicht möglich. Die Lösung liegt in künstlicher Intelligenz. Mit deren Hilfe – machine learning, um genauer zu sein – werden Anomalien erkannt und im Fall, dass das System die Zahlung nicht als „normal“ einstuft, diese einer manuellen Nachbearbeitung zugeführt. Dieser Herangehensweise liegt die Annahme zugrunde, dass Maschinen eher erkennen, wenn etwas von der Norm abweicht. Mit diesem Verfahren kann jedoch nicht nur Fraud erkannt und verhindert werden, sondern auch Korruption und Geldwäsche, zwei externe Compliancethemen, bei Verstößen massive Strafen drohen.
  3. EMIR-Reporting (externe Compliance): Ist systemseitig sichergestellt, dass alle relevanten Transaktionen in der zentralen Datenbank nicht nur verfügbar, sondern entsprechend der regulatorischen Anforderungen auch bestätigt sind, so kann systemseitig dafür gesorgt werden, dass Abweichungen vom Sollprozess (zum Beispiel Sollzeiten) unmittelbar eskaliert und dokumentiert werden, ohne dass dies von einem Mitarbeiter abhängt. Gleiches gilt für die Sicherstellung der entsprechenden Meldepflichten. Droht eine Noncompliance in diesem Bereich, wird dies systemseitig erkannt und entsprechende Schritte werden eingeleitet.

Anhand dieser drei Beispiele sollte deutlich geworden sein, dass „Embedded
Compliance“ mehr als nur ein Schlagwort ist und zu mehr Sicherheit nicht nur
für das Unternehmen, sondern auch für jeden Mitarbeiter in der Prozesskette
führt.

Nun muss mitnichten gewartet werden, bis Ihnen eine Systemlandschaft zur Verfügung steht, mit der dies alles im Handumdrehen gelingt. Auch heute kann damit begonnen werden, Kontrollen in bestehenden Systemen weiter zu automatisieren und das entsprechende Compliance-Berichtswesen womöglich zu automatisieren.

Performance wird Qualitätsindikator

Alle Unternehmensbereiche unterliegen detaillierten Performancemessungen. Alle? Nein, ein kleines gallisches Dorf namens Treasury ist von Performancemessungen immer noch weitestgehend ausgeschlossen. Die Gründe hierfür seien an dieser Stelle nicht relevant.

Das hier jedoch eine Veränderung langsam sichtbar wird, zeigt sich zum Beispiel am zunehmenden Interesse an Bank Fee Management oder der Erfolgsmessung des Währungsmanagements einschließlich der entsprechenden Kosten-Nutzen-Rechnungen. Hinzu kommen Prozessveränderungen wie zum Beispiel im Zahlungsverkehr, die zu Prozessketten führen, die weit über das Treasury hinausreichen und entsprechend einer Performancemessung unterliegen. Als Beispiel seien hier Cash Management oder Zahlungsverkehrsprozesse genannt, die in Teilen in Shared Service Centern verantwortet werden. Performancekennzahlen in Echtzeit wie Durchlaufzeiten, Transaktionen per Mitarbeiter, Sicherungskosten im Verhältnis zur erreichten Volatilitätsreduzierung des Währungsergebnisses und Genauigkeit von Szenariorechnungen in der ex-post-Analyse sind nur einige Beispiele.

Nun ist nicht immer der mangelnde Wille vorherrschend, dass dies in der Vergangenheit nicht angegangen wurde, sondern die Grenzen des technisch sinnvoll Machbaren waren ein bestimmender Faktor.

Dies hat sich bereits geändert und wird sich weiter ändern. Zentrale (aktuelle) Datenverfügbarkeit unterliegt keinen wesentlichen Restriktionen mehr, weder technisch, noch finanziell. Gleichwohl kann der Weg dorthin je nach Ausgangslage länger oder kürzer, aufwendiger oder weniger aufwendig sein.

Ungeachtet dessen gibt es keinen Grund, warum nicht heute damit begonnen werden sollte,

  • ein umfassendes KPI-Konzept zu entwerfen, hierfür die entsprechende Akzeptanz im Unternehmen zu schaffen und dies in das Berichtswesen zu integrieren sowie
  • die Anforderungen an die erforderlichen Daten zu definieren und dort wo bereits heute möglich, dies auch umzusetzen.

Dies waren nun zwei weitere Themenfelder des Treasury 4.0, um die Zukunft des Treasury anhand von Standardthemen greifbar zu machen und zu schauen, was bereits heute in die Wege geleitet werden kann. Nun ist Theorie noch keine Praxis und daher nehmen wir uns der Umsetzung in die Praxis im kommenden Newsletter an. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 71, September 2017
Autor: Tatjana Schäfer, Manager, Finance Advisory, tschaefer@kpmg.com 

Finanz- & Treasury Management

Das Expertenteam vom KPMG weist Ihnen den richtigen Weg im Finanz- und Treasury-Management.

 
Lesen Sie mehr

KPMG Corporate Treasury News

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden