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Made in Germany 2.0

Wenn sich deutsche Start-ups auf die Stärken der deutschen Wirtschaft besinnen, dann können sie auch in der neuen Welt mithalten. Dazu müssen sie aber den Transfer vom industriellen ins digitale Zeitalter bewältigen.

Seit Jahren hält man deutschen Start-ups vor, Ideen zu kopieren, die anderswo, meist in den Vereinigten Staaten, entstanden sind. Tatsächlich ist es so, dass beispielsweise die Samwer-Brüder nicht dadurch auffallen, dass sie die Welt mit neuartigen Einfällen beglücken. Erfolgreich sind sie trotzdem, weil sie den Mut haben in Länder zu expandieren, die eigentlich noch gar nicht bereit sind. Länder, die das Industriezeitalter einfach überspringen und direkt ins digitale Zeitalter aufbrechen.

Das Business-to-Consumer-Geschäft beherrschen die Amerikaner besser als andere Nationen. Doch das ist kein Grund, sich zu verstecken. Der deutsche Mittelstand ist auf einigen Gebieten Weltmarktführer. Die Stärken vieler kleiner Unternehmen liegen in Anwendungen für Geschäftskunden. Wenn es den Gründern gelingt, diese Stärke – also das Business-to-Business-Geschäft – auszubauen, haben sie eine Chance die Zukunft mitzugestalten.

Der Kunde bestimmt, wer am Ende gewinnt

Wichtig für den Erfolg ist, dass die Unternehmen die Transferleistung aus der Industrie in die digitale Welt schaffen. Dazu zählt vor allem, dass sie den Kunden in den Entwicklungsprozess einbeziehen. Heute verlangt dieser ein individualisiertes, auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt. Dafür müssen die Unternehmen andere Daten sammeln und verarbeiten als bisher. Das verändert den Fertigungsprozess, weil nicht mehr so viel Massenware produziert wird. Spätestens dann, wenn die 3-D-Drucker in die Privathaushalte Einzug halten, wird das allen klar sein. Die Produktion und die Fertigung wird nicht das Problem sein, da war die deutsche Industrie schon immer stark. Auch bei der Expansion haben deutsche Gründer oft einen Vorteil. Sie sind es gewohnt, schnell über die eigenen Landesgrenzen hinaus wachsen zu müssen. Die Amerikaner verfügen über einen riesigen Binnenmarkt, den sie zuerst bedienen, während sich Gründer hierzulande früh damit beschäftigen, wo sie ihr Geschäft über die Landesgrenzen hinaus ausbauen können.

Unternehmen müssen stärker miteinander konkurrieren

Der Erfolg im digitalen Zeitalter ist vor allem auch eine Frage des Miteinanders und des Austauschs. Die Unternehmen sollten sich öffnen, nicht nur den Kunden gegenüber, sondern auch dem Wettbewerb. Sie sollten sich überlegen, wie sie künftig mit Daten umgehen. Es besteht die dringende Notwendigkeit, sich die Fähigkeiten zur Analyse und Auswertung großer Datenbestände zu sichern. Viele erfolgreiche Ideen der jüngsten Zeit zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Erfinder sie sehr früh mit anderen teilten. Ziel der Offenheit war es, das möglichst beste Produkt zu kreieren. Während sich Gründer hierzulande oft mit dem Schutz ihrer Idee beschäftigen, holen sich amerikanische Start-ups möglichst viele Meinungen ein.

Fehlende Fehlerkultur in Deutschland

Dass diese Mentalität hier noch nicht besonders verbreitet ist, liegt auch daran, dass es in Deutschland noch immer keine gute Fehlerkultur gibt. Wer mit seiner Unternehmung scheitert, hat hier einen Makel. In den USA ist es genau umgekehrt. Max Levchin, der Mitbegründer und ehemalige Cheftechnologe von Paypal, ist in den USA ein gern gesehener Vortragsredner, vor allem weil er erst einmal vier Unternehmen in den Sand gesetzt hat, bevor er mit dem Online-Bezahldienst Erfolg hatte.

Alte Stärken neu nutzen

Die Unternehmen interessieren sich immer mehr für eine neue Innovationskultur. Diese Offenheit trifft auf junge Leute, die keine Barrieren in den Köpfen haben. Es reicht eine gute Idee, die mit einer schlanken Infrastruktur und ohne den Aufbau einer großen Produktion umsetzbar ist. Die Fraunhofer Gesellschaft ist die größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Es gibt bei uns zahlreiche toll ausgebildete Forscher und Ingenieure. Leider werden sie bisher vor allem in der Forschung eingesetzt und weniger in der Wirtschaft. Deutsche Gründer können die alten Stärken nutzen, um auch in der neuen Welt erfolgreich zu sein. Die richtigen Zutaten sind hierzulande vorhanden. Jetzt müssen wir nur aufstehen und die richtigen Mengen mutig zusammenmischen.

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