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Familienunternehmen

Familienunternehmer

Familienunternehmer unter sich

Familienunternehmer wollen unter sich bleiben

In Deutschland vertraut man auf die eigene Familie. Gerade mal gut die Hälfte (54 Prozent) deutscher Familienunternehmen sieht einen Vorteil in externen Managern in der Geschäftsleitung. Damit sind sie wesentlich skeptischer als Familienunternehmer in den 24 anderen EU-Staaten.

Das ergab das aktuelle European Family Business Barometer, eine Befragung vom Verband European Family Businesses und KPMG. 1.401 europäische Familienunternehmen aus 25 Ländern nahmen im Sommer 2015 teil. In Deutschland wurde die Befragung in Kooperation mit dem Verband DIE FAMILIENUNTERNEHMER – ASU durchgeführt; es beteiligten sich insgesamt 361 Familienunternehmen.

Externe Expertise im Ausland höher geschätzt

Europaweit schätzen 84 Prozent der Familienunternehmen externe Manager als vorteilhaft für die Geschäfte ein. Folglich gibt es bei den befragten Unternehmen auch deutlich mehr familienfremde Manager (76 Prozent) in Europa als in Deutschland (57 Prozent). Gefragt nach den zwei wichtigsten Eigenschaften, die familienfremde Manager einbringen könnten, antworteten deutsche Familienunternehmen eher zurückhaltend. Nur etwa jedes vierte deutsche Unternehmen (28 Prozent) gab an, dass die externe Expertise und zusätzliches Wissen der Manager von Nutzen sein könnte. In den Augen von 22 Prozent können externe Manager helfen, das Unternehmen zu professionalisieren. Zehn Prozent sehen einen möglichen Vorteil darin, dass sich die Familienmitglieder stärker auf strategische Fragen konzentrieren können. Die Familienunternehmen in Europa werten die wichtigsten Vorteile externer Manager in der gleichen Reihenfolge, stimmen den jeweiligen Aussagen aber mit 57 Prozent (externes Wissen), 43 Prozent (Professionalisierung des Unternehmens) und 17 Prozent (Konzentration auf Strategie) zu.

Gefahr von Konflikten zwischen Manager und Familie

Mehr als doppelt so häufig wie Vorteile wurden von den deutschen Familienunternehmen dagegen Risiken genannt, die sie mit Führungskräften von außerhalb assoziieren. Gefragt nach den zwei größten Risiken, sehen 39 Prozent der Familienunternehmen in Deutschland die Gefahr von Konflikten zwischen externen Managern und der Nachfolgegeneration. Ein Drittel fürchtet den Verlust persönlicher Verbundenheit zum Unternehmen. Ein Viertel nannte den Verlust von Kontrolle als kritisch. Europa gewichtet die Risiken anders: Der Mangel an geteilten Werten und Visionen (31 Prozent) wird häufiger als Gefahr gewertet als der Kontrollverlust für die Familie (28 Prozent). Die Gefahr von Konflikten (33 Prozent) wird allerdings ebenfalls von den meisten als Bedrohung Nummer 1 wahrgenommen.

Vertrauen in die nächste Generation

„Diese Skepsis kennen wir aus unserer täglichen Arbeit“, sagt Dr. Christoph Kneip, Bereichsvorstand Familienunternehmen bei KPMG. „Allerdings ist die Einbeziehung familienfremder Manager natürlich auch davon abhängig, von welcher Generation das Unternehmen geführt wird. Bei Firmengründen ist die Skepsis naturgemäß größer als bei Nachfolgegenerationen.“ Insgesamt vertrauten sie aber stark auf die nächste Generation. Für das Fortbestehen und den weiteren Erfolg des Familienunternehmens ist es nach Angabe von 89 Prozent der deutschen Teilnehmer essenziell, die Nachfolgegeneration zu schulen und vorzubereiten.

Dennoch scheinen die Familienunternehmen die Vorteile „frischen Windes“ zu schätzen, so Kneip. „Denn gleichzeitig zeigen sie ja durchaus einen Wunsch nach Erfahrung von außerhalb, indem sie ihre Nachfolger auch anderswo Praxis sammeln lassen.“ 96 Prozent stimmten der Aussage zu, dass externe Erfahrung für die Nachfolgegeneration wertvoll ist, ehe sie Führungsfunktionen übernimmt. Zumindest darin sind sie sich mit ihren europäischen Kollegen einig (96 Prozent Zustimmung). Weitere Ergebnisse des European Family Business Barometer etwa zu der wirtschaftlichen Lage und den Zukunftsaussichten der Familienunternehmen finden Sie auf unserer Themenseite.

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