Basel IV: Der neue Kreditrisikostandardansatz (KSA) | KPMG | DE

Basel IV: Der neue Kreditrisikostandardansatz (KSA)

Basel IV: Der neue Kreditrisikostandardansatz (KSA)

Geänderte Anforderungen aus der Novellierung des Kreditrisikostandardansatzes durch den Basler Ausschuss.

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Im Dezember 2015 veröffentlichte der Basler Ausschuss sein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitung des Kreditrisiko-Standardansatzes (KSA). Der Entwurf sieht eine ganze Reihe von Änderungen im Vergleich zum ersten Konsultationspapier vor. Hintergrund für die Überarbeitung des KSA ist dessen bisher hohe Abhängigkeit von externen Ratings, mangelnde Risikosensitivität sowie veraltete Kalibrierung, fehlende Vergleichbarkeit und Abstimmbarkeit zu den IRBA-Forderungsklassen. Ferner haben viele nationale Wahlrechte sowie die zum Teil hohe Komplexität z.B. bei der Anwendung von Kreditrisikominderungstechniken (KRMT), die Anwendung und Vergleichbarkeit erschwert.

Die Anwendbarkeit externer Ratings wurde nun zwar nicht abgeschafft, wie zunächst vorgeschlagen, sondern angepasst und um eine sogenannte Due Diligence-Anforderung ergänzt. Diese verpflichtet die Institute, externe Ratings vor Verwendung intern zu validieren. Ferner wurden die Forderungsklassenzuordnung angepasst, Vereinfachungen des KRMT-Rahmenwerkes vorgenommen und nationale Ermessensspielräume reduziert, um eine bessere Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu erreichen. Die Grundstruktur des KSA wurde dabei insgesamt erhalten. Der KSA ist durch alle Banken anzuwenden, u.a. in Folge der Floor-Regelungen auch für Anwender interner Modelle. Die Wirkung auf die Kapitalanforderungen ist je nach Portfolio / Geschäftsmodell unterschiedlich.

Im Einzelnen werden die Forderungsklassen an die IRBA-Forderungsklassen angeglichen und diverse Risikogewichtsspannen und -ermittlungsmethoden angepasst. Zum Beispiel bei nicht gerateten Instituts-Positionen kann dies eine deutliche Erhöhung der Risikogewichtung zur Folge haben. Weitreichende Veränderungen sind bei der Behandlung von Immobilienfinanzierungen vorgesehen. So soll die Risikogewichtung von einer neuen Form einer Beleihungsquote („Loan-to- value“, LTV) abhängen. Ferner soll unterschieden werden, ob Wohn- und Gewerbeimmobilienkredite hinsichtlich der Rückzahlung von der Bonität des Kreditnehmers oder dem Zahlungsstrom aus der (vermieteten) Immobilie selbst abhängen. Für Spezialfinanzierungen gelten deutlich höhere Risikogewichte als bislang. Eine präferentielle Behandlung von Positionen gegenüber kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) ist ebenfalls auf Baseler Ebene vorgesehen und wird bereits über den Entwurf der CRR II in Europa fortgesetzt bzw. sogar ausgeweitet.

Darüber hinaus werden die anzuwendenden Kreditkonversionsfaktoren gegenüber dem aktuellen KSA verschärft, Risikogewichtszuschläge bei Währungsinkongruenzen für unbesicherte Positionen eingeführt und die Nutzbarkeit interner Haircut-Schätzungen bei der Anwendung von KRMT unterbunden.

Für die Banken ergeben sich aus diesen Änderungen vielfältige Herausforderungen. Diese reichen von Anpassungsbedarfen an Systemen und Rechenmethoden mit teilweise neuen Datenanforderungen bis hin zu veränderten Kreditprozessen und Kapitalanforderungen, die sich u.a. auch durch die Wirkung der Kapitaluntergrenze („Capital Floor“) ergeben können.

Neben einer institutsindividuellen Auswirkungsanalyse insb. zu den sich ändernden Kapitalanforderungen ist auch eine frühzeitige Gap-Analyse insbesondere zu notwendigen prozessualen Anpassungen sinnvoll. Hier stellen die Umsetzung der Due-Diligence-Anforderungen bei Verwendung externer Ratings und die Planung der Verfügbarkeit der erforderlichen Daten in den IT-Systemen und evtl. deren Nacherfassung (z.B. LTV) besondere Herausforderungen dar. Frühzeitig betrachtet werden sollten auch geschäftsstrategische Wirkungen veränderter Kapitalanforderungen auf Produkte, Kunden und Geschäftsfelder, insbesondere auf Immobilienfinanzierungen, Interbankengeschäft, Spezialfinanzierungen, Fremdwährungs- und KMU-Geschäft.

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