Kostenvorteile durch Steuerung von Ausfallrisiken | KPMG | DE

Kostenvorteile durch aktive Steuerung von Ausfallrisiken

Kostenvorteile durch Steuerung von Ausfallrisiken

Die Kosten der Banken für eine höhere Kapitalunterlegung werden tendenziell bei der Preisstellung von Derivaten berücksichtigt.

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Die verschärfte Bankenregulierung seit der Finanzkrise führt für Corporate Treasuries zu dem Risiko, dass sich der Abschluss von Derivaten verteuern kann. Die Kosten der Banken für die höhere Kapitalunterlegung werden tendenziell bei der Preisstellung von Derivaten berücksichtigt. Dennoch sind viele Unternehmen beim Management ihrer Derivate-Portfolios weiterhin als passive Beobachter unterwegs, statt aktiv ihre Verhandlungs- und Risikoposition zu steuern. In diesem Artikel zeigen wir einige Wege und Möglichkeiten auf, wie Corporate Treasuries ihre Absicherungskosten durch das aktive Management von Kreditrisiken aus Derivaten reduzieren können.

Unternehmen fokussieren in der Regel auf die Überwachung des Kontrahentenausfallrisikos nach dem Geschäftsabschluss. Dieses Ausfallrisiko hat natürlich zwei Seiten: Einerseits wird das Ausfallrisiko der Bank vom Unternehmen getragen, andererseits trägt die Bank das Ausfallrisiko des Unternehmens. Bei der Steuerung des Derivate-Portfolios sollten daher beide Seiten betrachtet werden – bereits vor dem Abschluss. Es gibt zahlreiche Wege, die Ausfallrisiken zu reduzieren und dabei Kosten zu sparen. Wir empfehlen die Nutzung von Natural Hedges und einen optimierten Einsatz von Derivaten, nach Bedarf mit Besicherung – in dieser Reihenfolge.

Natural Hedges

Natural Hedging umfasst Risikominderungen, die sich aus der „normalen“ operativen Tätigkeit ergeben. Ein Unternehmen mit wesentlichen Umsatzerlösen in einer von der Hauswährung abweichenden Fremdwährung hat zum Beispiel eine natürliche Währungssicherung durch Verbindlichkeiten in derselben Währung. Durch entsprechende operative Entscheidungen kann neben der Reduktion finanzieller Risiken somit auch das Sicherungsvolumen der Derivate reduziert werden. Operative Sicherungen sind jedoch nicht gleichermaßen flexibel steuerbar wie Sicherungen durch derivative Finanzinstrumente.

Derivate: Kosten-Nutzen, Diversifikation und Kreditauktionen (Credit Auctions)

Richtlinien geben in der Regel eine Absicherung der Marktrisiken auch durch den Einsatz von Derivaten vor. Die praktische Umsetzung sollte aber Kosten (Transaktionskosten, Risikoaufschlag und Marge) und Nutzen berücksichtigen. Es empfiehlt sich zum Beispiel auf die Sicherung unter einem bestimmten Limit zu verzichten und kurzfristige Prolongationen zu vermeiden, um Transaktionskosten zu sparen. Beim nächsten großen Kostenfaktor Risikoaufschlag bringt Diversifikation doppelte Vorteile: Zum einen führt die Einholung mehrerer Angebote durch mehr Wettbewerb generell zu einem besseren Kurs und geringeren Kosten. Dies kann heute standardisiert über Handelsplattformen erfolgen, die stets den Abschluss zum besten Kurs ermöglichen. Zum zweiten lässt sich so das in die Derivate eingepreiste Ausfallrisiko steuern, welches durch die Banken üblicherweise auf Portfoliobasis ermittelt wird. Verbessert das neue Derivat die Portfoliosituation insgesamt (dank eines entgegengesetzten Risikoprofils), kann es sogar zu einem Risikoabschlag statt -aufschlag und damit zu einem besseren Kurs bei der entsprechenden Bank kommen.

Für kreditintensive Swaps mit langer Laufzeit und hohen Volumina können Kreditauktionen (Credit Auctions) eine sinnvolle Maßnahme zur Verbesserung des Pricings sein. Solche Derivate enthalten in der Regel signifikante Aufschläge für das langfristige Kreditrisiko und sind entsprechend teuer. Mithilfe von Kreditauktionen kann die handelnde Bank das Kreditrisiko des Unternehmens an eine dritte Partei veräußern und behält anschließend nur das Marktrisiko. Für das Unternehmen kann dies die Konditionen deutlich verbessern, insbesondere wenn die Potenziale mit den zur Verfügung stehenden Transaktionsbanken bereits ausgereizt sind.

Bilaterale Sicherungsvereinbarungen

Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung von Kontrahentenausfallrisiken ist der Abschluss von bilateralen Sicherungsvereinbarungen (Collaterals) mit den kontrahierenden Banken, etwa als Anhang zum ISDA Master Agreement (CSA, Credit Support Annex) oder Rahmenvertrag für Finanztermingeschäfte (Besicherungsanhang). Hierbei vereinbaren die Kontrahenten einen regelmäßigen Austausch von Bar- oder Wertpapiersicherheiten in Höhe der Marktwerte, ähnlich dem Margining bei clearingpflichtigen Derivaten. Das Ausfallrisiko wird durch die hinterlegten Mittel, meist Cash Collaterals, für beide Seiten minimiert, was auch bei der Preisstellung zu Vorteilen führen kann. Neben dem operativen Risiko aus den regelmäßigen Zahlungen entsteht im Gegenzug jedoch auch ein Liquiditäts- und Zinsrisiko. Diesen Risiken kann durch Freibeträge, Mindesttransferbeträge und längere Zeiträume zwischen den Ausgleichszahlungen begegnet werden. In diesem Falle muss das Unternehmen aber ein gewisses Rest-Ausfallrisiko in seinen Büchern akzeptieren.

Fazit

Marktrisikomanagement durch derivative Finanzinstrumente ist und bleibt ein essenzieller Aufgabenbestandteil des Corporate Treasury Management. Trotz der Vorteile beim Hedging sollten weder Kosten noch Ausfallrisiken außer Acht gelassen werden. Wo die Potenziale von Natural Hedges ausgeschöpft sind und Diversifikation an ihre Grenzen stößt, können alternative Instrumente wie Credit Auctions und Collaterals echte Vorteile bringen – auf der Risiko- und Kostenseite. Die Auswahl der geeigneten Maßnahmen sollte jedoch immer auf Basis einer Kosten-Nutzen-Analyse und unter Verwendung möglichst automatisierter Prozesse und Systeme erfolgen. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 70, August 2017
Autor: Christian Pfeiffer, Manager, Finance Advisory, christianpfeiffer@kpmg.com

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