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Wertewandel

Wertewandel

Wenn die Firma zum Sponsor wird

Es ist das Jahr 2065. Ins Büro kommt man nur, wenn man abschalten und entspannen will. Oder einen Kollegen treffen, von dem man bisher nur den Avatar kennt. Arbeiten tut man überall, nur nicht hier. Die Firma kümmert sich um alles, die Pflege der Eltern, Social Freezing, Digital-Detox-Camp, sie bezahlt den Urlaub und die Versicherungen. Unternehmen werden um Loyalität kämpfen.

Die technische Entwicklung verändert jeden Lebensbereich

Vor 50 Jahren gab es noch kein Mobiltelefon und kein Internet. Die Technologie wird eine noch viel größere Rolle spielen als heute. Fahrzeuge bewegen sich völlig autonom, in jedem Haushalt steht ein 3-D-Drucker, Geräte werden mit Gedanken gesteuert, alle Geräte sind miteinander vernetzt, es gibt ein Abbild der realen Welt im Cyberspace. Wir können auf dem Mars leben und im Weltraum Urlaub machen. Vielleicht leben wir auch mit einem Roboter zusammen, der Gefühle hat. Und das sind noch die weniger revolutionären Prognosen.

Die technische Entwicklung verändert unser Zusammenleben und unsere Arbeitswelt.2065 hat sich die Shareconomy ausgebreitet, ein Wirtschaftsmodell, das auf der gemeinschaftlichen Produktion und Verbreitung von Gütern basiert. Der Staat hat sich aus vielen Bereichen zurückgezogen. Die Menschen leben autark und organisieren sich in kleinen Einheiten. Die Zahl der Selbstständigen ist explodiert. Viele Jobs sind verschwunden, sie wurden durch intelligente Algorithmen ersetzt. Körperlich anstrengende oder monotone Arbeiten erledigen Roboter. In düsteren Szenarien sind sie dem Menschen physisch und geistig überlegen. In harmloseren Varianten sitzen sie zumindest als gleichberechtigte Partner in Vorständen und Aufsichtsräten.

Deutschland ist eine Wissensgesellschaft

Das heißt aber nicht, dass der Mensch überflüssig wird. Er steht im Mittelpunkt der Produktion, als Erfahrungsträger und Entscheider. Durch Medikamente, Implantate und am Körper befestigte Geräte kann der Mensch seine Muskelkraft erhöhen oder seine Sinneswahrnehmung stärken. Der Kampf um gut ausgebildete Mitarbeiter nimmt dramatisch zu.

99 Prozent des Wissens ist neu gegenüber dem von vor fünfzig Jahren. Wissenskapital ist dem Finanzkapital inzwischen gleichgestellt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben das auch die Unternehmen eingesehen. Alle Selbständigen müssen Wissensbilanzen vorlegen, in denen sie nicht nur die materiellen Aktiva, sondern auch immaterielles Kapital bilanzieren.

Der Kampf um gut ausgebildete Mitarbeiter nimmt dramatisch zu.

Machen Computer künftig die Gesetze?

So eine Entwicklung wird auch eine Kehrseite haben. Es gibt Menschen, die von der Unsterblichkeit träumen. In der Tat wird es bald möglich sein, so ziemlich alles zu reproduzieren. Das wird die ethische Debatte befeuern. Es wird mit Sicherheit eine Bremse in der Entwicklung geben: Geld. Ein anderes ungeklärtes Thema sind Rechte. Nehmen wir den 3-D-Drucker. Das fehlende Ersatzteil, der Nachbau einer teuren Designerbrille, alles das kann der heimische Drucker individuell und zur gewünschten Zeit anfertigen.

Doch wie verhält es sich mit dem Waffengesetz, wenn jemand eine Waffe herstellt, dessen Modelldaten der Konstrukteur im Internet veröffentlicht hat. Auch in anderen Bereichen kann es leicht zu Konflikten mit bestehenden Rechten kommen. Dabei kann schon die Reproduktion unscheinbarer Gegenstände zu Schadensersatzforderungen führen, wenn die Rechte Dritter betroffen sind.

Schon vor ein paar Jahren postulierte der amerikanische Rechtswissenschaftler Lawrence Lessig, dass Codes die neuen Gesetze werden. „Der Code regelt. Er implementiert Werte oder nicht. Er ermöglicht Freiheiten oder macht sie unmöglich.“ Auch der Juraprofessor Frank Pasquale glaubt daran, dass Computer-Codes irgendwann juristische Gesetzte ersetzen. „Die Menschen, wie die Dinge, werden algorithmisch prozessiert“, schreibt er in seinem Buch.

Was aussieht wie das neutrale Ergebnis eines computergesteuerten Prozesses, spiegelt in Wahrheit die Werte derjenigen wider, die die Algorithmen programmieren und besitzen. Algorithmen werden entscheiden, welche Partner sich auf Online-Börsen finden, welchen Preis man für einen Flug bezahlt, ob man einen Kredit bekommt. Und irgendwann auch, wo, für wen und wie lange man arbeitet.Die Arbeit wird sich grundlegend verändern. Die Technik wird eine große Rolle spielen, Menschen werden als Erfahrungsträger und Entscheider weiterhin gebraucht. Nur im Büro werden sie immer seltener auftauchen.