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Ich sehe was, was Du nicht siehst

Keyfacts über Compliance

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Unternehmen fürchten Denunziantenkultur • Korruption verursacht Finanzschäden • Schutz durch anonyme Hinweisgebersysteme

Firmen, die ihren Mitarbeitern ermöglichen, anonyme Hinweise auf Fehlverhalten zu geben, haben bessere Chancen, Schaden von ihrem Unternehmen abzuwenden. Dennoch zögern viele, entsprechende Angebote einzurichten.

Korruption verursacht in den EU-Mitgliedsländern jedes Jahr einen Schaden von 120 Milliarden Euro, schätzt die Europäische Kommission. Seit einigen Jahren beschäftigen sich die Unternehmen auch hierzulande intensiv mit Compliance. Gerade im Bereich Korruptionsprävention zeigt sich, wie wichtig eine kontinuierliche Überwachung und Verbesserung der vorhandenen Prozesse und Maßnahmen ist. Denn seien sie noch so gut konzipiert und implementiert, die Erfahrung zeigt, dass auch sehr gute Kontrollen ausgehebelt werden können. Die Täter lernen mit und verstehen es, Gelegenheiten zu nutzen.

Umso wichtiger ist es, dass Schwachstellen so früh wie möglich erkannt werden. Unternehmen mindern Risiken, wenn sie ihren Mitarbeitern ermöglichen, anonyme Hinweise auf Fehlverhalten zu geben – sei es durch organisationsinterne Hinweisgeberkanäle oder durch externe Ombudsmann-Stellen. Nach Aufdeckung und Klärung des Sachverhalts können sie sich der Verbesserung der vorhandenen Strukturen widmen.

120 Mrd. Euro verursachen Korruptionsschäden in den EU-Mitgliedsländern jedes Jahr.

Held oder Spitzel?

Obwohl die Logik und das ökonomische Kalkül bestechend sind, zögern viele Unternehmen, entsprechende Angebote für ihre Mitarbeiter einzurichten. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen befürchten eine Kultur des Denunziantentums zu schaffen. Nicht selten ist eine regelrechte Abwehrhaltung zu beobachten.

Es geht aber nicht nur um Korruption. Auch andere Themen können Unternehmen bis in die Grundfesten erschüttern und hohen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Von der Reputation ganz zu schweigen. Man denke hier nur an hohe Kartellbußen, zunehmende Relevanz der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung oder die Presseberichterstattung über den Verlust oder Missbrauch sensibler Daten.

Entsprechend können Organe und Führungskräfte, vor allem von kleineren und mittleren Unternehmen, nur dazu ermutigt werden, Hinweisgebermöglichkeiten zu schaffen. Dies bedeutet ein „Ja“ zum Schutz des eigenen Unternehmens. Neben internen Modellen – wie einer Hotline oder einem E-Mail-Postfach– gibt es eine Reihe von externen Anbietern, die zuverlässige und anonyme Hinweisgebersysteme garantieren. Die müssen dann in die Compliancestrategie des Unternehmens eingebettet werden.

Die Strategie muss stimmen

Alle Mitarbeiter müssen intensiv mit den Unternehmenswerten vertraut gemacht werden durch Schulungen, die eine Sensibilisierung für Fraud-Risiken, rechtliche Aspekte und die Abgrenzung von „richtig“ und „falsch“ vermitteln. Außerordentlich wichtig ist, dass die Mitarbeiter ermutigt werden, Hinweise auf Fehlverhalten zu geben.

Dazu gehört auch die glaubhafte Garantie des Unternehmens an den Hinweisgeber, mit keinen nachteiligen Konsequenzen rechnen zu müssen. Das wäre ja paradox: Ein pflichtbewusster Vertriebsmitarbeiter deckt einen Kartellrechtsverstoß auf, worauf das Unternehmen durch die Inanspruchnahme der Kronzeugenregelung einer millionenschweren Geldbuße entgeht. Beruflich fasst der Mitarbeiter aber keinen Fuß mehr, seine Karrierechancen sind dahin. Möglicherweise ist ihm das Arbeiten in der Abteilung gar nicht mehr zuzumuten. Der Mitarbeiter steht vor den Scherben seiner guten Tat.

Die Sorge um die Förderung von Denunziantentum kann zerstreut werden. Hinweise, die nur dafür gedacht sind, missliebige Kolleginnen oder Kollegen anzuschwärzen, halten einer Prüfung selten stand. Jeder Hinweis muss harten, auch juristischen, Kriterien genügen.

Der Aufwand, tragfähige und diskrete Systeme zu installieren, sollte es jedem Unternehmenslenker wert sein. Schon so mancher große Fraud-Fall ist durch nur einen einzigen Hinweis aufgedeckt worden.

Oft fehlt die Einsicht, dass auskunftsbereite Mitarbeiter Schaden vom Unternehmen abwenden wollen. Dabei wäre diese so wichtig, denn neben der Korruption gibt es eine Vielzahl anderer Missstände, die ein Unternehmen nachhaltig beschädigen können, wenn sie ungemeldet bleiben.