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Steuerliche Fallstricke, die mit einem Wegzug aus Deutschland verbunden sein können

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Es hatte doch alles so gut geklappt. Die neue interessante berufliche Herausforderung in den USA hatte sich durch einen sehr glücklichen Zufall aufgetan, das Eigenheim war verkauft, der Haushalt in Deutschland aufgelöst. Dem langersehnten Traum ein neues Leben auf amerikanischen Boden zu starten, stand eigentlich nichts mehr im Wege. Bis Herr Klaus mit seinem Steuerberater sprach. Sein Vater hatte seinen Geschwistern und ihm bereits vor fünf Jahren die Anteile am Unternehmen der Familie vorsorglich übertragen. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern hatte Herr Klaus beruflich einen anderen Werdegang eingeschlagen und keine Position in dem Familienunternehmen eingenommen. Sein Steuerberater teilte ihm nun mit, dass aufgrund seines Umzugs Wegzugsteuern zu zahlen seien. Steuern auf einen fiktiven Veräußerungsgewinn seiner Gesellschaftsanteile, die er gar nicht veräußert hat und dies auch nicht plant?

Haben Sie von solch einer Situation schon einmal aus Ihrem Bekanntenkreis gehört? Oder spielen Sie selber mit dem Gedanken Ihren Lebensmittelpunkt ins Ausland zu verlegen? Vielleicht aus persönlich Gründen, um beispielswiese Ihren Lebensabend unter der mediterranen Sonne zu verbringen? Vielleicht haben Sie aber auch Ihren Kindern frühzeitig Anteile am Familienunternehmen übertragen und nun beabsichtigt Ihr Nachwuchs, im Rahmen seiner Ausbildung vorübergehend ins Ausland zu gehen oder gar nach dem Studium dort zu bleiben?

Neben den organisatorischen Hürden, die der Gang ins Ausland mit sich zieht, sollten sich insbesondere

  • Unternehmer, die erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut,
  • Nachfolger, die Anteile an einem Familienunternehmen übernommen, oder
  • Personen, die eine wesentliche Beteiligung an einer Gesellschaft erworben haben,

steuerlich gut beraten lassen, um unschönen Überraschungen entgegenzuwirken.

Regelungen zur Wegzugsbesteuerung

Wegzugbesteuerung ist das Stichwort, das in den vorgenannten Situationen leider allzu häufig vergessen wird.

Sofern ein Steuerpflichtiger Anteile von mindestens 1 % an einer in- oder ausländischen Kapitalgesellschaft hält und er nach mindestens zehnjähriger Ansässigkeit in Deutschland ins Ausland zieht, gelten die Anteile aus Sicht des deutschen Fiskus als zum Verkehrswert verkauft. Und wie bei einem tatsächlichen Verkauf, wird eine Einkommensteuer auf den fiktiv erzielten Gewinn festgesetzt.

Zu einer solchen Rechtsfolge kann es auch bei einer Beteiligung an einer Personengesellschaft kommen. Voraussetzung hierfür ist, dass sich durch den Wegzug das Besteuerungsrecht nach dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen auf den ausländischen Wohnsitzstaat verlagert.

Darüber hinaus spielt die Wahl des neuen Heimatortes eine wichtige Rolle. Sofern der Wohnsitz innerhalb des EU-/EWR-Gebiets bleibt, wird diese Steuer grundsätzlich zinslos und unbefristet bis zum Zeitpunkt einer tatsächlichen Anteilsveräußerung gestundet. Dennoch ist diese Stundung mit erheblichen formalen Anforderungen belastet und befreit nicht von Steuererklärungspflichten in Deutschland.

Bei Wegzug in Drittstaaten (z.B. Schweiz oder USA) hingegen ist die Steuer im Grundsatz sofort zur Zahlung fällig. Abhilfe kann unter diesen Umständen häufig nur eine Rückkehr nach Deutschland innerhalb bestimmter Fristen schaffen, verbunden mit der Glaubhaftmachung, dass die Abwesenheit von vornherein nur vorübergehend geplant war.

Bemessungsgrundlage für die Besteuerung ist der fiktive Veräußerungsgewinn. Um diesen zu ermittelt ist eine Unternehmensbewertung vorzunehmen und der anteilige Wert den jeweiligen Anschaffungskosten gegenüberzustellen.

Idealerweise sollte versucht werden, das Auslösen der Wegzugsbesteuerung bereits im Vorfeld durch eine sorgfältige Planung und Umstrukturierungsmaßnahmen im Rahmen des Möglichen zu vermeiden. Doch gibt es auch Situationen, in denen es Sinn macht, ganz bewusst eine Art „Schlussbesteuerung“ in Deutschland im Wegzugszeitpunkt auszulösen, um künftige Wertsteigerungen einer günstigeren Besteuerung im Zuzugsstaat zu unterwerfen.

Vermeidung von strafrechtlichen Risiken

Damit ein Wegzug aus Deutschland steuerlich anerkannt und steuerfrei gestellt wird, müssen strenge Anforderungen erfüllt sein; auch müssen Sie den Wegzug innerhalb eines Monats beim Finanzamt erklären und u.a. in den Folgejahren jährlich melden, dass Sie weiterhin Eigentümer der Anteile sind. Sind Sie darauf nicht vorbereitet, ist ein Steuerstrafverfahren nicht fern.

Weitere Überlegungen zur Steuerplanung

Ein Wegzug aus Deutschland hat natürlich Auswirkungen auf Ihre laufenden persönlichen Steuern. Darüber hinaus sind aber auch die Folgen eines Wegzugs auf die potentielle Belastung Ihres Vermögens mit Erbschaft- und Schenkungsteuer zu berücksichtigen. Auch können Sie in einzelnen Fällen nach dem Recht Ihres neuen Wohnsitzstaates mit sehr umfangreichen Steuererklärungspflichten rechnen, die bis auf Unternehmensebene durchgreifen, weil zum Beispiel der gesamte Beteiligungsbesitz des Unternehmens und dessen Erträge nach ausländischem Recht zu erklären sind, so z.B. in den USA.

Daher sollten Sie sich vor einem geplanten Wegzug insbesondere mit folgenden Fragestellungen auseinandersetzen:

  • Welche steuerlichen Pflichten ergeben sich im Zuzugsstaat für mich?
  • In welchem Umfang bleiben Einkünfte aus inländischen Quellen in Deutschland auch nach einem Wegzug einkommensteuerpflichtig? Welche Erklärungspflichten bestehen?
  • Wie kann sich die Zusammensetzung meines Vermögens (Beteiligungen, Wertpapiere, Grundbesitz, Renten) auf meine nachlaufende Einkommensteuerpflicht in Deutschland auswirken?
  • Wie wirkt sich der Wegzug auf die erbschaft- und schenkungsteuerliche Situation aus? In welchem Umfang kann auch nach dem Wegzug eine Steuerpflicht in Deutschland greifen? Welche Fristen habe ich dabei zu beachten?
  • Welchen Zeitwert hat meine Beteiligung, welcher fiktive Veräußerungsgewinn ergibt sich?
  • Spielt meine Staatsangehörigkeit im Einzelfall eine Rolle für die Besteuerung?

Unser Service und Ihre Vorteile

Unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Zielsetzungen und der steuerlichen Implikationen entwickeln wir zusammen mit Ihnen eine auf Ihre Verhältnisse maßgeschneiderte Lösung. Hierzu analysieren wir in Zusammenarbeit mit Ihnen Ihre individuelle steuerliche Situation sowohl im Hinblick auf die anlässlich des Wegzugs ausgelösten steuerlichen Folgen als auch in Bezug auf Ihre steuerliche Situation nach Wohnsitzwechsel in den angestrebten Zuzugsstaat.

Gerne vergleichen wir für Sie auch verschiedene potentielle Zuzugsländer. Dabei werden wir bei Bedarf von Experten aller Fachrichtungen aus unserem internationalen KPMG-Netzwerk unterstützt.

Zudem prüfen wir für Sie Möglichkeiten einer Umstrukturierung auf Gesellschaftsebene, durch welche Sie eine Wegzugsbesteuerung gegebenenfalls vermeiden können. In Abhängigkeit von Ihren persönlichen Zielen und dem konkreten Zuzugsstaat kann dieses Ergebnis unter Umständen auch durch eine sorgfältige Wohnsitzplanung erreicht werden.

Bleibt der Besteuerungstatbestand bestehen, können wir für Sie die Bewertung der Beteiligung nach anerkannten Bewertungsverfahren vornehmen, den fiktiven Veräußerungsgewinn ermitteln und die erforderliche Dokumentation für das Finanzamt vorbereiten.

Wir geben Ihnen die nötige Planungssicherheit für Ihre Entscheidung – und klare Handlungsempfehlungen für die praktische Umsetzung. 

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