Szenarien von Übermorgen: Die Glückssucher | KPMG | DE
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Zukunftsforschung

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Szenarien von Übermorgen: Die Glückssucher

Keyfacts über Zukunftsforschung

Zukunftsforschung

Das Glückssucher-Szenario ist eine mögliche Arbeitswelt von morgen • Altruismus ist vorherrschend und wird entsprechend gefördert • Persönlichkeitsentwicklung muss vor Personalentwicklung

In einem gemeinsamen Projekt von KPMG, SOS Kinderdörfer Global Partner, Foresight Solutions und dem TÜV Rheinland haben Zukunftsforscher die Gesellschaft der Glückssucher als Szenario der Arbeitswelt des Jahres 2035 kreiert.

2035 suchen alle Menschen in einer nie dagewesenen gesellschaftlichen Größenordnung nach dem Glück in einer vergleichsweise analogen Arbeitswelt.

Ende des Digital-Hype

Moderne Technologien werden dort eingesetzt, wo sie für Gesundheit und Wohlbefinden förderlich sind. Über diese Notwendigkeit hinausgehend besitzen sie keinen Selbstzweck mehr. Die Gesellschaft definiert sich nicht mehr über BIP und Technologie, sondern über den persönlichen, intellektuellen und spirituellen Wohlstand ihrer Bürger.

Die Bedürfnisse einer Gesellschaft, die sich vorrangig der Selbstverwirklichung verschrieben hat, werden von entsprechenden Dienstleistungen bedient. Für den Entrepreneur sind Selbstverwirklichung und Arbeit kein Widerspruch. Deshalb blüht in diesem Szenario die Entrepreneur-Szene. Unternehmen, die keinen Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften leiden möchten, stärken das Prinzip Eigenverantwortung. Gruppen, Projektteams, Abteilungen und Sparten managen sich weitgehend selbst.

Gesellschaft der Altruisten

Verwirklichung findet das aufgeklärte Individuum im Tun für andere. Weitsichtige Arbeitgeber lassen dafür Freiräume. Ehrenamtlich engagierter Mitarbeiter müssen weder kollegiale noch disziplinarische Sanktionen fürchten. Engagement wird nicht nur geduldet, sondern geradezu gefördert, denn wer sich sozial einsetzt und dafür den Freiraum bekommt, fühlt sich wohl und bleibt. Diese heute noch utopisch anmutende Toleranz setzt sich auch bei Partnerschaften fort.

75% der Deutschen zählen Selbstbestimmung und Individualität zu ihren wichtigsten Lebenszielen.

Individuation und Toleranz

Eine Gesellschaft, die möchte, dass sich ihre Mitglieder frei entfalten, fördert sämtliche partnerschaftliche Lebensformen von der Klein- und Großfamilie über die Patchwork- und Regenbogen- bis hin zur Ein-Eltern-Familie. Damit beschreibt dieses Szenario ein exotisch anmutendes Zeitalter der Toleranz und sozialen Harmonie. Überlegungen aus der Theorie der Kondratjew-Zyklen unterstützen dies. Demnach werden die kurzen Konjunkturzyklen durch längere Wellen überlagert, die über 40 bis 60 Jahre laufen. Seit circa 1990 erleben wir den fünften Kondratjew-Zyklus, der durch eine stürmische Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie gekennzeichnet ist. Für den sechsten Kondratjew-Zyklus erwarten einige Forscher eine Welle der Nachhaltigkeit, Spiritualität, Lebensqualität und sozialen Harmonie. Allerdings geht einer neuen langen Welle üblicherweise der Kollaps des alten sozio-ökonomischen Paradigmas voraus.

Beunruhigende schwache Signale

Immer mehr Young Potentials äußern sich in Trainee- und Nachwuchsförderungsgesprächen dahingehend, sich nicht zum „Sklaven der Karriere“ machen zu wollen. Sie verweigern sich einem wahrgenommenen Widerspruch zwischen Unternehmenszielen und persönlicher Entwicklung. Explizit kommt das zum Beispiel in einer heute noch existierenden Etikettierung zum Ausdruck: Viele Unternehmen haben eine „Personalentwicklung“. In kaum einem Unternehmen wird jedoch von „Persönlichkeitsentwicklung“ gesprochen. Das Problem an dieser Einstellung ist ihre Massenträgheit. So eine implizite Strategie ändert man nicht mal eben rasch, bloß weil sich die Signale für das Glückssucher-Szenario mehren. Dieser Paradigmenwechsel im Führungs- und Selbstverständnis des Managements und die entsprechende Transformation der Werte und geheimen Spielregeln werden Jahre in Anspruch nehmen. Einige Vordenker haben diesen Schritt bereits gemacht.

Manager im Kloster

Während Angebote wie Manager Retreats und Schweige-Seminare vor Jahren noch Privatsache von Führungskräften waren, profilieren sich einige wenige zukunftsorientierte Personalabteilungen schon heute als Kompetenzträger für die persönliche Entfaltung der Mitarbeiter und Manager. Natürlich macht der Konzern entsprechende Angebote nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern auch, weil solche Veranstaltungen die Leistungsfähigkeit, die persönliche Reife und damit die Firmentreue der teilnehmenden Führungskräfte weitaus stärker fördern als herkömmliche Bildungsveranstaltungen.

Szenarieren Sie!

Die Zukunft in 20 Jahren ist ex definitionem weit hergeholt, damit wird sie zum Greifen nah – und zum Managen. Das gelingt nur mit dezidierten und detaillierten Szenarien, die spezifische auf die Gegebenheiten Ihres Unternehmens eingestellt sind.