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Pflege bleibt eine Herkulesaufgabe

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Wie Deutschland die Versorgungslücke verkleinern kann

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Machen wir uns nichts vor: Wir werden alle alt. Damit wir das in Würde tun können, abgesichert und gut versorgt, hat der Gesetzgeber 1995 die Pflegeversicherung eingeführt. Der demographische Wandel führt dazu, dass immer mehr Menschen in Deutschland künftig Pflege benötigen werden. Dabei zeigt sich schmerzlich, dass die Zahl der Bedürftigen stetig steigt, während die Zahl der Menschen abnimmt, die in der Pflege tätig sind.

Nennen wir das Kind beim Namen: Deutschland fehlt es an professionellen Pflegekräften – die sogenannte Versorgungslücke klafft weit, der Markt ist leergefegt. Das Phänomen ist bekannt, nur lässt sich kaum etwas daran ändern. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Jobs sind zu schlecht bezahlt, die Arbeitsbedingungen teilweise sehr herausfordernd und die soziale Anerkennung bleibt oft aus. Diese Tatsache allein stellt die Akteure schon vor enorme Herausforderungen: Pflegeheimbetreiber, ambulante Pflegedienste, Immobilien- und Wohnungswirtschaft und Kommunen – sie alle müssen sich auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen. Dazu kommt der Umstand expansiver staatlicher Regulierung im Pflegesektor.

Nach der Reform ist vor der Reform

Über die Jahrzehnte hat der Gesetzgeber immer wieder Anpassungen vorgenommen, versucht die Defizite des Systems zu korrigieren. Die Fülle an Vorschriften, Verordnungen und Gesetzen lässt wenig Spielraum für freie unternehmerische Entscheidungen. Die Pflegeversicherung hat mit den Pflegestärkungsgesetzen I bis III in der jüngsten Vergangenheit viele Neuerungen erfahren. Ambulant vor stationär – das ist die große Leitlinie der jüngsten Reformgesetze. Was heißt das genau? Der Grundsatz spiegelt zum einen den überwiegenden Wunsch der Bevölkerung nach Betreuung in den eigenen vier Wänden wider. Zum anderen lassen sich zivilgesellschaftliches Engagement und Angehörigenpflege deutlich besser in ein ambulantes Setting integrieren als in stationäre Versorgungsformen.

Der Trend zur Ambulantisierung führt dazu, dass sich Anbieter rein stationärer Angebote umorientieren müssen. Aber nicht nur das. Mit den Pflegestärkungsgesetzen ergeben sich Chancen für Akteure aus der Immobilien- und Wohnungswirtschaft. So wächst beispielweise die Zahl ambulanter Wohnformen, in denen Pflege- und Betreuungsleistungen erbracht werden. Dabei kristallisieren sich neue Kooperationen zwischen Wohnungs- und Sozialwirtschaft heraus. Die neuen Bündnisse sind sinnvoll, denn der stetige Wandel der sozialrechtlichen Rahmenbedingungen auf Landes- und Bundesebene stellt hohe Anforderungen an Planung und vertraglicher Ausgestaltung solcher Projekte. Wer hier nachhaltig wirken will, muss funktionierende Netzwerke aufbauen.

Neue Konzepte und Kooperationen für gepflegtes Wohnen

Die konsequente Umsetzung von „ambulant vor stationär“ hat bereits kommunale Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften auf den Plan gerufen. Für die Pflegebedürftigen geht es um Selbstbestimmung. Für die Wohnungswirtschaft darum, bedarfsgerechte Strukturen für das Alter zu ermöglichen. Dazu gehören auch betreute Wohngemeinschaften. In der vertrauten Umgebung zu bleiben, ist für viele Pflegebedürftige und deren Angehörige enorm wichtig. Ein richtiger Schritt zu mehr Lebensqualität bis ins hohe Alter.

Um diese Voraussetzungen zu schaffen, müssen Wohnungen und Quartiere künftig neu geplant und umgesetzt werden. Stichwort: mitalternde Wohnquartiere. Dabei geht es um bauliche Maßnahmen, technische Lösungen und Anbindung an Dienstleistungsnetzwerke rund um das Thema Pflege und Betreuung. Nur durch intensive regionale Allianzen und Kooperationsstrukturen zwischen Pflege- und Gesundheitsdienstleistern sowie Wohnungsbauunternehmen können innovative Lösungen Einzug halten. Wenn diese dann auch noch überregional ausstrahlen, dann ist allen geholfen. Dafür braucht es natürlich auch die entsprechenden finanziellen Mittel auf Investorenseite, die mit guten Ideen vor allem die Banken von ihren Projekten überzeugen müssen.

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