Strategien zur Sicherung von Dividenden aus fremden Währungsräumen

Sicherung von Dividenden aus fremden Währungsräumen

In der Regel werden Vermögenswerte in ausländischem Währungsraum angelegt und dienen dort eine gewisse Zeit dem Unternehmenszweck.

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Investitionen in ausländische Geschäftsbetriebe werden aus unterschiedlichen Gründen eingegangen. In der Regel werden Vermögenswerte in ausländischem Währungsraum angelegt und dienen dort eine gewisse Zeit dem Unternehmenszweck.

In der ökonomischen Sichtweise des Treasurys bestehen diese Vorgänge in der Regel als Investition in einen ausländischen Währungsraum. Vereinfacht ausgedrückt kommt es nach einer Anfangsauszahlung (gegebenenfalls in Fremdwährung) entweder zu einem kontinuierlichen Mittelzufluss in Fremdwährung (beispielsweise direkt in Form von Zahlungen der Beteiligungserträge) oder zu einem Wertaufbau, der in der Zukunft im Rahmen eines Verkaufs zu einen einmaligen Mittelzufluss (der Kaufpreiszahlung) führt. Die daraus resultierenden Währungsrisiken werden häufig als Translationsrisiken beschrieben, denen ab einem gewissen Zeitpunkt (beispielsweise dem Dividendenbeschluss oder im anderen Fall bei der Festlegung eines Verkaufspreises) auch ein Transaktionscharakter zugebilligt wird.

Bilanziell führen diese Transaktionen ab der Entstehung des vertraglichen Anspruchs auf das Geld in einer anderen Währung (Dividendenbeschluss bzw. Erfassung der Kaufpreisforderung) zu einem Währungsrisiko, welches dann mit der Zahlung und Konvertierung der Fremdwährung in die Basiswährung beendet wird. Mit der Brille des Risikomanagements betrachtet, handelt es sich dementgegen bereits dann um Risiken, wenn klar wird, dass die Mittel dem Währungsraum wieder entzogen werden sollen. Dieser Zeitpunkt kann deutlich früher, beispielsweise auch bereits zu Beginn des Investments oder mit der Planung der Dividendenstrategie, eintreten.

Häufig entsteht daher im Treasury der Wunsch, die daraus entstehenden Währungsrisiken auch bereits zu diesem früheren Zeitpunkt mithilfe von Derivaten zu sichern. Dabei sind Konzerne in der Regel der Herausforderung ausgesetzt, die gleiche ökonomische Risikomanagement-Strategie einmal für einen handelsrechtlichen Einzelabschluss und einmal für einen IFRS-Konzernabschluss so umzusetzen, dass die P&L keinen unkontrollierbaren Schwankungen ausgesetzt wird. In diesem Zusammenhang sind in den IFRS und im Handelsrecht unterschiedliche Prinzipen entwickelt worden, um diese Sachverhalte entweder als Hedge Accounting oder als Bewertungseinheit abzubilden. Mitunter sind die Regelungen auch etwas konträr zueinander, wie folgende Punkte verdeutlichen:

Nach IFRS sind Dividenden keine zulässigen Grundgeschäfte, während Investitionen in einen ausländischen Geschäftsbetrieb über einen Hedge of a Net Investment (HoNI) sehr leicht in ein Hedge Accounting überführt werden können. Darüber hinaus muss zukünftig (IFRS 9) der designierte Sicherungszweck auch dem ökonomischen Sicherungszweck entsprechen. Nach Handelsrecht sind hingegen Dividenden potenziell zulässige Grundgeschäfte, die Sicherung von Beteiligungsbuchwerten hingegen ist in der Regel ausgeschlossen. Gleichzeitig müssen die erwarteten Grundgeschäfte für beide Rechnungslegungsmethoden hoch wahrscheinlich sein. Dieser Nachweis ist bei Dividenden über einen gewissen Zeitraum in die Zukunft hinweg und bei manchen Verkaufsüberlegungen schwer zu erbringen.

Die ökonomisch einfach darstellbaren Risiken können daher zwar oft problemlos über Derivate gesichert werden, für die Rechnungslegung muss man in der Regel allerdings Abstriche hinnehmen. Über die letzten Jahre haben wir allerdings für viele derartige Aufgabenstellungen praktikable Lösungen entwickelt:

Ein Unternehmenswert in Fremdwährung, der in den kommenden drei Jahren über Dividende entzogen werden soll, kann beispielsweise mittels dreier Derivate unter IFRS über einen HoNI gesichert werden. Zwar erreicht man nicht das Ziel, dass die Dividende zum Sicherungskurs vereinnahmt werden kann, aber man kann die Bewertungseffekte des Derivats ergebnisneutral abbilden. Da für den handelsrechtlichen Abschluss grundsätzlich eine andere Interpretation des Risikos designiert werden kann, bieten sich hier drei Bewertungseinheiten auf die geplante Dividendenzahlung als Grundgeschäfte an.

Das Treasury bildet in der Regel den gesamten Geschäftsprozess in umgekehrter Richtung als Zahlungsstrom ab. Das Gleiche gilt allerdings auch für die strategischen Unternehmensentscheidungen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass auch solche Zahlungsströme in die Risikomanagementstrategie mit aufgenommen werden und bilanziell verursachungsgerecht abgebildet werden. Obwohl die Regelungen hier je nach Bilanzierungsstandard ganz unterschiedlich ausfallen, gibt es in der Regel eine Lösung, die zumindest die wichtigsten Ziele erreicht.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 68, Juni 2017
Autor: Felix Wacker-Kijewski, Manager, Finance Advisory, fwackerkijewski@kpmg.com

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