Licht in das Dunkel der Auslandszahlungen mit SWIFT GPI | KPMG | DE

Licht in das Dunkel der Auslandszahlungen mit SWIFT GPI

Licht in das Dunkel der Auslandszahlungen mit SWIFT GPI

Treasury 4.0

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Die Zeit, die ein Internetnutzer bereit ist zu warten bis eine Webseite lädt, beträgt nur wenige Sekunden. Zahlungen über PayPal erfolgen in Echtzeit. Per Twitter erfahren wir innerhalb von Sekunden von Ereignissen am anderen Ende der Welt.

Möchten wir etwas kaufen, haben aber keine Zeit in die Stadt zu fahren, genügen ein paar Klicks im Internet und je nach Versandoption liegt das Paket am Abend vor der Haustür. Kommt die Ware aus Übersee, können wir live verfolgen, wo sie sich auf dem Weg befindet. Wir bewegen uns in einer Welt der Echtzeit, der unmittelbaren Verfügbarkeit.

Und im Zahlungsverkehr? Dort akzeptieren wir, dass insbesondere bei Auslandszahlungen das Geld über Tage unterwegs und dabei weder nachvollziehbar ist, wo es sich gerade befindet noch welche Berechtigung die teilweise absurd hohen Gebühren haben.

Dass dies so nicht zukunftsfähig ist, bedarf keiner weiteren Diskussion.

Nur, wie wird der internationale Zahlungsverkehr der Zukunft aussehen? Sind Auslandszahlungen in Echtzeit vielleicht heute doch schon Realität? Wie wird sich die Ausführung von internationalen Zahlungen bei Banken und Unternehmen weltweit verändern und welche Vorteile bieten sich hierdurch im Treasury?

Am Beispiel der Initiative „Global Payments Innovation“, kurz GPI, von SWIFT wollen wir betrachten, welche aktuellen Entwicklungen sich derzeit zeigen und was die Zukunft verspricht.

SWIFT GPI – Überblick

Seit SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) Ende 2015 mit der “Global Payments Innovation” einen neuen Service zur Verbesserung und Beschleunigung des internationalen Zahlungsverkehrs ankündigte, war das Interesse bei Banken und Unternehmen groß, denn SWIFT verspricht damit eine signifikante Verbesserung im Korrespondenzbankengeschäft sowie in der Ausführung und Abwicklung von Cross-Border-Zahlungen.

Mit dem Launch des Dienstes im Februar 2017 waren bereits 12 Banken an GPI angeschlossen und 30 weitere Banken hatten mit entsprechenden Implementierungsprojekten begonnen. Inzwischen sind fast 100 Banken in 224 Ländern an GPI beteiligt, was ungefähr einem Anteil von 75% aller Cross-Border-Zahlungen entspricht. Rund die Hälfte der Teilnehmer befindet sich im EMEA-Raum, 20% im amerikanischen und knapp 30% im asiatischen Raum.

Um an der GPI-Initiative teilnehmen zu können, müssen sich Unternehmen und Banken bei SWIFT für den Dienst registrieren. Das GPI-Konzept sieht vor, dass beteiligte Banken mittels eines SLA-Regelwerkes auf spezielle Produkte zugreifen und miteinander kommunizieren können. Die eigens dafür definierten Service-Levels schaffen neue Möglichkeiten, den internationalen Zahlungsverkehr schneller und transparenter abzuwickeln. Mittels des sogenannten „SLA-Observers“ wird die Einhaltung dieser SLAs permanent zentral überwacht.

Timeline und Phasen

Was bisher geschah: 2015 wurde die GPI-Initiative seitens SWIFT erstmals angekündigt. Es folgten die Vermarktung, eine Vorstellung einer Pilotversion auf der SIBOS in Singapur, die anschließende Pilotphase und die Definition einer strategischen Roadmap in 2016. Seit Februar 2017 ist der Dienst in seiner ersten Phase live. Er umfasst die taggleiche Verfügbarkeit von Kapital ­- sofern sich der GPI-Partner in der gleichen Zeitzone befindet, ­- die Transparenz über anfallende Gebühren, ein End-to-end Tracking der Zahlungen, sowie die gesicherte, unveränderte Übertragung wichtiger Zahlungsinformationen (Remittance-Information).

In naher Zukunft wird eine zweite Phase - ­ die sogenannte digitale Transformation ­- folgen. Sie soll unter anderem eine Zahlungsstornierung an einer beliebigen Stelle entlang des Pfades über die Korrespondenzbanken ermöglichen. Darüber hinaus soll der Transfer angereicherter Zahlungsinformationen ermöglicht werden, um Compliance-Checks und Abstimmungen anhand zugehöriger Rechnungen automatisiert durchführen zu können. Außerdem soll die Kommunikation der Teilnehmer in der Cloud verbessert und damit die Fehlerquote bei der Generierung von Zahlungen hinsichtlich verschiedener lokaler Standards bzw. regulatorischer Anforderungen verringert werden.

In einer dritten Phase will SWIFT die Nutzung neuer Technologien wie Blockchain untersuchen und nutzbar machen.

SWIFT GPI im Detail – wo steckt die Innovation?

Die Nachteile der bisherigen Abwicklung von Zahlungen mit Korrespondenzbanken im Ausland liegen vor allem in der verzögerten Ausführung vom Zeitpunkt der Freigabe des Senders bis zur Verbuchung auf dem Empfängerkonto und der mangelnden Transparenz bezüglich der Kosten. Zudem erschwert der oft lange Weg über mehrere Korrespondenzbanken den punktuellen Status-Überblick und das lückenlose Nachverfolgen der Transfers bis zum Eintreffen der Bestätigung beim Sender.

Hier möchte die GPI-Initiative ansetzen und mehr Transparenz durch einheitliche Standards und die Möglichkeit eines permanenten Nachverfolgens (Trackings) von Zahlungen schaffen. Zudem sollen Remittance-Informationen beim Transfer unverändert entlang des Pfades übertragen werden, um so das Abgleichen und Verbuchen der Zahlungen zu erleichtern.

Durch die Nutzung von SWIFT und des dahinterliegenden weltweiten Netzwerks sind zudem Faktoren wie Sicherheit, Stabilität, globale Verfügbarkeit und Compliance gewährleistet.

Da das bisherige Korrespondenzbankmodell für die Banken ­- und letztlich auch deren Kunden ­- durch laufende Aktualisierungen der Last- und Gutschriften nebst sämtlicher Tagesendabrechnungen auf den verschiedenen ausländischen Konten sehr aufwändig und kostenintensiv ist, hat SWIFT in Zusammenarbeit mit führenden Transaktionsbanken zwischenzeitlich eine Machbarkeitsstudie initiiert. Diese soll ermitteln, inwieweit der Einsatz von Blockchain und der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) den Banken helfen könnte, ihre Nostrokonten effizient und gesichert abzugleichen. Durch eigene Blockchains und geschlossene Benutzergruppen sowie streng regulierte Datenzugriffe sollen Kosten und Liquidität beim Abgleich der Nostrokonten optimiert und Risiken reduziert werden.

Bei all dem möchte die Initiative gegenüber den technologischen Markttrends und Standards offen und flexibel bleiben. Beispielsweise ermittelt SWIFT derzeit in einer TaskForce zusammen mit der Payments Market Practice Group (PMPG) Richtlinien zur Sicherstellung der Kompatibilität zum ISO20022 Standard.

Zukünftig soll also eine Zahlung mittels GPI schneller, transparenter und jederzeit nachverfolgbar werden, ohne dabei sicherheitsrelevante Aspekte zu vernachlässigen.

Die Umsetzung der Transparenz und des End-to-end Trackings in Echtzeit sieht hierbei folgendermaßen aus:

Über eine GUI soll dem Kunden jederzeit der Überblick über den aktuellen Status seiner Zahlung ermöglicht werden. Von der Aufgabe beim Sender bis zur Verbuchung beim Empfänger wird jeder Zwischenschritt über die einzelnen Korrespondenzbanken in einer cloud-basierten Tracking-Datenbank aufgezeichnet und in Echtzeit abrufbar gemacht.

Dabei sind Informationen über die beteiligten Institute, Orte, Ankunfts- und Weitergabe-Zeitpunkte, Referenz-IDs sowie individuell anfallende Gebühren realtime verfügbar.

In der Zusammenfassung werden überdies der aktuelle Status, die Gesamtdauer der Abwicklung, die Summe der Gebühren und eine übergreifende Tracking-ID ersichtlich.

Der Tracker kann auch über eine API angebunden werden und so an bestehende Systeme zur Weiterverarbeitung angeschlossen werden. Auf diese Weise können Informationen zum Zahlungsstatus in einem Treasury-Management-System oder Zahlungsverkehrs-System integriert, abgebildet und verwertet werden.

Ein nächster kleiner Schritt in Richtung Treasury 4.0…

Die SWIFT GPI Initiative zeigt einmal mehr, dass sich der Zahlungsverkehr derzeit in Richtung Echtzeitverarbeitung entwickelt. Parallel zu den Entwicklungen im Bereich SEPA Instant Payments, ist auch der länderübergreifende Zahlungsverkehr im Wandel. Der Wunsch nach mehr Transparenz, Effizienz und Schnelligkeit sowie erhöhter Automatisierung bei Abgleichen und Kontoabstimmungen macht auch an Ländergrenzen nicht halt.

Die positiven Auswirkungen insbesondere im Treasury liegen auf der Hand: Verbesserte Lokalisierung der liquiden Mittel und zeitnaher Bestätigungen (Confirmations) durch die Kontrahenten, erhöhte Transparenz der anfallenden Gebühren (und deren zukünftiger Reduzierung!) sowie Effizienzgewinne hinsichtlich schnellerer Verfügbarkeit von Kapital (Stichwort „same-day“) werden möglich. Zudem sinkt das Risiko einer verspätet eintreffenden Zahlung beim Empfänger und damit einhergehender Pönale.

Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund von Cyber-Kriminalität und der gestiegenen Sicherheitsanforderungen im Zahlungsverkehr werden eine verbesserte Transparenz und schnellere Zahlungsbestätigungen sowie auf den neuesten Technologien basierende Sicherheitskonzepte wesentliche Bestandteile der künftigen Entwicklung sein.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 68, Juni 2017
Autor: Tobias Riehle, Manager, Finance Advisory, triehle@kpmg.com

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