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Smart TV: Der Spion in meinem Wohnzimmer

Keyfacts über Datenschutz

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Smart TVs können Datenschutz verletzen • Nutzerverhalten ermöglicht Profilbildung • Risiko durch Internet der Dinge

Über 20 Millionen TV-Geräte in deutschen Haushalten sind bereits internetfähig. All diese Geräte verfügen über Web-Browser und App-Portale. Damit ist Deutschland europaweit Vorreiter. Das Problem: Smart TVs sind echte Datenschleudern.

Die neuen Smart TVs sind keine loyal-verschwiegenen Hausgenossen. Sie übermitteln gewisse Daten auch an Dritte wie TV-Sender oder Google. Aufregung hat zudem die Meldung ausgelöst, das neue Smart TV von Samsung höre nicht nur, was im Fernsehzimmer gesprochen werde, sondern gebe dies auch weiter.

Mit Smart-TVs soll der bislang passive Zuschauer zum aktiven Nutzer werden. Die Fernsehanstalten setzen hierzu vor allem auf diese neue Technologie und versorgen TV-Zuschauer mit zusätzlichen Funktionen und Informationen zum TV-Programm.

Durchsichtiger Konsument: Ich weiß, was Du morgen schaust

Meine Lieblingsserie schaue ich dann, wann es mir passt. Wenn ich auf Reisen bin, gucke ich einfach auf meinem Smartphone oder Tablet weiter. Das ist für mich bequem, bietet aber durch die Kombination mit Standortinformationen weitreichende Möglichkeiten.

Und es wird mehr: Mit den Fernbedienungen von Sony, Panasonic Toshiba und weiteren Anbietern können Nutzer häufig schon direkt auf das Streaming-Programm von Netflix zugreifen. Die Fernbedienungen werden auch in Europa mit Smart TVs, Blu-ray-Playern und Set-Top-Boxen ausgeliefert.

20 Mio. TV-Geräte in deutschen Haushalten sind bereits internetfähig.

Smart TV – die große Datenschleuder

Datenschützer monieren, dass bei der Nutzung von Smart-TVs eine Menge personenbezogener Daten ohne Wissen des Nutzers erhoben werden. Die weitere Verwendung der Daten bleibe unklar. Eine Analyse des Bayerischen Landesamtes für Datenschutz ergab, dass viele Geräte und Apps heimlich Daten senden.

Die versteckten Möglichkeiten liegen in der Vernetzung der Daten und den immer besseren Wegen der Auswertung. Nehmen wir einen Anbieter, der für Smart-TVs ein Mediathek-Angebot zur Verfügung stellt. Gleichzeitig betreibt er auch Apps für das Smartphone und einen Online-Shop. Der Konsument nutzt diese Dienste über ein zentrales Benutzerkonto. Alle Informationen laufen dort zusammen. Tagsüber schaut er Serien. Auf dem Smartphone lädt er sich Apps zu Jobportalen herunter. Und im Online-Shop bestellt er zwei Ratgeber für Bewerbungen.

Gut kombiniert lässt sich daraus ein Profil der betroffenen Person erstellen. Und anhand der eindeutigen Gerätekennung lassen sich Nutzerprofile erstellen, aus denen sich Aussagen über Interessen, das Alter, politische oder religiöse Ansichten und Gesundheitszustand ableiten lassen.

Was, wenn der Fernsehspürhund irrt?

Der Umstand, dass eine Person tagsüber Fernsehen schaut, deutet an, dass sie die Zeit dazu hat. Dass sie Apps für Jobportale für ein Smartphone und Bücher mit Bewerbungstipps kauft, dass sie auf Arbeitssuche ist.

Dieser Kombination kann leicht zu der Annahme führen, dass der Nutzer arbeitslos ist und gegebenenfalls nicht mehr über umfassende finanzielle Ressourcen verfügt. Die Reaktion des Anbieters: Der Kauf auf Rechnung wird dem Betroffenen im Online-Shop nicht mehr ermöglicht. Diese Einschränkung wird an eine Auskunftei weitergeleitet, die für den Nutzer ein höheres Zahlungsausfallrisiko hinterlegt.

In Wirklichkeit ist alles ganz anders: Die Bücher waren für den Sohn, der gerade sein Studium beendet hat und sich auf Jobsuche begibt. Der gesteigerte Fernsehkonsum tagsüber stammte von der Tochter, die sich mit einem gebrochenen Bein sechs Wochen lang auf dem Sofa mit aktuellen TV-Serien die Zeit vertreibt.

Datenschützer fordern zu Recht, dass der Nutzer von Smart TV-Angeboten in die Datenerhebung einwilligen muss. Allerdings verhindert selbst die datenschutzkonforme Einrichtung einzelner Dienste nicht das Risiko der Kombination dieser Daten, in die der Nutzer gegebenenfalls sogar eingewilligt hat. Das Datenschutzrecht stößt hier ganz klar an seine Grenzen.

Nutzen und Risiko abwägen

Natürlich kennen und verstehen wir die technischen Abläufe, aber kennen wir die Implikationen für den Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes? Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Möglichkeiten, den Nutzen und die Grenzen neuer technologischer Errungenschaften. Damit ist weder sorglose Begeisterung für technologische Entwicklungen, noch kategorische Technikverweigerung gemeint. Wir müssen ernsthaft Chancen und Nutzen mit Risiken für den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes abwägen.