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Treasury in Mittelstand: Vom Kassenwart zum Treasurer

Vom Kassenwart zum Treasurer

Sechs Schritte, die Sie auf Ihrem Weg beachten sollten

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Klar definierte Kernbanken, elektronische Handelssysteme und vollautomatisierte Zahlläufe sind nur einige der Themen mit denen sich Großkonzerne weltweit seit rund 20 Jahren beschäftigen. Mit Erfolg, denn die Komplexität an Zahlungsströmen und Wechselkursrisiken lässt sich heutzutage ohne eine professional geführte Treasury-Abteilung gar nicht mehr managen. Verwunderlich ist nur, dass viele kleine oder mittelständische Unternehmen bei dieser Entwicklung außen vor geblieben sind. Telefonhandel, einen Blumenstrauß an Bankpartner und die gute alte Barkasse im Schrank gehören nach wie vor bei vielen zum täglichen Geschäft. Im Folgenden erklären wir welche Schritte notwendig sind, um auch kleinere Unternehmen fit für das Treasury des 21. Jahrhunderts zu machen:

  • ­Auswahl von Bankpartnern: Die Definition eines weltweiten Kernbankenkreises steht oftmals am Beginn der Arbeit von Treasury-Abteilungen. Die Erfahrung zeigt, dass sich hier leicht 15-20% an Bankgebühren einsparen und ein höheres Servicelevel erreichen lassen. Außerdem werden die nachfolgenden Abstimmungs- und Zentralisierungsprozesse in der Systemlandschaft deutlich vereinfacht.
  • ­Cash Pooling: In großen Unternehmen ginge heute nicht mehr viel ohne deren globale Cash Pool-Strukturen. Ineffiziente Verteilung von Cash, hohe Pufferbestände pro Währung und Land gehören somit der Vergangenheit an. Als Folge ergeben sich hocheffiziente zentrale Anlagestrategien und eine gezielte Verfügbarkeit von Liquidität, wo sie gebraucht wird. Auch kleine und mittelständische Unternehmen sollten über Cash Poo-ling nachdenken, wenn sie europa- oder sogar weltweit in mehreren Standorten tätig sind. So kommen Sie auch dem „Tagesfinanzstatus auf Knopfdruck“ ein Stückchen näher.
  • ­Elektronische Handelsplattformen: Während vor 10 Jahren der überwiegende Teil der täglichen Währungs- und Sicherungsgeschäfte per Telefon abgewickelt wurde, dominieren heute elektronische Handelsplattformen das Geschehen. Neben einem deutlich verbesserten Pricing der Einzeltransaktion, bieten Plattformen wie FXall oder 360T ein automatisches Reporting und die Kontrolle bezüglich marktgerechter Konditionen gleich mit an. Auch die geschäftsbezogene Vergleichbarkeit seiner Bankpartner ist zu jeder Zeit transparent nachzuvollziehen und im nächsten Bankengespräch abrufbar.
  • ­Treasury Management System (TMS): Bei der Auswahl eines geeigneten TMS kommt es vor allem auf die Bedürfnisse des Unternehmens an. Genereller Vorteil für die Kunden ist aber die Verzahnung von ERP-Systemen mit allen externen Bankprozessen sowie die Möglichkeit der Zentralisierung aller Treasury-Daten in einem System. Gleichzeitig wird ein komfortables und übersichtliches Reporting für den Kunden geboten, sodass zum Beispiel Marktpreisänderungen auf Unternehmensbilanz und -GuV ermittelbar sind. In Zukunft werden die TMS-Anbieter die Systemunterstützung in Bezug auf Drittanbieter weiter optimieren, sodass Drittsysteme andockbar sind und ein TMS als offene Plattform genutzt werden kann. Die Flexibilität für den Kunden wird somit erhöht - Unternehmen sind dann in der Lage ihre Prozesse und Methodik jederzeit an sich wechselnde äußere Umstände anzupassen. Und: aktuelle TMS kosten nicht mehr die Welt.
  • ­Automatisierte Kontoauszugsverbuchung: Auch heute werden in vielen Unternehmen Kontoauszüge noch manuell gebucht. Die Verbuchung von Kontoauszügen lässt sich über Standard-TMS sehr komfortabel automatisieren. Dies bringt eine enorme Zeitersparnis mit sich bei gleichzeitiger Prozesssicherheit.
  • ­Bank Account Management: Ziel ist die Transparenz über alle unternehmensweiten Bankkonten und Berechtigungen zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt. Dies ist technisch über Software-as-a-Service-Lösungen für Unternehmen jeder Größe problemlos darstellbar und neben der Etablierung von internen Kontrollsystemen, speziell im Hinblick auf Cyberkriminalität, mehr als empfehlenswert.

All diese Maßnahmen befähigen Unternehmen heute ihre Finanzgeschäfte wesentlich zentraler und stringenter abzuwickeln als noch vor wenigen Jahren. Blinde Flecken und Ineffizienzen werden beseitigt, was die Entscheidungsfindung vereinfacht und vorhandene Ressourcen besser nutzbar macht.

Zum Professionalisieren von Treasury-Prozessen und Organisationen werden am Markt maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmenskunden jeder Größe angeboten – Standard-TMS, bis vor wenigen Jahren nur mit großen Investitionssummen realisierbar, sind heute auch nach unten skalierbar. Denn gerade kleinere Unternehmen brauchen oft nicht das volle Spektrum des modernen Treasury für ihr Geschäft. Beispielsweise ist ein globales Value-at-Risk-Modell eher etwas für Großkonzerne, während systemgestützte Disposition, Liquiditätsvorschau, die Bestandsführung von Derivaten oder Darlehen, eine elektronische Handelslösung oder eine zentrale Zahlungsverkehrsplattform für fast alle Unternehmen Vorteile bringt.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 67, Mai 2017
Autor: Tatjana Schäfer, Manager, Finance Advisory, tschaefer@kpmg.com

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