Horizonterweiterung für Energieversorger

Horizonterweiterung für Energieversorger

Das „klassische“ Geschäft eines Energieversorgers besteht u.a. aus dem Strom-/Gas-Vertrieb...

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Das klassische Geschäft eines Energieversorgers besteht aus dem Strom-/Gas-Vertrieb, der strukturierten Beschaffung der benötigten Mengen auf den Großhandelsmärkten und bzw. oder der Erzeugung, dem Netzgeschäft sowie, etwas seltener, einem Eigenhandel.

Die zunehmende Verbreitung regenerativer Energieformen (Wind, Photovoltaik, Biogas), die permanent wachsende Dezentralisierung der Erzeugung (Klein- und Kleinstanlagen, „Prosumer“, KWK-Anlagen), vor allem aber die Positionierung von neuen spezialisierten Wettbewerbern auf dem Markt setzen das Vertriebsgeschäft der Energieversorger immer stärker unter Druck, sodass die Margen aus dem klassischen Energievertrieb kontinuierlich sinken.

Einige Akteure auf dem Energiemarkt haben für sich erkannt, dass eine Ausdehnung der Handelsstrategie auf den Kurzfristmarkt eine gute Ergänzung zu den bisherigen Aktivitäten darstellen kann. Der Kurzfristmarkt (¼-Stunden-Intraday-Handel) umfasst hierbei die Möglichkeiten der Direktvermarktung von fluktuierenden erneuerbaren Energien, der Reoptimierung von steuerbaren Anlagen wie der Einspeisung aus Biogasanlagen und von industrieller Flexibilität sowie die Geschäfte für den Ausgleich von Prognoseabweichungen von Großkunden auf Basis von Echtzeitwerten.

Charakteristisch für diesen Markt sind eine sehr hohe Volatilität aufgrund der Abhängigkeit von schwer prognostizierbaren Parametern (Solareinstrahlung, Wind etc.) sowie eine hohe Komplexität durch eine große Produktvielfalt (Auktionen, gleichzeitiger kontinuierlicher Handel von 1-Stunden- und ¼-Stunden-Produkten). Die hohe Volatilität bedeutet für Unternehmen ein hohes Risiko, wenn sie nur reagieren müssen, und eine große Chance, wenn sie auf diesem Markt agieren können. Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen mit einer moderaten bis hohen Flexibilität können hier effektiver, also mit einer größeren Chance auf einen höheren Ertrag vermarktet werden, sofern das Risiko angemessen kontrolliert wird.

Die Gretchenfragen, die sich Erzeuger durch die Entstehung dieses neuen Marktes stellen müssen, sind, welche Mengen wann und unter welchen Rahmenbedingungen auf welchem der zur Verfügung stehenden Märkte (Terminmarkt, Day-Ahead-Markt, Intraday-Markt) vermarktet werden sollen. Welche Risiken eliminiert das Unternehmen durch eine Vermarktung der Erzeugung am Terminmarkt und wie steht dies zu den dadurch aufgegebenen Chancen im Kurzfristhandel.

Die Antworten hängen von der Art der zur Verfügung stehenden Kraftwerke und ihren Flexibilitäten sowie von den jeweiligen Marktsituationen ab, die sich ständig verändern. So führt zum Beispiel eine größere Marge im Terminverkauf zu einem größeren Vermarktungsanteil in diesem Markt, eine erwartete Zunahme der Volatilität im Kurzfristhandel in der Zukunft würde zu einer Allokation von Mengen in diesen Markt führen.

Die hohe Komplexität des Zusammenspiels verschiedener Vermarktungsmöglichkeiten, hervorgerufen durch eine hohe Volatilität und Produktvielfalt, bedeutet für Energieversorger eine neue Qualität, sich mit Entscheidungen unter Unsicherheit auseinandersetzen zu müssen. Dies erfordert ein erweitertes Risikomanagement und eine klare Definition des angepassten Handlungsrahmens. Darüber hinaus sind die weitreichendsten Anpassungen im Handel zu finden. Neben der Einführung eines automatisierten und algorithmischen Handels für effektives Agieren auf dem Kurzfristmarkt sind neue Bewertungs- und Optimierungsmodelle notwendig, die das Portfoliomanagement bei der Entscheidung über die Allokation von Mengen und Flexibilitäten effektiv unterstützen und laufend eine quantitative Entscheidungsgrundlage bereitstellen.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 67, Mai 2017
Autor: Malte Neuendorff, Senior Manager, Finance Advisory, mneuendorff@kpmg.com

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