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Europas schwerer Kampf gegen leichte Plastiktüten

Europas schwerer Kampf gegen leichte Plastiktüten

Gebühren statt Verbote: Wie sich der deutsche Handel gegen Plastiktüten stark macht

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Plastiktüte

Für die Menschen praktisch, für die Umwelt kritisch – Plastiktüten. Zuhauf achtlos weggeworfen, gefährden sie die globale Flora und Fauna. Besonders deutlich zeigt sich das fernab der Zivilisation. So treiben sie in den Weiten der Weltmeere als Teil riesiger Müllstrudel aus allen möglichen Kunststoffabfällen. Deren Gesamtgewicht schätzten die Statistiker des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) schon 2010 auf rund 142 Millionen Tonnen und damit auf das Gewicht der halben Menschheit. Und das Problem nimmt weiter zu – im wahrsten Sinne des Wortes. 2025 sollen die schwimmenden Teppiche das Doppelte auf die Waage bringen.

Plastiktüten: Leichte Taschen, schwere Probleme

Dazu tragen auch immense Mengen an Plastiktüten bei. 500 Milliarden Stück werden davon jährlich weltweit produziert. Unter Einsatz wertvoller Ressourcen, wie zum Beispiel Rohöl. Der Aufwand scheint in keinem Verhältnis zum Nutzen zu stehen: Einwegtragetaschen werden oft nicht länger als 25 Minuten genutzt. Danach landen Sie als Abfall in den Müllsystemen oder einfach so in der Umwelt. Dort erweisen sich die oft hauchdünnen Gebilde als außerordentlich zäh. So dauert es je nach Materialstärke zwischen zehn und 50 Jahren, bis sie sich zersetzen. Bevor es soweit ist, zerfallen sie in immer kleinere Teile. Das ist ein Problem. In den Ozeanen schwimmend, verwechseln viele Meeresbewohner die Kunststofffetzen – neben Fischen auch Schildkröten oder Wale – mit Futter. Mit schweren Folgen: Die Partikel erweisen sich meistens als unverdaulich. Die Tiere verenden daran oder nehmen die Schadstoffe aus den Plastiktüten in ihren Organismus auf. Geraten sie dann in die Fangnetze der fischverarbeitenden Industrie, landen sie samt den absorbierten Giften an das Ende der Nahrungskette. Und damit in den Menschen.

Dem will die Europäische Union seit 2015 mit einer Richtlinie entgegensteuern. Das Ziel: Bis 2019 soll der Verbrauch pro Einwohner in der Staatengemeinschaft auf 90 Plastiktüten pro Jahr sinken, bis 2025 sogar auf 40. Ein ehrgeiziges Vorhaben. Schließlich verwendete noch 2010 jeder EU-Bürger durchschnittlich 198 der praktischen, aber schädlichen Taschen. Wie die einzelnen Länder die Vorgabe erreichen, ist deren Sache.

Steuer in Irland, Verbot in Italien

Irland versucht es mit einer Steuer auf jede Einwegtragetasche. Und das bereits seit 2002, also lange vor der EU-Verpflichtung. Das Ergebnis: Der der Pro-Kopf-Verbrauch sank von 328 auf 18 bis zum Jahr 2010. Italien wählte einen noch radikaleren Ansatz und führte 2011 sogar ein Plastiktütenverbot ein. Erlaubt sind dort nur noch Tragehilfen aus biologisch abbaubarem Material.

Erste Erfolge in DeutschlandUnd Deutschland?

Hier einigten sich der Handel und das Bundesumweltministerium auf ein anderes Vorgehen. Sie vereinbarten eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, Plastiktüten nur noch gegen eine Gebühr abzugeben. Der Startschuss fiel im Juli 2016. Damals machten 300 hiesige Einzelhändler mit. Das entspricht einer Quote von 60 Prozent. Bereits zwei Monate später waren gut zwei Drittel (65 Prozent) der Einwegtragetaschen für die Kunden nur noch gegen Geld zu haben. Wenn überhaupt. Viele Supermärkte, Drogerien und Elektro-Geschäfte haben Einweg-Plastiktüten komplett aus dem Sortiment genommen. Das gemeinsame Ziel der Selbstverpflichtung: „Bis 2018 sollen in Deutschland 80 Prozent der Plastiktüten kostenpflichtig sein“, sagt Simone Fischer, Head of Sustainability Services bei KPMG Deutschland. Die Höhe der Gebühr legen die Unternehmen fest und die Einnahmen daraus verbleiben bei ihnen.

Der Erfolgsdruck in Deutschland ist vergleichsweise gering. Während zum Beispiel Bulgarien 2010 pro Einwohner einen Verbrauch von 421 Plastiktaschen hatte, waren es hierzulande im Jahr 2015 „nur“ 71. Dass sich Geschäfte in Deutschland dennoch so stark engagieren, könnte auch Imagegründe haben. So warb der Handelsverband Nordrhein-Westfalen Krefeld – Kempen – Viersen für die Selbstverpflichtung, weil sie „medien- und öffentlichkeitswirksame Verantwortung für die Umwelt“ signalisiere.

Unabhängig von der Motivation der teilnehmenden Geschäfte zeigen sich bereits erste Erfolge. So nahm im Modehandel der Anteil von ausgegebenen Plastiktüten im Vorjahr um 50 bis 80 Prozent ab. Das teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) mit. Frische Zahlen legt im Mai 2017 die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) vor.

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