Analyse der FX-Risikoposition | KPMG | DE

Analyse der FX-Risikoposition

Analyse der FX-Risikoposition

Besonderheiten erkennen, Maßnahmen ableiten

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Für international operierende Unternehmen mit entsprechend signifikanten Währungsrisiken ist eine detaillierte Analyse derselben von großer Bedeutung. Im Rahmen dieser sollte dabei, neben einer Betrachtung möglicher FX-Ergebniseffekte, der Fokus insbesondere auf das Fremdwährungsexposure, dem sogenannten Nullpunkt der Fremdwährungssteuerung, gelegt werden. Hieraus lassen sich entsprechende Maßnahmen für die Risikosteuerung ableiten, von der Risikoreduzierung durch Maßnahmen zum Exposuremanagement bis hin zur Sicherungsstrategie.

In der Praxis zeigt sich, dass die Exposure-Analyse im Alltag oft auf das Zusammentragen der Fremdwährungspositionen reduziert wird. Eine tiefergehende Analyse zur Ableitung von spezifischen Maßnahmen und der Aufdeckung von Optimierungspotenzialen erfolgt selten. Die Konsequenz hieraus ist leider offensichtlich: viel zu oft werden Treasurer von unerwarteten FX-Effekten überrascht. Häufige Ursachen hierfür sind zum Beispiel, dass Fälligkeitsprofile von Fremdwährungszahlungen nicht präzise geplant sind und Sicherungsgeschäfte dementsprechend nicht präzise abgeschlossen werden oder dass der Risikohorizont zu kurz oder zu lang angesetzt ist. Die Folge sind ökonomische Über- oder Untersicherungen mit entsprechenden FX-Effekten.

Analyse und Visualisierung der Währungsrisikoposition

Was ist also zu tun? Eine umfassende Analyse der Risikoposition - diese schafft Transparenz über Art und Struktur der Fremdwährungscashflows. Damit ist sie eine wesentliche Basis für die Bestimmung des Risikoprofils. Hierzu lassen sich vier Dimensionen unterscheiden, die im Rahmen der Analyse betrachtet werden sollten:

  • ­Art der Cashflows (beispielsweise eine Einteilung der Cashflows in folgende Kategorien: Geschäftsbereiche oder Produktgruppe/n, Währung/en (zum Beispiel nach Risikogehalt) oder Intern/Extern bzw. Sender/Empfänger),
  • ­Fristigkeit der Zahlungen (beispielsweise Länge des Risikozeitraums, welcher aus einem Cashflow resultiert),
  • ­Historische Entwicklung des Zahlungsvolumens im Unternehmen (beispielsweise, ob es Auffälligkeiten durch einen signifikanten Anstieg eines wiederkehrenden Exposures im Zeitablauf gibt),
  • ­Häufigkeit des Exposures (beispielsweise, ob es sich um ein einmaliges Exposure oder ein Exposure von regelmäßiger Frequenz handelt).

Die Anzahl und Definitionen der Dimensionen sind dabei nach dem jeweiligen Geschäftsmodell sowie externer und interner Rahmenbedingungen (zum Beispiel Datenverfügbarkeit und eventueller regulatorischer Änderungen) unternehmensspezifisch zu gestalten.

Eine sehr anschauliche Ergänzung zur Analyse der FX-Risikoposition bietet die sogenannte Währungslandkarte bzw. Cashflow-Map. Diese visualisiert zeitpunktbezogen interne und externe Zahlungsströme, differenziert nach Währungen in der betrachteten Unternehmensstruktur. Dem Betrachter eröffnen sich auf einen Blick verschiedene, strukturierte Informationen. Beispielsweise lässt sich die Dimension Art der Cashflows hinsichtlich Intern/Extern, Währungen oder Sender/Empfänger unmittelbar ablesen. Darüber hinaus können aus der Gegenüberstellungen einer aktuellen Cashflow-Map mit den Übersichten aus vorhergehenden Geschäftsperioden historische Vergleiche über Cash-Flow-Entwicklungen praktikabel durchgeführt werden.

Nachfolgende Darstellung zeigt ein Beispiel für eine Cashflow-Map anhand eines fiktiven Unternehmens mit Sitz in Deutschland:

Quelle: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Zum Vergrößern der Grafik klicken Sie bitte hier.

Was kann nun aus der Cashflow-Map abgeleitet werden? Betrachtet man im Schaubild sowohl die externen Fremdwährungs-Zahlungen der finnischen Tochtergesellschaft, als auch deren Intercompany-Geschäfte mit der deutschen Muttergesellschaft, ergeben sich zunächst externe Cashflows in Norwegischen Kronen (NOK), Russischem Rubel (RUB) und Polnischem Zloty (PLN). Werden die entsprechenden Positionen „genettet“, verbleiben aus Sicht der finnischen Tochtergesellschaft Inflows in Höhe von TNOK 12.100, TRUB 4.300 und TPLN 1.600. Aus Transaktionen mit der deutschen Muttergesellschaft bestehen Verbindlichkeiten und Forderungen in den Währungen EUR, NOK und PLN. Beispielsweise ergibt sich aus der Verrechnung sämtlicher externer und interner NOK-Cashflows für die finnische Gesellschaft ein NOK-Exposure von TNOK 100.

Dieser detaillierte Einblick in die Risikoposition der finnischen Tochtergesellschaft erlaubt es, entsprechende Optimierungspotenziale und Handlungsalternativen für das Fremdwährungsmanagement zu erarbeiten, um die Risiken im Unternehmen gezielt zu steuern bzw. zu mindern. Beispielsweise sollte auf Basis der neu gewonnen Gesamtperspektive validiert werden, in welchem Umfang Intercompany-Geschäfte zukünftig in EUR statt in Fremdwährung fakturiert werden können. Weiterhin ist aus der Darstellung erkennbar, dass die finnische Gesellschaft von norwegischen Abnehmern teilweise in EUR bezahlt wird. Als Optimierungsansatz ist hier die weitere Erhöhung des Anteils externer EUR-Inflows von norwegischen Abnehmern zu nennen, zu Gunsten der Reduzierung der Risikoposition in NOK. Beide Maßnahmen reduzieren das Währungsexposure – und zwar ohne den Einsatz von teuren Sicherungsinstrumenten.

Ferner sind in diesem Zusammenhang auch Untersuchungen denkbar, welche Währungseffekte in der Wertschöpfungskette einer spezifischen Produktgruppe auftreten. Hierzu können sämtliche währungsraumüberschreitenden Transaktionen in der Wertschöpfungskette für eine Produktgruppe transparent gemacht und die damit verbundenen Fremdwährungseffekte aufgezeigt werden.

Fazit

Die Möglichkeiten aus der Analyse einer FX-Risikoposition sind vielfältig. Bei einer hohen Granularität der Daten lassen sich Informationen über Cashflows auf unterschiedlichste Ebenen herunterbrechen (wie zur Analyse einzelner Geschäftsbereiche oder Regionen). Die Visualisierung der Cashflows schafft, im Vergleich zu einer rein datenbankorientierten tabellarischen Lösung, einen nutzerfreundlichen Überblick, um Auffälligkeiten und Besonderheiten in den Strukturen frühzeitig erkennen und auf Basis dessen Lösungsansätze zur Reduzierung der FX-Risiken in einem Unternehmen treffen zu können. Insbesondere aber unterstützt die Visualisierung der Cashflows die Kommunikation des Treasurers mit dem CFO und anderen Beteiligten (zum Beispiel Einkauf, Vertrieb, Controlling) und damit die Vermittlung des Nutzens von Maßnahmen im Währungsmanagement.

Insgesamt ist eine detaillierte, regelmäßige Analyse der Währungsrisikoposition, neben dem operativen Risikomanagement, zur Bestimmung von Besonderheiten im Risikoprofil unabdingbar. Sie ermöglicht unter anderem eine direkte Ableitung von Steuerungsmaßnahmen, welche zu einer Reduzierung von Fremdwährungsrisiken führen – und senkt damit deutlich das Risiko von Überraschungen für den Treasurer.

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 67, Mai 2017
Autor: Stephan Plein, Senior Manager, Finance Advisory, splein@kpmg.com

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