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Wenn alte Chefs nur noch verwalten

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Chefs sind heute durchschnittlich sechs Jahre älter als noch 2002 • Mit steigendem Alter der Chefs nehmen Investitionen ins Unternehmen ab • Fehlende Investitionsbereitschaft führt zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit

Deutsche Unternehmen stehen vor einem großen Problem – die Chefetage wird immer älter und investiert immer weniger in die Zukunft des Geschäfts. KPMG-Experte Harald v. Heynitz rät, frühzeitig ein Führungsteam zu etablieren, in dem sich auch jüngere Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen befinden.

Wie eine Studie der staatlichen Förderbank KfW zeigt, sind bereits heute mehr als 1,3 Millionen Firmeninhaber 55 Jahre oder älter. Wie es aus der Studie heißt, sinkt mit steigendem Alter die Investitionsbereitschaft. Die KfW warnt davor, dass der künftige Geschäftserfolg durch die fehlenden Investitionen massiv gefährdet werde. „Weil ältere Chefs wesentlich seltener investieren, droht vielen kleinen und mittleren Unternehmen ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner „Spiegel Online“.

„Um der mit steigendem Alter sinkenden Investitionsbereitschaft zu begegnen, sollte sich ein Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Führungsteam umgeben. In diesem Team sollten zum einen Markt-, IT-, Produktions- und Innovationskompetenzen vertreten sein und zum anderen jüngere Mitarbeiter“, sagt Harald v. Heynitz. Es sei nur logisch, dass jüngere Mitarbeiter mitunter viel vertrauter mit Innovationen oder neuen Marktanforderungen umgehen, als es zum Beispiel viele ältere Firmeninhaber tun. „Das gilt aber nicht für alle Chefs. Es gibt natürlich auch diejenigen, die auch im Alter immer noch dazulernen wollen und sich neue Dinge für das Wohl ihres Geschäfts überlegen“, erklärt Harald v. Heynitz.

1,3 Millionen Firmeninhaber in Deutschland sind 55 Jahre oder älter.

Morgen ist ein anderer Tag

Wie es in der KfW-Studie weiter heißt, lag das Durchschnittsalter der Chefetagen im Mittelstand im Jahr 2002 noch bei 45 Jahren. Heute sind es 51 Jahre. Von den Firmeninhabern, die bereits älter als 60 sind, ist laut der KfW nur noch jeder Dritte bereit, Geld in die Zukunft des Unternehmens zu stecken. „Eine zentrale Ursache für die abflauende Investitionsbereitschaft älterer Unternehmer ist deren kurzer Planungshorizont, die Risikobereitschaft sinkt. Rückt ein Inhaber näher an das Rentenalter heran, besitzen viele Vorhaben eine aus seiner Sicht zu lange Amortisationsdauer. Das gilt umso mehr für alle längerfristig finanzmittelbindenden – dafür aber auch wettbewerbsstärkenden – Zukunftsinvestitionen“, heißt es in dem Bericht.

„Gerade die jüngeren Mitarbeiter können und sollen den Inhaber auch vom Nutzen längerfristiger Investitionen überzeugen. Ein weiterer Vorteil eines solchen Teams ist, dass der Inhaber einen möglichen Nachfolger in diesem Team identifizieren kann, der in der Lage ist, sein Lebenswerk fortzuführen“, so Harald v. Heynitz weiter. Aus seiner Erfahrung weiß Harald v. Heynitz, der vorrangig DAX-Konzerne berät, dass in derart großen Strukturen rund 50 bis 150 Mitarbeiter beschäftigt sind, die beobachtet werden und später den Chefposten übernehmen könnten.

Arbeitsplätze in Gefahr

Die Investitionsmüdigkeit der Chefs könnte irgendwann auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Deutschland haben – nämlich dann, wenn sie durch die fehlende Investitionsbereitschaft nicht mehr wettbewerbsfähig sind. „So können wir unseren bisherigen Wohlstand nicht halten“, warnt Zeuner von der KfW. Um die alternde Chefriege für die Notwendigkeit von Investitionen zu sensibilisieren, rät er unter anderem zu Modellen, die die Altinhaber durch künftige Renditen weiter an den Umsätzen des Unternehmens beteiligen.