Upgrade und Erweiterung von Treasury-Management-Systemen durch IFRS 9

Upgrade und Erweiterung von TMS durch IFRS 9

Aktuellen Herausforderungen mit einer projektbegleitenden Prüfung begegnen

1000

Verwandte Inhalte

FTM Bildwelt: Snowboarder

Schwachstellen von Treasury IT-Systemen sollten idealerweise bereits bei der Systemeinführung aufgedeckt und beseitigt werden. Doch auch bei bestehenden Systemen lauern neue Risiken im Rahmen von Upgrades oder Erweiterungen. Insbesondere bei tiefgreifenden Eingriffen in die Systeme wie durch IFRS 9 kann diesen Risiken durch eine laufende Qualitätssicherung im Rahmen einer projektbegleitenden Systemprüfung begegnet werden.

Wir beobachten derzeit mit IFRS 9 einen Treiber, der bei vielen Unternehmen zu einer Anpassung oder Erweiterung ihrer bestehenden Treasury-Management-Systeme führt. Um die fachlichen und technischen Anforderungen und Möglichkeiten des neuen Finanzinstrumente-Standards IFRS 9 vollumfänglich abzubilden, ist bei den gängigen Treasury-Management-Systemen meist ein Upgrade auf die neueste Release-Version, mindestens aber eine signifikante Änderung der Konfiguration erforderlich.

Zur Sicherstellung des ordnungsgemäßen Betriebs der Prozesskette zwischen Treasury und Accounting erfordern diese Eingriffe in das laufende System ein stringentes Projektvorgehen. Der Projektplan zur Einführung des neuen Standards sollte daher eine entsprechende Kombination von fachlichen und IT-technischen Aspekten aufweisen. Eine laufende Qualitätssicherung im Rahmen einer projektbegleitenden Systemprüfung sollte dabei unbedingt zum Projektumfang gehören, da diese über die rein fachliche Begleitung hinausgeht und den Fokus auf die sachgerechte Umsetzung im Rahmen des IT-Projekts legt.

Unter IFRS 9 sind insbesondere Änderungen an den Bewertungsregeln für Derivate sowie an der Kontenfindung und zugehörigen Buchungslogik zu erwarten. Die Kontenstruktur muss äquivalent auch im Hauptbuch angepasst werden, was zu Risiken bei der Schnittstellenkonfiguration führen kann. Sofern das Treasury-Management-System bereits einige Zeit im Einsatz ist, sollten auch die sonstigen durch das Upgrade betroffenen oder geänderten (Non-IFRS 9-) Funktionalitäten vorab ausreichend analysiert und getestet werden. Kommt es dennoch zu fehlerhaft konfigurierten und unzureichend getesteten Systemen, entstehen schnell signifikante Fehler in Bilanz- und GuV sowie bei den Anhangangaben. In der Praxis beobachten wir vor allem Risiken bei der Umsetzung von IFRS 9 im Treasury-Management-System:

  • ­Verwendung nicht geeigneter oder fehlerhafter Marktdaten und Bewertungsmodelle zur Berechnung von Marktwerten und Wertansätzen nach IFRS 9, wie zum Beispiel bei
    • ­Ermittlung der Currency Basis Spreads (CBS) für verschiedene derivative Finanzinstrumente, für die gegebenenfalls neue währungsbasisadjustierte Diskontfaktoren einzubinden sind
    • ­Berechnung des ineffektiven Anteils im Rahmen des Hedge Accounting durch Separierung von Forwardpunkten, CBS oder Zeitwerten sowie Ermittlung des Aligned Time Value beim Hedging mit Optionen
    • ­Ermittlung der Expected Credit Losses von originären Finanzinstrumenten, unter anderem mit neu zu importierenden Credit Default Swap Spreads oder Ausfallwahrscheinlichkeiten
  • ­Fehlerhafte oder unvollständige Umsetzung der Konten- und Buchungslogik des IFRS 9, zum Beispiel in Hinblick auf
    • ­Ausweis der Cost of Hedging und des effektiven Anteils auf zwei getrennten OCI-Konten sowie Einrichtung von neuen Auflösungslogiken für das OCI
    • ­Buchung der Expected Credit Losses für finanzielle Vermögenswerte unter Beachtung der Stufenlogik bei signifikantem Anstieg des Kreditrisikos
    • ­Unvollständige oder inkonsistente Anpassung der Kontenstruktur zwischen TMS und ERP

Werden solche Schwachstellen und Fehlerrisiken erst im Rahmen der Inbetriebnahme neuer Module und Funktionen oder gar erst in der Phase des Echtbetriebs identifiziert, ist eine Behebung in der Regel äußerst mühsam: Projektstrukturen sind bereits aufgelöst, Testsysteme stehen nicht mehr bereit oder der Zugriff auf Berater des Systemherstellers ist nicht mehr ohne Weiteres möglich. Zudem ist die nachträgliche Korrektur der Fehler in der Regel mit zusätzlichen, nicht im Budget geplanten Kosten oder ineffizienten manuellen Workarounds verbunden.

Da bei Systemerweiterungen und Upgrades regelmäßig rechnungslegungsrelevante Funktionalitäten und mittels Treasury-IT umgesetzte Sicherheitsmaßnahmen im Fokus stehen, hat der Abschlussprüfer diese spätestens im Rahmen der Abschlussprüfung zu beurteilen. Durch eine projektbegleitende Systemprüfung, umgesetzt in der Regel durch die Treasury-und IT-Experten des zuständigen Wirtschaftsprüfers, lassen sich potenzielle Fehlerursachen frühzeitig und zielgerichtet schon vor der Jahresabschlussprüfung eliminieren.

Darüber hinaus können weitere Schwerpunktthemen zur Qualitätssicherung gewählt werden, wie beispielsweise die Begleitung der systemseitigen Migration von IAS 39 auf IFRS 9 sowie eine Integration in das fachliche IFRS 9-Accounting-Projekt, sofern dieses die Prüfung des IT-Projektes und eine entsprechende Systemabnahme noch nicht beinhaltet.

Neben der Klärung fachlicher Aspekte sollte der Anpassungsbedarf der bestehenden Systemfunktionalitäten an die Anforderungen des IFRS 9 insgesamt nicht unterschätzt werden. Eine projektbegleitende Systemprüfung reduziert insofern direkt des Risiko von Unstimmigkeiten und fehlerhaften Angaben zu Finanzinstrumenten im Rahmen des Jahresabschlusses und damit das Risiko aufwändiger Nacharbeiten im Treasury-Management-System. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 66, April 2017
Autor: Christian Pfeiffer, Manager, Finance Advisory, christianpfeiffer@kpmg.com 

Finanz- & Treasury Management

Das Expertenteam vom KPMG weist Ihnen den richtigen Weg im Finanz- und Treasury-Management.

 
Lesen Sie mehr

KPMG Corporate Treasury News

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG hat einen neuen Webauftritt entwickelt, der einen möglichst einfachen, nutzerfreundlichen Zugang zu den Inhalten von KPMG bieten soll.