Treasury 4.0 – Cash Management: die Zukunft war gestern

Treasury 4.0 – Cash Management: die Zukunft war gestern

Schlaglichter und Gedankenanregungen zeigen die Richtung auf, in die sich das Treasury bewegen wird.

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In loser Reihenfolge schreiben wir an dieser Stelle über Themen im Zusammenhang mit Treasury 4.0. Es sind Schlaglichter und Gedankenanregungen und zeigen die Richtung auf, in die sich das Treasury bewegen wird. Sie sind aber auch Aufforderung zur Diskussion mit unseren Autoren.

Cash Management war schon immer da, zumindest gefühlt. Cash Management hat sich auch über die Jahre immer weiterentwickelt. Mal mit größeren Schritten (Dispositionsunterstützung durch Treasury-Management-Systeme, EUR-Cash Pool), mal mit kleineren (Cross Currency Notional Pooling, Virtual Accounts), die sich bisher nicht flächendeckend durchgesetzt haben. Was sich in vielen Unternehmen jedoch bis heute kaum geändert hat ist der personelle Aufwand, mit dem Cash Management betrieben wird. Ich möchte heute nicht über die Ursachen schreiben, sondern einmal ein Bild des Cash Managements aufzeigen, wie es in einer digitalisierten Welt aussehen sollte und wird.

Zuerst jedoch ein Schritt zurück: Cash Management ist am Ende nur die Residualgröße von grundlegenden unternehmerischen Entscheidungen über die Kapitalausstattung von Tochterunternehmen. Die Frage nach der strategischen Ausrichtung des Cash Managements wird demnach substanziell von der Eigen-/Fremdkapitalstruktur der einzelnen Gesellschaft vorbestimmt und durch das dann folgende Zielsystem (zum Beispiel Zins- versus Gesamtkostenoptimierung nach Steuern) ausgeprägt.

Dies soll uns heute jedoch nicht weiter beschäftigen, denn wir richten den Fokus auf den Prozess der täglichen Arbeit im Cash Management (ohne Zahlungsverkehr). Wie sollte er unter Treasury 4.0 aussehen und wie kann er bereits mit den heute verfügbaren technischen Möglichkeiten ausgeprägt werden? Folgende Prozesse (nur grob skizziert) sind hierbei relevant:

  1. Kontoauszugsverarbeitung: Automatischer Abruf aller Kontoauszüge in elektronischer Form vor Beginn des Arbeitstages; Überwachung möglicher Fehler nebst automatischer Benachrichtigung der entsprechenden Bank. Automatische Auszifferung der Kontoauszüge in der Bankbuchhaltung. Anzeige des entsprechenden Status je Konto im Dash Board des Cash Managers.
  2. Disposition: Parallel zur automatischen Auszifferung der Kontoauszüge erfolgt der automatische Dispositionsabgleich. Nicht ausgezifferte Planpositionen des Vortages werden im Default auf den aktuellen Tag geschoben und dem Cash Manager angezeigt. Er entscheidet, welche dieser Ein-/Auszahlungen er überhaupt sehen möchte und ob die Disposition bestehen bleibt oder nicht. Die Disposition der Bankkonten erfolgt automatisch auf Basis der über diese Konten für den aktuellen Valutatag vorgesehenen Auszahlungen (Informationen aus der Payment Factory), der erwarteten Einzahlungen (Liquiditätsvorschau – Anmerkung: automatisiert, selbstlernend bzw. mittels Einsatz von Predictive Analytics in Abhängigkeit vom Geschäftsmodell) sowie der aus dem zentralen Treasury-Management-System übernommenen Ein- und Auszahlungen aus Finanztransaktionen. Systemseitige Erzeugung von Kontoüberträgen erfolgt entsprechend definierter Regeln dort, wo kein bankenseitiges Zero Balancing eingerichtet ist. Automatische Limitüberwachung in Echtzeit, Stopp von Transaktionen im Fall einer Limitüberschreitung und Erzeugung eines Non-Compliance-Berichts sowie Versand an den vordefinierten Empfänger. Anzeige im Dash Board zur manuellen Weiterbearbeitung durch den Cash Manager.

Kurzfristige Mittelaufnahme bzw. -anlage: Berücksichtigung der Tagesdisposition sowie der erweiterten Disposition der nächsten zwei bis sieben Arbeitstage. Erweiterter Abgleich mit der Vier-, Acht- oder Zwölf-Wochen-Liquiditätsvorschau und daraus abgeleitete regelbasierte Vorschläge zur Mittelaufnahme oder -anlage. (Automatische) Umsetzung mittels vordefinierter Prozesse mit oder ohne automatisierter Einholung von Vergleichsangeboten.

Wenn Sie sich nun fragen, was bei dieser Beschreibung die tägliche Aufgabe des Cash Managers ist, so bleibt festzustellen, dass sie sich im Wesentlichen darauf beschränkt, die automatisierten Prozesse zu überwachen und Ausnahmen einer manuellen Nachbearbeitung zu unterziehen. Hier schließen sich dann automatisch zwei Fragen an:

  1. Wie viele Ressourcen sind in einem Unternehmen für diese Tätigkeiten über alle Gesellschaften hinweg erforderlich? Erste Analysen zeigen eine mögliche Reduzierung des täglichen Aufwands im Cash Management um 70%.
  2. Muss diese Tätigkeit weiterhin im Treasury angesiedelt sein oder passt sie nicht viel besser in Teilen zur Bankbuchhaltung oder in ein Shared Service Center? Hier lassen sich eine Reihe von Argumenten für und wider eine solche Verlagerung finden. Insbesondere dann, wenn wir noch die Tätigkeiten einbeziehen, die sich um die Definition und Festlegung der oben beschriebenen Regeln für die automatisierte Durchführung einzelner Tätigkeiten drehen.

Tatsache ist jedoch, dass die zuvor beschriebenen Prozessautomatisierungen bereits heute technisch weitestgehend umsetzbar sind (gleichwohl noch nicht mit allen Systemen) und eine signifikante Veränderung des Stellenprofils eines Cash Managers mit sich bringen. Die Digitalisierung macht vor nichts Halt. Auch nicht vor dem Cash Management. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 66, April 2017
Autor: Carsten Jäkel, Partner, Finance Advisory, cjaekel@kpmg.com 

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