So wird die Energiewende zum Geschäft | KPMG | DE
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Energiewende

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So wird die Energiewende zum Geschäft

Keyfacts über Energiewende

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Energienachfrage und Energieangebot intelligent zusammenbringen • Nachhaltigkeitsstrategie in nachhaltige Unternehmensstrategie überführen • Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen für Energieversorger schaffen

Innovationen und Investitionen: Deutsche Energieunternehmen bereiten sich auf die neue Zeit in ihrer Branche vor – bereits heute sind es 72 Prozent. Vor dem Hintergrund der von KPMG veröffentlichten Studie „Energy – Quo vadis?“ skizziert Daniel Schmid, Chief Sustainability Officer von SAP SE, im Interview die Herausforderungen der Energiebranche, insbesondere Planungssicherheit, politische Entscheidungsprozesse und eine nachhaltige Energiewende.

Die Veränderungen im Energiebereich werden von vielen als historisch bezeichnet. Teilen Sie diese Einschätzung?

Daniel Schmid: Transformation erleben wir in vielen Sektoren. Allein die Digitalisierung verändert eine ganze Reihe von Branchen, da entstehen neue Spieler und neue Geschäftsmodelle. Ja, im Energiebereich findet derzeit ein besonders deutlicher Umbruch statt, hin zu mehr Dezentralität und erneuerbaren Energien. Dennoch bin ich eher zurückhaltend, das als historisch zu bezeichnen.

Welche Herausforderungen bringt dieser Umbruch mit sich?

Schmid: Es geht vor allem darum, Energienachfrage und Energieangebot intelligent zusammenzubringen, Lastspitzen auszubalancieren und Verlässlichkeit in der Versorgung zu gewährleisten. Als große Herausforderung sehe ich auch die Planungssicherheit, besonders für Energieversorger, die ja ihre Investitionen über Jahrzehnte durchkalkulieren müssen. Hier ist die Politik gefordert, verlässliche Rahmenbedingungen zu setzen.

Gab es jüngere Entwicklungen in der europäischen Energiepolitik, die Sie überrascht haben?

Schmid: Ich erwarte, dass die Energiewende rasch angegangen und umgesetzt wird, dies ist auch im Einklang mit der Vorstellung von SAP von Nachhaltigkeit. Erstaunt war ich, dass es Ereignisse bedarf wie der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011, um ein politisches Umsteuern herbeizuführen. Anscheinend ist ansonsten vielen Menschen nicht bewusst, welche Risiken und Gefahren Umweltzerstörung und Klimawandel für uns alle mit sich bringen.

18,8 Mrd. Euro wurden 2014 in Deutschland in Erneuerbare-Energie-Anlagen investiert.

Was haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt? Was machen Sie seitdem anders?

Schmid: Wir haben unsere Nachhaltigkeitsstrategie bereits vor etlichen Jahren definiert. Diese haben wir sukzessive überführt zu einer nachhaltigen Unternehmensstrategie und halten daran fest. Denn wir sind davon überzeugt, dass sich nachhaltiges Wirtschaften rechnet. Insofern hat sich die Strategie unseres Unternehmens nach Fukushima nicht geändert.

Welche Relevanz hat die Zukunftsanalyse für Ihre Arbeit?

Schmid: In der IT-Branche ist man geneigt, in relativ kurzen Zeiträumen zu denken. Aber genau in meiner Rolle als Verantwortlicher für Nachhaltigkeit ist es entscheidend, den Zeithorizont länger anzusetzen. Deshalb haben wir ja unsere Nachhaltigkeitsziele für 2020, beispielsweise zur Senkung unseres CO2-Ausstoßes, bereits 2009 festgelegt.

Wo sehen Sie sich und SAP im Jahr 2035?

Schmid: Ich glaube nicht, dass wir im großen Stil eigene Solarparks bauen oder als Experten am Energiemarkt unterwegs sein werden. Unser Kerngeschäft wird weiterhin die Software-Expertise sein, vor allem über cloudbasierte Systemlösungen. Doch mit unseren Technologien, die es ermöglichen, in Echtzeit Massendaten zu verarbeiten, können wir sicher vielen Energieversorgern helfen, ein smartes Stromnetz zu managen und Nachfrage und Bedarf besser auszubalancieren. Ich rechne jedenfalls fest damit, dass uns die Energiewende zusätzliche Geschäftschancen erschließt.