Effizientes Management von Wetterrisiken | KPMG | DE

Ein Quanto Trost ­- effizientes Management von Wetterrisiken

Effizientes Management von Wetterrisiken

Die Anwendungsfälle für den Einsatz von Wetterderivaten sind äußerst vielfältig. Quanto-Finanzprodukte können vor Wetterrisiken schützen.

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Quanto-Finanzprodukte können Energieversorger kosteneffizient gleichzeitig vor Wetterrisiken und den damit korrelierenden Gas- und Strompreisrisiken schützen. 

Während der Einsatz von Wetterderivaten als Versi-herung gegen negative Auswirkungen des Wetters in all seinen Ausprägungen und Kombinationsmöglichkeiten in der Landwirtschaft längst zum Standard gehört, gewinnt er allmählich auch in anderen Branchen, wie beispielsweise der Energieversorgung, immer mehr an Bedeutung. Dies spiegelt sich auch in regelmäßig neu angebotenen Börsenkontrakten, wie den kürzlich an den Markt gebrachten Wind Futures an der European Energy Exchange (EEX), Leipzig und der Nasdaq, New York wider.

Die steigende Popularität ist verständlich, denn wie auch in unserem Januar Newsletter unter dem Titel „Das Wetter in den Griff kriegen ­- Risikomanagement mit Wetterderivaten“ beschrieben, sind die Anwendungsfälle für den Einsatz von Wetterderivaten äußerst vielfältig.

Bei der Gestaltung der Finanzprodukte gibt es im OTC-Markt nur wenig Grenzen. Je nach Risikopotenzial können Verträge mit jeglichen Kombinationen aus Wetterstationen, Wetterelementen (zum Beispiel Temperatur, Regenhöhe, Sonnenscheindauer), Messzeiträumen, Zahlungsformeln und weiteren Faktoren entworfen werden. So lassen sich beispielsweise Produkte modellieren, die durch eine Mischung aus Luftfeuchtigkeit und Temperatur ein Frostrisiko absichern oder die Zahlungen auslösen, sobald die Temperatur drei Tage hintereinander zwischen sieben und neun Uhr stündlich kumuliert unter 0° Celsius liegt.

Diese reinen Wetterderivate, welche ausschließlich aus Wetterelementen bestehen, werden in der Energiebranche oft um eine zusätzliche Rohstoff-Komponente erweitert. Die daraus resultierenden sogenannten Quanto (Quantity adjusted option) Finanzprodukte haben einen großen Vorteil gegenüber den konventionellen Absicherungsinstrumenten wie Rohstoff- oder Swing-Optionen: Sie sichern nicht nur das volumetrische Risiko des zu geringen oder zu hohen Gas- bzw. Strombedarfs, sondern gleichzeitig auch das damit korrelierte Preisrisiko des Gas- bzw. Strommarktes ab.

Dies lässt sich am Beispiel eines Gasversorgers verdeutlichen, der selber die passende Gasmenge für die Versorgung seiner Kunden in einem „normalen“ Winter eingekauft hat: In einem sehr warmen Winter verkauft dieser aufgrund geringerer Nachfrage weniger Gas (Volumenrisiko) und ist daher gezwungen, die Überschussmenge in einem Markt mit fallenden Preisen zu verkaufen (Preisrisiko). In einem sehr kalten Winter wiederum ist die Nachfrage nach Gas höher als die erwartete und daher eingekaufte Menge, sodass der Versorger gezwungen ist, teuer in einem steigenden Markt nachzukaufen. Da alle Gaslieferanten dieser Konstellation ausgesetzt sind, stehen sie immer „auf der falschen Seite“.

Für diese beiden Szenarien kann der Gasversorger für eine mit dem Vertragspartner vereinbarte Prämie ein Produkt kaufen, welches sowohl eine Auszahlung verspricht, falls es sehr warm und der Gaspreis gering ist, als auch wenn es sehr kalt und der Gaspreis sehr hoch ist. Die Höhe der Auszahlung kann beispielsweise mithilfe einer Formel dargestellt werden, die das Temperatur-Delta (Differenz zwischen gemessener Temperatur und historischem Mittelwert) mit einem Rohstoffpreis-Delta (Differenz zwischen vertraglich definiertem Ausübungspreis und Marktpreis) multipliziert. So ergibt sich genau dann eine Zahlung, wenn beide Deltas entweder positiv sind, also wärmer als erwartet und bei niedrigem Marktpreis oder falls beide negativ sind, also kälter als erwartet bei teureren Marktpreisen.

Auch hier gibt es bei der Gestaltung der Produkte natürlich viele Freiheiten. So können je nach Anwendungsfall und Risikoappetit die einzelnen Parameter, wie Strike, Cap, Optionsart, Preisindex, Wetterstationen etc. variiert werden. Natürlich ist es auch möglich, einen Vertragspartner mit konträrem Risiko bzw. Business Case zu suchen und mit diesem eine Swap-Struktur zu verhandeln, die je nach Wetter- und Preisentwicklung eine Auszahlung in Richtung beider Vertragspartner ermöglicht.

Schnell wird deutlich, dass Quanto-Finanzprodukte eine kosteneffiziente Möglichkeit bieten, um flexibel und umfangreich Wetter- und Preisrisiken unter Berücksichtigung der Korrelation, abzusichern. Aufgrund der Komplexität der Derivate ist es äußerst wichtig, ein angemessenes Risikomanagement für Wetter im Unternehmen zu implementieren, um einen der häufig größten umsatzbeeinflussenden Faktoren ebenfalls professionell und aktiv zu managen. Dabei reicht es nicht nur aus, die Risiken korrekt zu identifizieren und zu quantifizieren. Zusätzliche Expertise ist notwendig für die Bewertung der Derivate, sowohl während der Preisfindung als auch anschließend als Teil des Tagesend-Reportings.

Für andere Risiken wie Wechselkurs- oder Rohstoffpreisveränderungen, die Unternehmen aktiv managen, besteht meistens eine professionelle Infrastruktur, die eine gute Basis für die Erweiterung des Absicherungsinstrumentariums darstellt. Durch den Einsatz von Quanto-Finanzprodukten kann gleichzeitig die Perspektive auf das Rohstoffpreisrisikomanagement erweitert werden, weil weitere Produkte eingesetzt werden können. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 66, April 2017
Autor: Robert Morys, Manager, Finance Advisory, rmorys@kpmg.com

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