Der Traum von einer Welt ohne Müll | KPMG | DE
close
Share with your friends
Müllproduktion

Müllproduktion

Der Traum von einer Welt ohne Müll

Keyfacts über Müll

Müllproduktion

To-go-Mentalität und Online-Shopping steigern die Müllproduktion • Amazon bietet Initiative frustfreie Verpackung • Ein Leben ohne Abfall wird es auf absehbare Zeit nicht geben

Die 23-jährige New Yorkerin Lauren Singer produziert seit drei Jahren keinen Müll. Auch Familien in Berlin oder England leben nicht mehr für die Tonne. Sie alle eint ein Wunsch: Die Wegwerfgesellschaft zu revolutionieren. Das spornt auch andere an.

Sie will eine Welt ohne Müll. Auf ihrem Blog Trash is for Tossers informiert Lauren Singer über ihre Lebensweise und gibt Tipps an Interessierte. Dort zeigt sie auch ein kleines Einmachglas, das ihre Müllproduktion der vergangenen vier Monate zeigt – es ist praktisch leer.

Es begann in kleinen Schritten, erzählt sie hier: Sie habe beim Einkaufen ihre eigene Tasche mitgebracht, beim Cocktail auf einen Strohhalm verzichtet, und auch Quittungen lehnte sie dankend ab. Es dauerte fast ein Jahr, bis sie ohne Plastikmüll auskommen konnte.

Waschmittel, Zahnpasta und Haushaltsreiniger stellt sie zu Hause selbst her.

Inzwischen hat sie ein Start-up gegründet, über das sie ihre Produkte verkaufen will. Es gibt schon so viele Anfragen, dass sie mit der Produktion nicht mehr nachkommt. Mehr als 40.000 Dollar haben Investoren bisher in „The Simply Co“ gesteckt.

Auch die Betreiberinnen des Ladens in Kreuzberg „Original Unverpackt“ wollen unseren sorglosen Umgang mit Müll verändern. Die Gründung, über die wir hier auch berichtet haben, war ein Sprung ins kalte Wasser, doch ihr Mut wurde belohnt: Schon jetzt schreiben die Inhaberinnen schwarze Zahlen.

Aktionen dieser Art bewegen viel: Zahlreiche Blogger haben heute extrem große Communities und Reichweiten – von denen einige Unternehmen und Medien nur träumen.

Die Meinungen und Ratschläge Einzelner ziehen im Social Network große Kreise. Mir geht es auch oft so, dass mich der gedankenlose Umgang mit Verpackungen vor den Kopf stößt. Die To-go-Mentalität und das virtuelle Shopping im Netz steigern die Müllproduktion teilweise erheblich.

Drei Müll-Produkte, über die ich mich am meisten ärgere:

Bei all den Vorteilen des E-Commerce und der bequemen Lieferung nach Hause oder zum Arbeitsplatz: Der Fluch des Distanzhandels ist die Umverpackung der Umverpackung. Nicht nur der zusätzliche Aufwand der Verpackung ist gewaltig, sondern auch die anschließende Entsorgung.

Im Lebensmittelhandel sind mir vor allem die Einwegplastikflaschen ein Dorn im Auge. Und ein weiteres Verpackungsärgernis im Alltag sind Blisterverpackungen – besonders gern im Einsatz bei Elektronik-Zubehör.

30 Mio. Mal müsste ein Spaceshuttle im Jahr starten, um die jährlich produzierten 300 Millionen Tonnen Plastikmüll außerirdisch zu entsorgen.

Ist der Kampf zu Ende, bevor wir ihn begonnen haben?

Um die jährlich produzierten 300 Millionen Tonnen Plastikmüll außerirdisch zu entsorgen, müsste ein Spaceshuttle im Jahr etwa 30 Millionen Mal starten. Eine unfassbar große Menge. Wie sollen wir es da schaffen, nachhaltig etwas zu verändern?

Ginge es nach solchen Einwänden, wären so manche Kämpfe bereits verloren.

Natürlich ist es bequem, sich mit der Begründung zurückzulehnen, dass man als Einzelner oder als singuläres Unternehmen nur wenig bewirken kann. Letztlich beginnt jede Veränderung auch im Kleinen – beispielsweise mit dem Verzicht auf die Plastiktüte an der Kasse oder dem eigenen Kaffeebecher beim Coffee Shop.

Amazon versucht es mit der Initiative Frustfreie Verpackung: Der Hersteller verwendet wiederverwertbare Kartons, die einfach zu öffnen sind und keine überflüssigen Materialien enthalten wie harte Plastikschalen, Drahtbinder oder Plastiktüten.

Ein Leben komplett ohne Abfall in der Masse wird es meiner Einschätzung nach auf absehbare Zeit nicht geben.

Ein erreichbares Ziel scheint aber die Rückführung oder Wiederverwertbarkeit zu sein. Verpackungen weitestgehend zu reduzieren und Müll zu vermeiden, wo es nur geht – das ist für mich die nachhaltigste Strategie. Alles was dann noch übrig bleibt, sollte idealerweise wiederwertbar, kompostierbar oder sogar konsumierbar sein.

Produkte bei ihrer Herstellung so gestalten, dass sie komplett wiederverwertet werden können – und dabei nicht den geringsten Müll hinterlassen.

Dass dies möglich sei, sagt die Cradle-to-Cradle-Bewegung. Dem Ansatz hängen keine verspielten Weltverbesserer an, sondern Wissenschaftler, Wirtschaftsverbände und Unternehmer. Nach ihren Aussagen ließen sich durch restaurative Kreisläufe bis 2025 pro Jahr eine Billion US-Dollar einsparen.

Ach, wie schön wäre ein Fusionsgenerator.

Wenn ich mir etwas für die Zukunft wünschen könnte: den eigenen Müll komplett zurück zu verwerten. Am besten direkt im eigenen Haushalt. Der imaginäre Fusionsgenerator begeisterte mich bereits im Film „Zurück in die Zukunft“: Er wandelte Abfall einfach in Energie um.