An der Werkbank im Jahr 2030 | KPMG | DE
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An der Werkbank im Jahr 2030

Keyfacts über Zukunftsforschung

Zukunftsforschung

Soziale Kompetenz wird wichtiger • Interdisziplinäres Arbeiten weltweit • Offline-Zeit und Selbstregulierung

Lebenslanges Lernen, die Fähigkeit offline zu sein, soziale Kompetenzen – wer in der Zukunft zu den begehrten Führungskräften zählen will, muss sich auf all diese Dinge einstellen.Die Veränderungen werden noch einschneidender sein als bisher. Sie werden immer mehr Bereiche unseres Arbeitsalltags betreffen. Das Kompetenzprofil einer guten Führungskraft wird vielfältiger ausfallen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen bereit sein, sich ein Leben lang fortzubilden und weiterzuentwickeln.

Das Büro der Zukunft

Wer in ein paar Jahren seinen Arbeitsplatz betritt, muss kein Licht mehr anmachen, denn das Büro verfügt über Ambient Intelligence. Licht, Farbe und Temperatur werden auf den jeweiligen Nutzer abgestimmt. Ganze Wände werden zu riesigen Displays, das Handy ist mit allen möglichen Gegenständen am Arbeitsplatz vernetzt. Die Steuerung läuft über Gesten und irgendwann über Gedanken.

Während wir heute täglich in einer Flut von E-Mails untergehen, wird diese Form der Kommunikation schon bald veraltet sein. Der Prozess wird sich umkehren: Informationen werden nicht mehr gießkannenartig im Unternehmen verteilt, sondern müssen von den Mitarbeitern aktiv und zentral abgeholt werden.

Konferenzen oder auch Vorlesungen können an unzähligen Orten der Welt in unzähligen Sprachen verfolgt werden – dank der automatischen Simultanübersetzung.

Eine halbe Milliarde Menschen nutzen heute etwa 20 Stunden in der Woche einen eigenen Gravatar, also einen künstlichen Repräsentanten im Netz. In Zukunft wird der Gravatar die Visitenkarte sein. Egal, ob man etwas postet, kommentiert, veröffentlicht oder an einer virtuellen Konferenz teilnimmt, weltweit wird das gleiche Bild zu sehen sein: der „globally recognized avatar“ – Gravatar.

96% der Unternehmen erachten Weiterbildungsbereitschaft als die wichtigste Eigenschaft von Führungskräften.

Der Chef der Zukunft

Die Persönlichkeit des Chefs wird eine bedeutende Rolle spielen. Die Engpässe der Globalisierung entstehen nicht durch Technik oder Logistik, sondern durch Missverständnisse zwischen den Kulturen. Neben Offenheit gegenüber dem technischen Fortschritt entscheiden soziale Kompetenzen über den Wert des Mitarbeiters und seine Karrierechancen.

Erfolgreiche und gefragte Mitarbeiter werden außerdem nicht nur in ihrem Fachgebiet kompetent sein, sondern die Fähigkeit zum Denken und Handeln an den Schnittstellen zwischen den Disziplinen beherrschen. Es werden so viele Informationen verfügbar sein wie nie zuvor. Die Kunst der Zukunft wird darin bestehen, die relevanten Informationen aufzubereiten und zusammenzuführen.

Lebens- und Arbeitswelt werden noch stärker verschmelzen als bisher. Der Feierabend wird praktisch abgeschafft. Mitarbeiter arbeiten und leben parallel und simultan 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Entweder verbringt man die Hälfte der Arbeitszeit zu Hause, dafür müssen einige Dinge geklärt sein: Familie, Organisation, Motivation. Oder man verlässt den Firmencampus höchstens zum Schlafen. Unternehmen schaffen auf ihrem Firmengelände Orte, an denen unterschiedliche Lebenswelten nebeneinander existieren. Das umfasst die Kita für den Nachwuchs, Möglichkeiten zur Weiterbildung, Sportstätten, Bars und Restaurants.

In einer derart verwobenen Arbeits- und Lebenswelt wird die Selbstregulierungsfähigkeit zu einer der wichtigsten Fähigkeiten. Wer es nicht schafft, so oft und lang wie nötig offline zu sein, wird untergehen.

Querdenken erwünscht

Alle diese Entwicklungen führen zu Veränderungen der Bildung. Eine Zeit lang setzten Unternehmen und Bildungsinstitute auf Spezialisten, die sich in einem kleinen Bereich sehr gut auskennen. Das wird in Zukunft nicht mehr reichen. Die Interdisziplinarität wird eine große Rolle im Stundenplan einnehmen. Auch lernt der Mitarbeiter der Zukunft nicht mehr nur ein paar Tage in einem Seminar, sondern mit neuen integrierten Lernmethoden wie Social Learning jeden Tag und jede Arbeitsstunde dazu. Feuerwehr und Polizei trainieren schon heute mit Computersimulationen den Ernstfall, bald werden das auch Ingenieure und Techniker tun.

Das alles bleibt nicht ohne Folgen: In modernen Industriestaaten beobachteten Ärzte bereits vor einigen Jahren bei jungen Menschen Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, die eindeutig im Zusammenhang mit der Nutzung von Computern und dem Internet stehen sollen. Mentale Fitness wird demnach künftig eine wichtige Ressource werden.

Arbeitgeber müssen den Wandel, die wichtigsten Trends und Themen stets im Blick haben. Sonst haben sie langfristig im Werben um die Talente keine Chance.