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Stromausfälle

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Zukünftig verstärkt Stromausfälle möglich?

Keyfacts über Energieversorgung

Energieversorgung

Eine Sonnenfinsternis verlangt Energieversorgern viel Arbeit ab • Stromschwankungen im Nord-Süd-Gefälle sollen durch „Stromautobahn“ gelöst werden • Technologische Entwicklung wird Energieengpässe unmöglich machen

Zukünftig verstärkt Stromausfälle möglich?

Europa bereitet sich auf eine seltene Sonnenfinsternis vor: Am 20. März schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde, und die Solaranlagen können nicht mehr richtig arbeiten. Droht ein Blackout wie im November 2006? Die Stromerzeugung unterliegt durch die erneuerbaren Energien künftig stärkeren Schwankungen. Die „Energy – Quo Vadis?„-Studie zeigt mögliche Szenarien von morgen auf.

Den Energieversorgern verlangt dieses Naturschauspiel im Vorfeld viel Arbeit ab. „Die vier großen Netzbetreiber bereiten sich seit mehr als einem Jahr auf die Sonnenfinsternis vor“, erklärt Dr. Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme.

Die Experten des Institutes rechnen während der Sonnenfinsternis mit einem Leistungsabfall von bis 12.000 Megawatt – die Sonnenstrahlung vermindert sich um bis zu 80 Prozent. Doch nicht nur der verdunkelte Himmel ist problematisch. Der Grund: Wenn sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt, fangen die konventionellen Stromerzeuger wie Kohlekraft- oder Gaskraftwerke die geringere Leistung auf. Wenn dann die Finsternis vorbei ist, scheint direkt die Mittagssonne auf die Photovoltaik-Anlagen. „Dann müssen die Stromproduzenten, die das Stromdefizit in den Morgenstunden aufgefangen haben, schnell vom Netz“, sagt Burger über den Vorgang, „sonst droht eine Überlastung der Leitungen.“

„Die Simulationen für das Beispielnetz haben gezeigt, dass die Spannungsänderung durch die Sonnenfinsternis keine Sondersituation für die Regler darstellt. Entsprechend wird es auch auf dieser Ebene zu keiner Systeminstabilität kommen“, heißt es dazu in der Studie.

80% vermindert sich die Sonneneinstrahlung bei einer Sonnenfinsternis.

„Stromautobahn“

„Durch den immer höheren Anteil an erneuerbaren Energien nimmt auch die Volatilität im Stromnetz zu, denn diese Energieformen sind zumeist stärker von externen Einflüssen betroffen. Die Erzeuger und Netzbetreiber müssen immer stärker regelnd eingreifen und sich an der Diskussion über das Energienetz der Zukunft beteiligen“, sagt Jan Hoff, KPMG-Experte für Kritische Infrastrukturen. Und weiter: „Wenn im Norden Deutschlands beispielsweise zu viel ‚Wind-Strom‘ im Netz ist, heißt das noch nicht zwingend, dass ein Einbruch von Photovoltaik im Süden sofort ausgeglichen werden kann. Die Nord-Süd-Trasse soll quasi als ‚Stromautobahn‘ dieses Problem zum Teil lösen.“

KPMG-Experte Wilhelm Dolle beschäftigt sich seit Jahren mit der Sicherheit von kritischen Infrastrukturen. „Der Umgang und die Sicherheit mit diesen kritischen Infrastrukturen wird in der Öffentlichkeit immer stärker wahrgenommen.“ Laut der „Energy – Quo Vadis“-Studie könnten sich durch die technologischen Veränderungen in Zukunft Milliarden Haushaltsgeräte durch das Internet der Dinge quasi selbstverwalten – Ausfälle und Cyberattacken könnten also irgendwann sogar im Privatleben zum Alltag gehören.

Mega-Stromausfall 2006: Dunkle Vergangenheit

Der Blackout wie im November 2006 soll sich am Freitag nicht wiederholen. Damals war es zu einem der größten Stromausfälle in der Geschichte Europas gekommen. Das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Pearl“ verließ die Meyer-Werft in Papenburg (Niedersachsen) über die Ems. Aus Sicherheitsgründen wurden zwei Hochsicherheitsleitungen abgestellt, der Vorgang war jedoch nur unzureichend geplant. Eine Kettenreaktion führte laut „Bundesnetzagentur“ binnen Sekunden zur Überlastung und Abschaltungen und schließlich zu Stromausfällen im Euro-Raum.

Die Folgen waren verheerend: Wie „Spiegel Online“ berichtete, blieben Menschen in Aufzügen stecken, Geschäfte wurden geplündert – in ganz Europa saßen rund 10 Millionen Menschen fast anderthalb Stunden im Dunkeln.

Watt soll werden?

Zukunftsforscher Dr. Heiko von der Gracht bezweifelt, dass zur nächsten totalen Sonnenfinsternis über Europa im Jahr 2026 noch über Stromausfälle gesprochen wird. „Bis dahin reden wir vermutlich gar nicht mehr über Energieengpässe, weil die technische Entwicklung so rasant voranschreitet“, so von der Gracht.

Der Zukunftsforscher verweist auf die Geschichte: Die heute selbstverständlichen Möglichkeiten des Internets beispielsweise seien vor 20 Jahren noch überhaupt nicht überschaubar gewesen. Genauso intensiv entwickle sich die Energiewirtschaft. So laufen im Augenblick Tests, wie ganz normale Fußgänger ihr Smartphone oder Tablet selber mit Strom versorgen können. Strom, den energie-intelligente Kleidung aus ihrer eigenen Bewegung oder aus Sonnenlicht generiert – „charge as you go“ nennt sich das.