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Energiewende

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Windkraft: Der Wind dreht sich

Keyfacts über Energiewende

Energiewende

On-Shore-Windanlagen reichen nicht aus • Off-Shore-Windenergie braucht dringend Fremdkapital • Energiewende bedroht durch Vertrauensverlust

Wenn die Energiewende gelingen soll, müssen wir auch auf Windkraft setzen. Verlässliche Fördermodelle sind wichtig, sonst bleiben die Investoren weg. Ohne fremdes Kapital kann sich die Branche nicht entwickeln.

Bisher gab es in der Windenergie nur ein Risiko: dass der Wind nicht weht. Für alles andere gab es Lösungen. Die Einspeisegarantie sorgte mehr als 20 Jahre dafür, dass jedes produzierte Watt auch abgenommen wurde, und das auch noch zu einem zugesicherten Preis. Die Branche boomte, Wind war ein begehrtes Anlageobjekt.

Es wäre also nur verständlich, wenn die Bundesregierung die staatliche Förderung stoppen und die Industrie nach der Zeit des Anschubs dem rauen Wind des Marktes überlassen würde. Doch wenn wir über Windenergie in Deutschland sprechen, dann dürfen wir nicht nur über die Anlagen reden, die seit 20 Jahren auf den Äckern dieser Republik entstehen. Wir müssen vor allem über Off-Shore-Windparks sprechen.

Die Energiewende schaffen wir nicht mit ein paar Windrädern, die in dünn besiedelten Gebieten vor sich hin kreiseln. Das ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch der Strom, den diese Anlagen produzieren, reicht nicht aus, um sich von der Kernenergie zu lösen. Ein Off-Shore-Windpark dagegen kann ein Kraftwerk ersetzen. Aber dafür brauchen wir ein Fördersystem, das verlässlich ist und allen Beteiligten die Sicherheit gibt, dass es sich nicht jährlich ändert.

Die Off-Shore-Windanlagen sind teuer, weil sie bis zu 100 Kilometer weit draußen im Meer stehen, wo das Wasser bis zu 40 Meter tief ist und der Wind ständig und stetig weht. Sie sind größer, technisch anspruchsvoller und müssen vorausschauender gewartet werden. Der Strom muss von hoher See dorthin gebracht werden, wo er gebraucht wird, zum Beispiel ins Ruhrgebiet. Doch darauf ist das Netz bisher nicht ausgerichtet. Das alles kostet viel Geld, und ist ohne staatliche Förderung nicht zu stemmen.

13,3% betrug 2015 der Anteil der Bruttostromerzeugung aus Windkraft an der Gesamterzeugnis in Deutschland.

Streit um staatliche Förderung

Seit ein paar Jahren tobt in Deutschland eine ideologische Debatte, wer Unterstützung vom Staat erhalten soll und wer nicht. Die Windräder an Land, so die gängige Meinung, haben Landwirte, engagierte Bürger oder Genossenschaften bauen lassen. Hinter den Off-Shore-Windparks stecken jedoch vermeintlich wieder die großen Energieversorger, die alten Kernkraftwerksbetreiber. Und die sollen dafür jetzt auch noch Förderung von der Regierung bekommen, während die Privatkunden für die Umstellung auf grüne Energien die Rechnung bezahlen. Für die großen Versorger lohnt sich der Einstieg in die erneuerbaren Energien aber nur, wenn sie im großen Stil einsteigen. Während bei On-Shore-Wind so langsam alles ausgereizt ist, fängt Off-Shore-Wind in Deutschland gerade erst so richtig an. Etwa 500 Megawatt Erzeugungsleistung sind bisher auf hoher See installiert, Anlagen mit einer Kapazität von etwa 3.000 Megawatt sind derzeit im Bau. Doch das könnte es nun erst einmal gewesen sein.

Seit Monaten diskutiert die Politik über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Der ehemalige Umweltminister Peter Altmaier hatte gar die Idee, die Einspeisevergütung rückwirkend zu kürzen. Zwar ist es dazu nicht gekommen, doch viele Betreiber und Investoren haben jegliches Vertrauen in die Branche verloren.Off-Shore-Windparks kosten gerne mal ein bis zwei Milliarden Euro und haben einen Vorlauf von bis zu sieben Jahren. Kapitalgeber müssen also einige Geduld aufbringen, bis sich ihr Investment rechnet. Ohne verlässliche und langfristig stabile Rahmenbedingungen geht niemand dieses Risiko ein.Es ist ein Teufelskreis. Die Industrie muss sich weiterentwickeln, die Kosten senken, wenn sie jemals ohne staatliche Förderung auskommen will. Doch ohne internationales Kapital ist das nicht möglich. Die Geldgeber müssen nicht in Deutschland investieren, es gibt Alternativen. Wir brauchen in Deutschland Windenergie, wenn wir die Energiewende schaffen wollen. Und wir müssen dafür sorgen, dass Deutschland auch künftig für Investoren attraktiv bleibt.