Währungsmanagement: Messung der Performance einer Risikostrategie

Messung der Performance einer Risikostrategie

Treasury-Abteilungen wenden sehr komplexe Strategien an, um das Risiko von Ergebniseffekten aus zukünftigen Fremdwährungs-Cashflows zu minimieren.

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Im Rahmen des Währungsmanagements wenden Treasury-Abteilungen teils sehr komplexe Strategien an, um das Risiko von Ergebniseffekten aus zukünftigen Fremdwährungs-Cashflows zu minimieren.

Im Sinne eines Regelkreises ist neben der Festlegung und Umsetzung einer Risikostrategie jedoch auch die Analyse ihrer Wirksamkeit sowie die daraus folgende Ableitung von möglichen Strategieanpassungen ein wesentlicher Bestandteil der Prozesskette. Aussagen über die Wirksamkeit und damit den Erfolg der Risikomanagementstrategie gibt eine entsprechende Performancemessung.

Doch wie können Wirksamkeit und Erfolg einer umgesetzten Strategie bewertet werden? Die im Rahmen der Anwendung und Dokumentation des Hedge Accounting zu ermittelnde Hedge-Effektivität wird vielfach als etablierte Methode der Performance-Messung genannt. Bei der Ermittlung der Hedge-Effektivität wird darauf abgestellt, inwieweit Marktwertveränderungen des gesicherten Risikos durch Marktwertveränderungen des Sicherungsgeschäfts ausgeglichen werden. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass sich diese Methode nur bedingt zur Performancemessung eignet. Wird beispielsweise die Dollar-Offset-Methode unter Anwendung der hypothetischen Derivatemethode angewendet, wird aus Vereinfachungsgründen davon ausgegangen, dass das abgesicherte Risiko der Ausgestaltung des Sicherungsgeschäfts entspricht. Hierbei entstehen Unschärfen, die im Rahmen der Performancemessung umgangen werden sollten. Diese Unschärfen bestehen auch bei anderen Methoden zur Ermittlung der Hedge-Effektivität, sodass sich diese nur bedingt für eine Performance-Messung im FX-Management eignen. Zudem wenden nicht alle Unternehmen Hedge Accounting an.

Nähern wir uns der Frage aus der Richtung der Zielsetzung der Sicherungsstrategie und betrachten zwei grundsätzliche Varianten:

  • ­Im Rahmen der ergebnisorientierten Performance wird der Beitrag des Risikomanagements zum Ergebnis eines Unternehmens betrachtet, also die Frage beantwortet, welchen finanziellen Mehrwert die Steuerung der Währungsrisiken durch Risikomanagementaktivitäten erzielt. Der Mehrwert kann dabei beispielsweise dahingehend quantifiziert werden, inwieweit durch die umgesetzte Währungsmanagementstrategie eine Partizipation an positiven Wechselkursentwicklungen erreicht werden kann.
  • ­Bei der risikominimierenden Performance dagegen steht der Aspekt der Risikovermeidung im Vordergrund. Hierbei wird ermittelt, inwieweit Währungsrisiken durch die Risikosteuerung reduziert werden, was sich zum Beispiel unmittelbar in der Erreichung des Budgetkurses ausdrücken kann.

Werden wir nun konkreter und schauen wir uns im Folgenden drei ausgewählte Ansätze etwas genauer an:

  1. Ex-post Vergleich der umgesetzten Sicherungsstrategie mit einer fiktiven Strategie, nach der die Währungsrisiken nicht gesichert werden („Markt-Szenario“): Hierbei wird auf Basis der umgesetzten Sicherungsquote der sich ergebende Umrechnungskurs berechnet (auf Basis der gesicherten und nicht gesicherten Exposurevolumen). Dieser Kurs wird anschließend mit dem Umrechnungskurs des Marktszenarios verglichen. Bei ersterem werden die Cashflows, welche gesichert waren, mit dem entsprechenden Sicherungskurs in Heimatwährung konvertiert, wohingegen im Marktszenario alle Cashflows mit dem jeweils gültigen Spot-Kurs umgerechnet werden. Der Vergleich der Berechnungen zeigt den positiven oder negativen Beitrag zum Ergebnis. Ergänzend kann auch die Performance im Vergleich zu einer fiktiven Sicherungsquote ermittelt werden (sogenannte „Monkey“-Strategien).
  2. Analyse der Qualität der Exposure-Planung: Im Rahmen eines Back-Testings wird das geplante Exposure mit den historischen Exposure-Plan-Daten sowie Ist-Daten verglichen. Das realisierte Ist-Exposure stellt dabei die Vergleichsgröße für eine bestimmte Periode dar. Der Vergleich mit den in vergangenen Perioden für diese Periode geplanten Cashflows zeigt unmittelbar die Performance des Planungsprozesses auf. Anschließend kann ermittelt werden, welcher Umrechnungskurs sich mittels einer auf Basis des Ist-Exposure umgesetzten Sicherungsstrategie ergeben hätte. Ein Vergleich mit dem tatsächlich erzielten Umrechnungskurs zeigt die Performance des Währungsmanagements mit Bezug auf die der Exposureplanung inhärenten Planungsunsicherheit.
  3. Kosten der Wechselkurssicherung im Verhältnis zum abgesicherten Nominalvolumen: Als Kosten der Wechselkurssicherung wird beispielsweise bei FX-Forwards der Zinsaufschlag auf den Spot-Kurs bei Geschäftsabschluss angesehen (inkusive sonstiger Bestandteile wie Vertriebsmarge). Dieser Ansatz ermöglicht einen Vergleich der Sicherungskosten pro Exposure-Einheit im Zeitverlauf (zum Beispiel Kosten von x Euro pro 100.000 Einheiten Exposurewährung). Der Vergleich kann hierbei beispielsweise auf Einzelgeschäftsbasis, auf Monatsbasis oder auf Währungspaarbasis durchgeführt werden. Mittels dieses Vergleiches lässt sich anschließend bestimmen, ob die Kosten zur Absicherung von Risiken im Einklang mit dem Ziel der Risikominderung stehen (zum Beispiel auf Basis von potenziellen Währungsverlusten, welche anhand einer historischen Kursvolatilität ermittelt werden).

Daneben lassen sich in der Praxis eine Reihe von weiteren Verfahren beobachten. Nicht jeder Ansatz führt dabei zu einer zweckmäßigen Aussage, vielmehr ist bei der Wahl der Methoden das spezifische Risikoprofil sowie die Risikostrategie zu berücksichtigen (insbesondere mit Blick auf die oben dargestellten chancenorientierten versus risikominierenden Strategien). Die Umsetzung von Performancemessmethoden im Währungsmanagement erfordert neben einem umfangreichen Datenhaushalt (unter anderem historische und zukünftige Exposure-Daten, Sicherungsgeschäfte, Marktdaten) vor allem eine leistungsfähige Treasury IT, damit die Performancemessung als Teil des Regelkreises zeitnah und effizient erfolgen kann. 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 65, März 2017
Autor: Stephan Plein, Senior Manager, Finance Advisory, splein@kpmg.com

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