Recherche in digitalen Netzwerken: Ich google dich | KPMG | DE
close
Share with your friends
Digitale Netzwerke

Digitale Netzwerke

Ich google dich

Keyfacts über soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke als Informationsquelle • Europäische Grundverordnung steht bevor • Bußgelder bei Datenschutzverstößen

Einen Mitarbeiter oder Bewerber einmal schnell googlen? Mal schauen, was sich bei Xing, LinkedIn oder Facebook findet. Hand aufs Herz: Wer hat es noch nicht getan – aber ist es auch immer erlaubt? Besonders häufig stellt sich diese Frage bei forensischen Sonderuntersuchungen.

Hintergrundrecherchen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Informationen werden aussagekräftiger und belastbarer, wenn wir sie in einen Kontext setzen können. Auf einmal verbindet die gemeinsame Clubmitgliedschaft zwei Personen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Geschäfte zwischen ihnen erscheinen in einem anderen Licht. Oder der Klassiker: Ein Mitarbeiter meldet sich krank, obwohl er ein verlängertes Wochenende verbringt oder für die Konkurrenz arbeitet. Oft erlebe ich es, dass unsere Mandanten in der ersten Aufregung die Sache selbst in die Hand nehmen. Mit dem ersten Suchtreffer fühlen sie sich schnell bestätigt. Wie belastbar sind diese Informationen? Wie seriös ist die Quelle? Oder handelt es sich um eine private Aussage, die nicht einfach genutzt werden kann, um beispielsweise eine außerordentliche Kündigung zu begründen? Immer öfter rückt die Recherche durch den Arbeitgeber in sozialen Netzwerken und Internetforen in den Fokus von rechtlichen Auseinandersetzungen.

2,44 Mrd. Nutzer sozialer Netzwerke wird es bis 2018 weltweit geben.

Der rechtliche Rahmen verändert sichJetzt hat die Bundesregierung eine wichtige Einschätzung abgegeben, wie der einschlägige Gesetzestext zu lesen ist. Zwei Punkte sind entscheidend: Grundsätzlich ist die Recherche in sozialen Netzwerken zulässig. Die Datensuche muss jedoch erforderlich und angemessen sein. Nur schnell einmal etwas googlen, setzt eine umfassende Abwägung voraus.

Erkenntnis Nr. 1: Auch für soziale Netzwerke gilt die typische datenschutzrechtliche Abwägung, die die Interessen des Beschäftigten und des Arbeitgebers im Einzelfall zum Ausgleich bringt.So wird beispielsweise eine einmalige Krankmeldung nicht dazu berechtigen, sämtliche Profile des Mitarbeiters in sozialen Netzwerken zu durchsuchen, ob der Mitarbeiter einen freien Tag haben wollte. Anders könnte es aussehen, wenn es zu regelmäßigen Krankmeldungen vorzugsweise an Freitagen und Montagen käme.

Erkenntnis Nr. 2: Soziale Netzwerke wie Facebook, Xing und LinkedIn setzen eine Anmeldung voraus, die umfassende Nutzung ist nur möglich, wenn man sich eingeloggt hat. Darüber entbrannte ein Streit, ob es sich bei solchen Informationen um allgemein zugängliche Daten handelt oder ob diese als privat anzusehen sind. Davon wiederum hing ab, ob und inwieweit die Daten nutzbar sind. Diese Frage beantwortet die Bundesregierung indirekt auch, in dem sie Recherchen in sozialen Netzwerken als grundsätzlich zulässig erachtet.

Erkenntnis Nr. 3: Nichts bleibt, wie es ist. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass mit der bevorstehenden europäischen Datenschutzgrundverordnung verbindliche Regelungen zur Nutzung von personenbezogenen Daten aus sozialen Netzwerken geplant sind.

Fazit: Eine Recherche über Mitarbeiter in sozialen Netzwerken und in Internetforen bedarf stets einer datenschutzrechtlichen Prüfung. Ansonsten wird der vermeintliche Erkenntnisgewinn teuer bezahlt. Es drohen Bußgelder wegen Verstößen gegen das Datenschutzrecht. Das gewonnene Wissen kann möglicherweise in einem arbeitsrechtlichen Prozess nicht verwertet werden und verpufft.